Sachsen

„Digitalisierung ist kein Hexenwerk“

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Wie gehen Sie dabei in Ihrer ­Arbeit vor? Geben Sie den ­Kommunen Tipps oder Best-Practice-Beispiele?

Lichnok: In den ersten drei ­Monaten geht es darum, mit den Digital-Navigatoren eine gemeinsame Ausgangsbasis zu schaffen: Worüber sprechen wir, wenn wir „Digitalisierung“ sagen? Welche Rahmenbedingungen müssen beachtet werden? Wir sprechen darüber, was die Ziele der eigenen Verwaltung sind, wie die ­Ausgangssituation aussieht und was die Herausforderungen sind. So kann sich jeder Digital-Navigator seinen ­Leitfaden selbst ­erstellen.
Wir schauen uns gemeinsam an, welche Lösungen z. B. der Freistaat Sachsen mit den Basiskomponenten zur Verfügung stellt. Wir bringen die Digital-Navigatoren aus den Kommunen zusammen und fördern den Austausch.
Und wir machen gute Beispiele sichtbar: Eine kleinere Kommune, die ihre digitale Agenda aufgestellt hat, kann beispielsweise Tipps weitergeben. Was würde ich nicht mehr machen? Was würde ich anders machen? Was kann man weglassen? Oder jemand hat mit ­einem technischen System ein Problem gelöst, welches auch andere haben. Diese Tipps und Beispiele kommen direkt von den Kommunen – von denen, die ihre Erfahrungen ­bereits gesammelt haben und mit ihren aktuellen Lösungen auch näher an den Problemen der Nachbarkommunen sind.

Die finanzielle Lage spielt für die meisten Kommunen auch eine tragende Rolle. Wie sehen hier die Herausforderungen in Sachsen aus?

Lichnok: Auch in den sächsischen Kommunen ist die finanzielle Lage angespannt. Wir haben einen Vorteil: Der Freistaat stellt für die sächsischen Kommunen die Basiskomponenten bereit. Das sind ­verschiedene Systeme und Anwendungen für die Verwaltungsdigitalisierung, z. B. das Serviceportal Amt24, das Beteiligungsportal oder die Prozessplattform. Diese sind über FAG-Mittel finanziert und damit für die Kommunen größtenteils ohne weitere Kosten nutzbar. In der Kommune bleibt der Aufwand, diese Lösungen für sich anzupassen und zu pflegen.

Was passiert denn in den ­Kommunen genau? Welche spannenden Erfahrungen haben Sie bereits gesammelt?

Lichnok: Wir haben das Glück, dass wir in Sachsen sehr viel unterwegs sind und viele Kommunen näher kennenlernen. Dabei merken wir, dass in den Verwaltungen viel mehr passiert als oft in den Medien dargestellt wird:

Die Verwaltung ist langsam, es geht nichts vorwärts – aber so ist es nicht. Es gibt sehr viele kleine Kommunen, die bereits großartige Dinge machen und Teil unseres Programms sind. Wir stellen diese Kommunen in den Fokus und zeigen auf, was schon passiert.

Dadurch wird anderen Kommunen gezeigt, dass ­Digitalisierung kein Hexenwerk ist. Der Austausch und das Miteinander der Kommunen helfen bei der Problemlösung. Denn die Lösungen werden schneller auf den Weg gebracht, und der Aufwand kann insgesamt sinken.

Wie ist Ihr Gefühl dabei: Sind die Kommunen eher offen für das Thema Digitalisierung?

Lichnok: Wir sind nun seit drei Jahren in Sachsen unterwegs. Jetzt ist ungefähr die Hälfte der sächsischen Kommunen in unserem Programm dabei. Dort zeigt sich, dass es jede Menge Engagement gibt. Uns geht es darum, Neugier zu wecken: Es ist wichtig, den Kommunen zu zeigen, dass es auch mit wenig Mitteln geht, dass auch kleine Schritte voranbringen. Wir haben noch nie erlebt, dass eine Kommune dem Thema Digitalisierung abgeneigt wäre. Es sind eher andere Herausforderungen. In kleineren Kommunen vereinen sich oft mehrere fachliche Gebiete auf einem Kopf. Das führt zu einer hohen Auslastung. Kommen beispielsweise noch Wahlen oder andere dringende Themen hinzu, dann ändern sich die Prioritäten, und die Aktivitäten rund um die Digitalisierung rücken schon mal in den Hintergrund. Nichtsdestotrotz sehen die Kommunen den Mehrwert und den Handlungsbedarf.

Kommen diese Kommunen ­aktiv auf Sie zu?

Lichnok: Zu Beginn haben wir unser Programm in verschiedenen Veranstaltungen vorgestellt, insbesondere in den Bürgermeisterkonferenzen der Landkreise. Wir sind auch weiterhin in verschiedenen Terminen unterwegs, um unser Programm bekannter zu machen und zu zeigen, was schon in Sachen Digitalisierung passiert.
Inzwischen wenden sich die meisten Kommunen direkt an uns, sei es nach solchen Veranstaltungen, Netzwerk-Treffen oder aufgrund von Empfehlungen anderer Kommunen.
Und dabei zu sein ist ganz einfach: Der Bürgermeister unterschreibt die Teilnahmeerklärung, benennt einen Digital-Navigator und los geht's! Ein Digital-Navigator ist zwar keine Pflicht, jedoch sollte in der Verwaltung eine Person vorhanden sein, die sich aktiv um die Digitalisierung kümmert.

Mehr zu den Zielen, den zentralen Lösungen und zur KI lesen Sie auf der dritten Seite.

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