Nordrhein-Westfalen Herne auf dem Weg zur digitalen Verwaltung

Von Serina Sonsalla 8 min Lesedauer

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In der vergangenen Ausgabe berichtete der Fachbereichsleiter für Digitalisierung in Herne, Pierre Herbe, über Smart-City-Projekte. Die Digitalisierung in Kommunen erfordert aber auch eine effiziente ­Verwaltung. Jan-Philip Hermes, Abteilungsleiter für strategische IT und Digitalisierung, ergänzt seinen Standpunkt zum Thema Verwaltungsdigitalisierung.

Grundlage der Strategie Herne 2030 sind die drei Leitmotive urban, digital und international. (Im Bild: Wasserschloss Herne.)(© stefanmissing – stock.adobe.com)
Grundlage der Strategie Herne 2030 sind die drei Leitmotive urban, digital und international. (Im Bild: Wasserschloss Herne.)
(© stefanmissing – stock.adobe.com)

Mit der Digitalstrategie 2030+ haben Sie sich bereits im Oktober 2023 zielstrebig für die Zukunft und die digitale Transformation in Herne aufgestellt. Apropos zielstrebig: Welche Ziele verfolgen Sie, welche ­wurden darin definiert?

Herbe: Wir haben über 100 Maßnahmen aus der Digitalstrategie definiert, die nach und nach umgesetzt werden. Darin werden fünf große Handlungsfelder zusammengefasst.
Das ist einmal die Förderung der „digitalen Infrastruktur“: Dazu gehört der Ausbau des Glasfasernetzes, des „Long Range Wide Area Network“ (LoRaWAN) und von WLAN- und Mobilfunknetzen. Ein weiterer Bereich ist die „Mobilität“: Hier geht es um Nachhaltigkeit und multimodale Vernetzung. Es geht aber auch darum, die Digitalisierung zu nutzen, um beispielsweise Emissionen im Bereich der Mobilität zu reduzieren. Beim Thema „Energie und Umwelt“ wollen wir datenbasiert Klimamonitoring betreiben und das in die Stadtplanung einbinden – vom Einsatz künstlicher Intelligenz bis hin zu Machine-Learning, zum Beispiel im Bereich der Smart Grids. Im Gesellschaftsbereich geht es darum, die Bürgerbeteiligung frühzeitig mithilfe der Digitalisierung einzubinden und die Kommunikation und Kollaboration zwischen Mitbürgern und der Verwaltung zu fördern. Das fünfte Handlungsfeld ist die digitale Verwaltung. Hierbei setzen wir klar auf einfache und smarte Dienste für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt.

Hermes: Der Fokus in der digitalen Verwaltung ist vor allem ­darauf gerichtet, wie wir die Verwaltung für die Menschen digital zugänglich machen und gleichzeitig unsere internen Prozesse optimieren können. Prozesse sollen effizienter werden und das wollen wir durch den Einsatz innovativer Technologien erreichen.

Pierre Herbe (geb. Golz), Fachbereichsleiter für Digitalisierung in Herne. (©  Herne.Digital GmbH)
Pierre Herbe (geb. Golz), Fachbereichsleiter für Digitalisierung in Herne.
(© Herne.Digital GmbH)

Herbe: Ein wichtiger Eckpfeiler in unserer Strategie ist, dass wir auf Open Source und Open APIs setzen. Das ist uns sehr wichtig, denn dabei geht es u. a. um die digitale Souveränität: die Entwicklung offener, wiederverwendbarer Lösungen, schnelles Lernen und Adaptieren von erfolgreichen Best Practices anderer Kommunen. Denn keine Stadt kann alles allein machen. Aktuell beschäftigen wir uns besonders mit den Energie- und Mobilitätsthemen. Andere Städte spezialisieren sich vielleicht mehr in anderen Bereichen. Idealerweise tauschen wir uns darüber aus.
Denn wenn jede Stadt 2.000 Leistungen allein digitalisieren würde, hätten wir etwas falsch gemacht. Es sollte vielmehr das Prinzip „Einer für alle“ (EfA) oder „Einer entwickelt für alle“ gelten. Wir setzen uns dafür ein, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die allen ­zugutekommen. Deshalb arbeiten wir stets eng an Standards, insbesondere in Bezug auf Schnittstellen und Technologien, um diese Lösungen entweder für die Nutzung durch andere bereitzustellen oder umgekehrt.

Wie erreichen Sie die Effizienzsteigerung denn genau?

Hermes: Das ist ganz unterschiedlich. Wir versuchen die Prozesse immer aus der Perspektive der Bürgerinnen und Bürger zu sehen. Schließlich wollen wir für sie das Bestmögliche von dem realisieren, was in unserer Macht liegt.
Der erste Schritt ist gleichzeitig die Frage: Wie kann man am besten online an die Verwaltung herantreten? Im Kontext des Onlinezugangsgesetzes (OZG) haben wir eine Vielzahl von Dienstleistungen über unser Serviceportal für unsere Bürgerinnen und Bürger bereitgestellt. Momentan bewerten wir die Reifegrade einzelner Leistungen, um die jeweils höchstmögliche Ausbaustufe zu erreichen. ­Dabei müssen wir selbstverständlich die rechtlichen Rahmenbedingungen wie den Datenschutz oder die Schriftformerfordernisse beachten.
Anschließend soll der optimierte technologische Prozess möglichst ohne Medienbrüche umgesetzt werden. In einzelnen Projekten prüfen wir bereits den Einsatz von KI oder Robotic Process Automation (RPA), um beispielsweise einfache, wiederkehrende Aufgaben mit moderner Technik durchzuführen. So können wir die Mitarbeitenden von diesen Tätigkeiten entlasten und sie mit anderen Aufgaben betrauen, die in der Verwaltung anfallen. Das sind beispielsweise Aufgaben, denen wir uns ­derzeit mangels ausreichender Ressourcen noch nicht in dem Maße widmen können, wie wir es uns eigentlich wünschen würden. Aber durch den besseren Einsatz vorhandener Ressourcen durch Unterstützung mittels neuer Technologien werden wir künftig in der Lage sein, die Effizienz unserer ­Arbeit zu steigern.

Weiter geht es auf der nächsten Seite mit Herausforderungen und Mehrwert neuer Technologien.

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