Sachsen

„Digitalisierung ist kein Hexenwerk“

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Welche Ziele verfolgen Sie und was wünschen Sie sich für die einzelnen Kommunen?

Lichnok: Unser Ziel ist es, den Kommunen in Sachsen die Möglichkeit zu geben, ihre Zukunft ­aktiv und selbstbestimmt zu gestalten – und dafür ist auch die Digitalisierung unerlässlich. Für die kleineren Kommunen ist es oft schwierig, sich intensiv mit ihrer IT-Landschaft auseinanderzusetzen oder diese nach gängigen Standards zu betreiben. Dafür braucht es leistungsfähige kommunale IT-Dienstleister. In Sachsen haben wir die KISA und die Lecos.
In diesem Zusammenhang gibt es Aufgaben, die von Bund oder Land an die Kommunen zur Ausführung delegiert werden. Das ist historisch nachvollziehbar, denn die Kommunen sind diejenigen, die am besten und am ehesten mit Bürgern und Unternehmen in Kontakt kommen – der erste Ansprechpartner sozusagen. Die Erfüllung dieser Aufgaben schließt die Auswahl und den Betrieb der technischen ­Lösungen ein.
Unter den neuen Möglichkeiten stellt sich die Frage: Warum kann das Fachverfahren für diese Aufgaben nicht gleich zentral zur Verfügung gestellt werden? Die Kommunen vollziehen die Aufgaben, die Mittel zur Erledigung werden gestellt. Ich denke, dass das Bereitstellen und das Nutzen zentraler Services weiter verstärkt werden muss – für alle Aufgaben der ­Verwaltung.

Wären sächsische Kommunen überhaupt bereit, zentrale Lösungen anzunehmen oder ist ihnen die kommunale Selbstverwaltung ebenfalls wichtig?

Lichnok: Ich sehe die kommunale Selbstverwaltung nicht infrage gestellt, solange die zentral bereitgestellten Lösungen nicht alternativlos vorgeschrieben werden. ­Allerdings muss eine zentrale Lösung überzeugend und attraktiv sein sowie einen Mehrwert bieten. Dann sollte die Wahl fast von allein in diese Richtung gehen, weil Alternativen nicht wirtschaftlich sind. Die Kommunen haben aber weiterhin die Wahl: einen zentralen Service zu nutzen, der gut passt und im besten Fall finanziert wird oder eine eigene Lösung zu nutzen, die selbst finanziert werden muss.
Und natürlich muss man bei der Auswahl die „versteckten“ Kosten berücksichtigen: Was ist mit den Anforderungen an ein sicheres Rechenzentrum? Wie sieht es mit Informationssicherheit und Datenschutz aus, welche Anforderungen sind mit welchem Aufwand zu erfüllen? Betrachtet man dies, können zentrale Angebote vor allem für kleinere Kommunen eine ­Alternative sein.

Gute Lösungen setzen sich von allein durch, wenn diese Angebote gut sind, Nutzen stiften und einen Mehrwert im Vergleich zur aktuellen Situation bieten.

Was denken Sie über KI und Automatisierung?

Lichnok: Beides wird eine wichtige Rolle spielen. Allein schon deswegen, weil wir in Zukunft weniger Mitarbeitende haben werden, die Aufgaben aber bleiben.
Beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) liegt der öffentliche Fokus aktuell stark auf generativer KI, zur Erstellung von Bildern, Videos oder Texten. Doch ich bin überzeugt, dass KI auch im „Hintergrund“ viele Stärken hat, die wir nutzen können. Wichtig ist, herauszufinden, wo der Einsatz sinnvoll ist und wo sie echten Mehrwert bietet.
Automatisierung kann genutzt werden, um die Mitarbeitenden in den Verwaltungen zu entlasten. Wir haben in der Verwaltung schon jede Menge Daten. Ist die Qualität dieser Daten hoch und sind die Bestände entsprechend verknüpft, sind auch proaktive Leistungen möglich. Wenn ich zum Beispiel innerhalb der Stadt umziehe und einen Bewohnerparkausweis habe, sollte ich nicht mehrere Anträge stellen müssen. Wenn meine Stadtverwaltung weiß, dass ich innerhalb des Ortes in eine andere Straße ziehe, könnte der Bewohnerparkausweis direkt umgestellt werden. Ich würde nur eine Benachrichtigung erhalten, dass alles erledigt ist, aber mit der Option, den Ausweis abzumelden, falls ich ihn nicht mehr benötige. Auf diese Weise kann Automatisierung sowohl die Bürgerfreundlichkeit steigern als auch die Verwaltung entlasten.
Ich denke, Automatisierung und KI werden in Zukunft ihr Potenzial entfalten. Wir sollten nur darauf achten, uns nicht von glänzenden, oberflächlichen Lösungen blenden zu lassen, die gut aussehen. Sie müssen Mehrwert bieten: Es ist besser, einen Schritt zurückzutreten, genau zu prüfen und zu überlegen, wo der Einsatz wirklich sinnvoll ist.

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