Verwaltungsmodernisierung Ein Jahr CDO in Berlin

Von Susanne Ehneß 6 min Lesedauer

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Berlin galt in der Verwaltungsmodernisierung bisher nicht unbedingt als Vorreiter. Martina Klement übernahm vor gut einem Jahr den Posten als CDO und hat seither einiges bewegt. Sie ist sicher: „Die Berliner Verwaltung ist besser als ihr Ruf.“

CDO Martina Klement und der Regierende Bürgermeister Kai Wegner auf der CityLAB-Sommerkonferenz.(©  CityLAB Sommerkonferenz 2024, Fotograf: Florian Reimann)
CDO Martina Klement und der Regierende Bürgermeister Kai Wegner auf der CityLAB-Sommerkonferenz.
(© CityLAB Sommerkonferenz 2024, Fotograf: Florian Reimann)

„Es ist viel passiert“, sagt Martina Klement mit Blick auf die vergangenen zwölf Monate. Seit Mai 2023 ist sie Chief Digital Officer (CDO) des Landes Berlin – ein Posten, den es in der Senatskanzlei in dieser Form zuvor nicht gab. Für das Thema Verwaltungsdigitalisierung gab es davor drei Stabsstellen und zwei Abteilungen – aufgeteilt auf zwei Ressorts und drei unterschiedlichen Liegenschaften. Dieses Portfolio fand Klement vor, als sie den Posten als CDO übernahm. Deshalb ging es in ihrem ersten Jahr auch um viel grundsätzliche Aufbauarbeit. „Es war richtig, das Thema Digitalisierung zur Chefsache erklären und in der Senatskanzlei zu bündeln“, sagt Klement und verweist damit auf die Vorgabe und den Wunsch des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner, die Verwaltungsmodernisierung ins Rote Rathaus zu holen.

Bereits kurz nach Übernahme des CDO-Postens wurde Klement Vorsitzende der Digitalbeauftragten der Länder, die bis dahin ein lediglich ein loser Verbund waren, aber beschlossen hatten, eine echte Fachministerkonferenz zu gründen. Auch hier war also im vergangenen Jahr viel Aufbau- und Gründungsarbeit für eine Digitalministerkonferenz zu leisten. „Uns ist es in kurzer Zeit gelungen, alle 16 Bundesländer unter einen Hut zu bringen und die unterschiedlichen Positionen zu einen“, sagt Klement. Im November 2023 wurde das Konzept einstimmig beschlossen, und im Frühjahr dieses Jahres konnte schließlich die erste Digitalministerkonferenz stattfinden.

Bürgerservice

Doch auch in der Berliner Verwaltung ist seit Klements Amtsantritt viel passiert, beispielsweise bei den Bürgerämtern. „Das Thema Bürgeramtstermine ist in Berlin eine riesige Herausforderung“, macht Klement klar. Mittlerweile hat Berlin zirka 20 Prozent mehr Stellen zur Verfügung gestellt und neue Zielvereinbarungen mit den Bezirken getroffen. Neue Standorte werden noch in diesem Jahr eröffnet.

Martina Klement, Chief ­Digital Officer des Landes Berlin und Staatssekretärin für ­Digitalisierung und ­Verwaltungsmodernisierung.(©  Stefanie Herbst)
Martina Klement, Chief ­Digital Officer des Landes Berlin und Staatssekretärin für ­Digitalisierung und ­Verwaltungsmodernisierung.
(© Stefanie Herbst)

Doch der Haupteffekt soll sich durch digitalisierte Dienstleistungen einstellen. „Das geht nicht von heute auf morgen“, räumt Klement ein, „aber viele wichtige Maßnahmen sind auf dem Weg.“ Mittlerweile sind bereits mehr als 350 Dienstleistungen in Berlin digital verfügbar, die aber oftmals bei den Bürgern und selbst in den Bürgerämtern nicht ausreichend bekannt sind. „Diese digitalisierten Services müssen in die Fläche kommen und von möglichst vielen Bürgerinnen und Bürger genutzt werden“, verdeutlicht Klement. „Die Berlinerinnen und Berliner müssen erfahren, was schon alles digital funktioniert, und dann muss es auch möglichst nutzerfreundlich sein.“

Aufgabenkatalog

Ein weiteres großes Projekt, das Klement derzeit verantwortet, ist eine grundlegende Reform der Berliner Verwaltung. Welche Aufgaben die Berliner Verwaltung hat, welche Dienstleistungen sie anbietet und wer dafür zuständig ist – dafür gibt es bislang keinen einheitlichen Katalog und damit auch keine umfassende Übersicht. Im Zuge der Verwaltungsreform wird auch diese Baustelle angefasst: Es soll ein einheitlicher Aufgabenkatalog mit klaren Zuständigkeiten geschaffen werden, der im Nachgang auch kritisch dahingehend gewürdigt wird, welche Prozesse wegfallen, optimiert oder digitalisiert werden können. „Wenn wir klare Zuständigkeiten und schlankere Prozesse hinbekommen, sind wir einen großen Schritt weiter“, weiß Klement.

„Die Berliner Verwaltung ist besser als ihr Ruf“, betont sie. Und genau an diesem Ruf müsse gearbeitet werden. Dies könne beispielsweise durch Marketingaktionen geschehen oder auch durch das Vermitteln, dass das Arbeiten in der Verwaltung Spaß machen kann, dass auch hier hochmotivierte und engagierte Leute sind, mit denen man gern zusammenarbeitet. Beispielsweise soll es im Rahmen der im Oktober stattfindenden Smart Country Convention eine Imagekampagne für die Berliner Bürgerdienstleistungen geben.

Auf der nächsten Seite: Prototypen für Berlin, Ranking im Ländervergleich & anstehende Termine.

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