eGovernment Benchmark 2023

Europäische Wasserstandsmeldung im Public Sector

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In Malta und Estland läuft es besonders gut in Sachen eGovernment

Die Nutzerzentrierung stellt weiterhin einen der gewichtigsten Faktoren im Prozess der digitalen Transformation dar. Insbesondere in kleineren Mitgliedsstaaten scheint dieses Konzept Früchte zu tragen. Estland, das oftmals als Best-Practice-Beispiel einer gelungenen eGovernment-Umsetzung herhalten muss, kann sich im direkten Landesvergleich mit 92 Punkten deutlich von Luxemburg (89 Punkten), Island (88 Punkten) und Finnland (86 Punkten) absetzen und wie auch schon im Vorjahr den zweiten Platz verteidigen. Der Stadtstaat Malta logiert im direkten Vergleich aller Mitgliedsstaaten sogar auf dem ersten Platz mit 96 von 100 möglichen Punkten auf der DESI Skala.

Besonders erwähnenswert ist der verhältnismäßig hohe Zuwachs einiger Mitgliedsstaaten. Serbien und Griechenland konnten jeweils acht Prozentpunkte zulegen – die Türkei sogar zehn. Dies spricht für überdurchschnittliche Bemühungen dieser Staaten, ihren Public Sector zu digitalisieren und verspricht in naher Zukunft ein vollständig digitalisiertes Europa – zumindest auf Verwaltungsebene.

Wie der eGovernment-Benchmark 2023 eingeschätzt wird

Marc Reinhardt ist Global Industry Leader Public Sector bei Capgemini und ausgewiesener eGovernment-Experte. Er schätzt die genannten Kennzahlen des eGovernment-Benchmarks 2023 ambivalent ein. „Lokale Behörden schneiden schlechter ab als zentrale Institutionen, was die Verfügbarkeit und Nutzerfreundlichkeit ihrer digitalen Services angeht.“ Das gelte in Deutschland ebenso wie im europäischen Durchschnitt, und sei angesichts der begrenzten Ressourcen, die Kommunen zur Verfügung stünden, auch nicht verwunderlich, so Reinhardt.

Das würde allerdings nicht bedeuten, dass alle Anwendungen aus einer Hand kommen müssen. Im Gegenteil. „Kommunen sollten weiterhin in die Lage versetzt werden, eigene digitale Angebote zu entwickeln. Aber sie müssen sich auch die Frage stellen, ob das in jedem Fall sinnvoll ist. Stattdessen sollten wir noch stärker auf Kooperation setzen, um gemeinschaftlich und effizient die besten Lösungen zu finden. Mit dem EfA-Prinzip ist Deutschland hier auch im europäischen Vergleich auf einem sehr guten Weg.“

Die wenig prominente Rolle Deutschlands innerhalb des Reports erklärt er folgendermaßen: „Nur gut die Hälfte aller Online-Services wird in Deutschland laut dem neuen Report tatsächlich genutzt – im Vergleich zu 80 Prozent im EU-Durchschnitt.“ Um die Nutzungsrate zu erhöhen, gebe es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder dadurch, dass bestimmte Leistungen nur noch online angeboten werden – wie es in Ländern wie Dänemark der Fall sei – oder die Akzeptanz digitaler Dienste bei Bürgerinnen und Bürgern zu erhöhen, indem man ihre Nutzererfahrung noch stärker in den Vordergrund rücke, meint Marc Reinhardt. „Dafür müssen flächendeckend Leistungen entwickelt werden, die nicht nur hochqualitativ und nutzerfreundlich sind, sondern auch Entlastungen im täglichen Leben spürbar machen.“

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