Der eGovernment Benchmark der Europäischen Kommission misst die Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen in Europa. Im letzten Bericht aus dem Jahr 2024 liegt Deutschland mit 66 Punkten im Vergleich der EU27 auf Platz 23 und im Gesamtvergleich Europas sogar nur auf Platz 26.
Manchmal lohnt ein Blick über die Landesgrenze.
(Bild: KolimaPX – stock.adobe.com)
Was kann Deutschland vom digitalen Europa lernen? Ein Blick zu unseren Nachbarländern lohnt sich.
Dänemark (85 Punkte) bietet im Benchmark eine der besten Bereitstellungen von Diensten auf mobilfreundlichen Websites (98 Punkte) an. Der eID-Indikator zeigt an, ob ein vertrauenswürdiges und effizientes Mittel zur Authentifizierung für Dienste eingesetzt wird. Dänemark ist in diesem Bereich eines der führenden Länder (95 Punkte).
Die Niederlande (85 Punkte) sind einer von drei Staaten, die ihre digitalen grenzüberschreitenden Dienstleistungen seit den letzten Messungen am meisten verbessert haben (+17 Punkte). Die Niederlande sind auch die einzige Regierung, deren Websites alle 13 Sicherheitskriterien des Benchmarks erfüllen. Ebenso gehören die Niederlande zu den Top-Staaten beim Schlüsselaspekt Transparenz der Leistungserbringung (zum Beispiel durch klare Prozessbeschreibungen und Design).
Luxemburg (90 Punkte) ist beim Schlüsselaspekt der Transparenz der Leistungserbringung (90 Punkte) sowie bei den digitalen grenzüberschreitenden Dienstleistungen (92 Punkte) führend.
Österreich (82 Punkte) gehört in der EU27 zu den Ländern mit den meisten Verbesserungen (+9 Punkte) und zu denjenigen mit den sichersten Webseiten (.gv.at). All diese Situationen veranschaulichen das Engagement für mehr Transparenz bei digitalen Prozessen, bei der Gestaltung von Diensten und bei der Nutzung personenbezogener Daten.
Wer konnte die stärksten Verbesserungen erzielen?
Zu den Ländern der EU27, die sich in den letzten vier Jahren am meisten verbessert haben, gehört Polen (+14 Punkte), vor allem durch die Nutzerzentrierung (+6 Punkte) und Transparenz (+23 Punkte) sowie +15 Punkte bei Schlüsselelementen (eID, eZustellung, vorausgefüllte Formulare).
In der EU-Studie wird besonders hervorgehoben, dass KI mittlerweile in vielen Portalen der Verwaltung die Nutzerinnen und Nutzer unterstützt. Besonders hervorgehoben wird der Chatbot auf ePortugal.gov.pt, der in über 12 Sprachen auf Basis von ChatGPT in einer Azure-Cloud-AI-Architektur läuft und 88,5 Gespräche pro Tag in Text oder Sprache (2023/2024) beantwortet. Zum Vergleich: Der WienBOT auf wien.gv.at beantwortet über sechs Fragen pro Minute. Ebenfalls erwähnt wird mAIgov auf www.gov.gr, der von der österreichischen Firma UBITEC mit über 5.000 Verwaltungsverfahren (offenen, zugänglichen Daten u. a. mitos.gov.gr) sowie anderen Websites öffentlicher Einrichtungen in Griechenland trainiert wurde und 240 Gespräche pro Minute in 25 Sprachen beantworten kann.
Grenzüberschreitendes Pilotprojekt
Die Single-Digital-Gateway (SDG)-Verordnung sieht insbesondere das Once-Only-Prinzip (OOP) vor. Bei der Umsetzung eines grenzüberschreitenden Nachweistausches (in Deutschland NOOTs) spielen die Register und deren Anbindung eine wesentliche Rolle (RegMo – Registermodernisierung).
In einem Pilotprojekt zwischen Deutschland, den Niederlanden und Österreich wurde die erste produktive, grenzüberschreitende Übermittlung von Nachweisen im Wirtschaftsbereich realisiert. Dies ist ein wesentlicher Beitrag zur SDG-konformen Umsetzung des OOP.
Die Accelerator Events und der Once-Only-Hub der EU dienen dazu, die Einführung des EU-„Once-Only Technical Systems“ (OOTS) – ein zentrales technisches System zum Austausch von Nachweisinformationen zu bestimmten Verwaltungsvorgängen zwischen den Behörden in der EU – zu beschleunigen.
Was können wir von unseren Nachbarn lernen?
Zusammengefasst kann man sagen, dass Staaten, die eine starke Ausprägung in den Bereichen Kundenorientierung (Servicedesign, Transparenz, vorausgefüllte Formulare), Sicherheit (eID) und Priorität bei den grenzüberschreitenden Leistungen sowie innovativen KI-Einsatz aufweisen, für Deutschland als Vorbild dienen können.
Wir behalten die europäischen Entwicklungen als auch die aktuellen Entwicklungen auf nationaler Ebene hinsichtlich des „Deutschland-Stack“ im Blick. Anliegen ist es, die Einbettung der Fachverfahren in bestehende und zukünftige Rahmenbedingungen auf nationaler und Landesebene optimal zu gestalten, um so durchgängige Ende-zu-Ende-Prozesse zu etablieren, von denen sowohl Verwaltungen als auch die Gesellschaft profitieren.
Stand: 08.12.2025
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Christian Rupp, CDO PROSOZ Herten GmbH Patrick Spahn, Bereichsleitung Markt, PROSOZ Herten GmbH