Ministerialkongress 2024 Digitale Souveränität, KI und Resilienz im Fokus

Von Stephan Augsten 5 min Lesedauer

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Wie lassen sich Kommunen, Landes- und Bundesbehörden krisensicher aufstellen? Wie erreichen wir digitale Souveränität? Und welche Rolle kann Künstliche Intelligenz dabei spielen? Solche Fragen standen auf dem Ministerialkongress am 4. und 5. September 2024 im Fokus.

Mitgemacht: Als einer von fünf Tracks auf dem Ministerialkongress hob sich der Public Sector Young Circle insofern hervor, als sich die Teilnehmenden aktiv positionieren  und einbringen konnten.(Bild:  BearingPoint)
Mitgemacht: Als einer von fünf Tracks auf dem Ministerialkongress hob sich der Public Sector Young Circle insofern hervor, als sich die Teilnehmenden aktiv positionieren und einbringen konnten.
(Bild: BearingPoint)

Als Veranstalter des Ministerialkongresses hatte Bearingpoint gemeinsam mit der Deutschen Telekom zum 29. Mal nach Berlin geladen. Gemäß dem diesjährigen Leitspruch „Erfahrung trifft auf Innovation“ informierten Vertreterinnen und Vertreter von Ministerien, Behörden, Verbänden und IT-Dienstleistern sowie -Anbietern über aktuelle Digitalisierungsaspekte und -projekte im Kontext der teils gewachsenen Government-Strukturen.

Hierfür standen den Besucherinnen und Besuchern – neben einer ganzen Reihe an Workshops – gleich fünf Tracks zur Verfügung: Plattformen und souveräne Infrastrukturen, Nachhaltigkeit und Resilienz, Datenzentrierung und KI, Organisations-/Personalentwicklung und kultureller Wandel sowie der Public Sector Young Circle. Letzterer hob sich insofern hervor, als das Format interaktiv gestaltet war. So bestand beispielsweise die Möglichkeit, sich per VR-Headset einen Eindruck davon zu verschaffen, wie immersive Welten dabei helfen, Mitarbeiter in Sachen Softskills und prozessuale Abläufe zu schulen.

Menschliche und kulturelle Faktoren

In der Session „Durch Krisen wachsen – Organisationale Resilienz als Schlüssel zur Krisenbewältigung“ wiederum war das Publikum dazu aufgerufen, seine eigene Einschätzung zu verschiedenen Aspekten der Resilienz mitzuteilen. Die alles umspannende Frage der Bearingpoint-Consultants des Young Circle lautete dabei: „Sind behördliche Strukturen die wahren Resilienz-Champions?" Eindeutig beantworten ließ sich die Frage trotz der Stellungnahmen zwar nicht, eine wichtige Erkenntnis durften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber mitnehmen: „Organisationale Resilienz ist nie abgeschlossen“, sondern ein fortlaufendes Projekt. Menschliche Einflussfaktoren sind dabei Agilität und Flexibilität, Arbeitskultur, Interdisziplinarität oder auch digitale Kompetenz aller Beteiligten.

Wie wichtig menschliche Faktoren sind, stellte auch Mark Wedekind, Leiter des Stabs Kompetenzzentrum Cloud am BITBW, in seinem Vortrag heraus. Im Rahmen der Entwicklung einer Cloud-Strategie am BITBW sei die Erkenntnis gereift, dass es einen Kulturwandel brauche – inklusive einer Fehlerkultur, die dazu ermutige, auch Neues auszuprobieren. „Wir brauchen Offenheit, wir brauchen ein Umfeld, wo die Mitarbeitenden sich eben auch trauen, schnellstmöglich zu melden, dass irgendwo ein Fehler passiert“, so Wedekind. Wichtig sei nur, dass man den Fehler anschließend korrigiert, Veränderungen anstößt und aus den Fehlern lernt. Gleichsam habe man ganz im Sinne von DevOps einen Prozess zur kontinuierlichen Verbesserung etabliert. „Es nützt uns nichts, irgendetwas umzusetzen und sich darauf auszuruhen, sondern man muss immer wieder ‚challengen‘: Passt das, was man umgesetzt hat, zu den Kundenerwartungen, passt das zu unseren eigenen Erwartungen?“

Da die Cloud-Strategie parallel zum Regelbetrieb entwickelt werden sollte, habe man über eine interne Stellenausschreibung zunächst einmal Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht, deren Fähigkeiten zu den Funktionen passen. Diese wurden sowohl produkt- als auch funktionsübergreifenden Teams zugeordnet, welche wiederum mit externen Fachkräften aufgefüllt wurden. Alle Anstrengungen liefen letztlich auf die Gründung eines Kompetenzzentrums Cloud im April 2024 hinaus.

Digitale Souveränität als zentraler Anspruch

Informationstechnisch gab es auf dem Ministerialkongress ebenfalls eine Menge zu entdecken. Einen Ausblick auf die Möglichkeiten von KIPITZ (KI-Portal des ITZBund) beispielsweise gab Jens Gehres, Projekteigner und Leiter der Abteilung Projekte, Basisdienste und Querschnittsverfahren des ITZBund. Neben Architektur und Bereitstellungsmodellen zeigte er eine aktuelle App-Liste, in der vor allem klassische GenAI-Anwendungen wie das Erstellen und Übersetzen von Texten oder das Zusammenfassen von Dokumenten dominieren. Man arbeite aber beispielsweise bereits an KI-Anwendungen, die beim Programmieren und Entwickeln von Apps unterstützen sollen.

Kurz vor dem offiziellen Release steht ein Software Development Kit (SDK), welches es Behörden ermöglichen soll, eigene KI-basierte Anwendungsfälle in Form von Prototypen umzusetzen. Nach einer erfolgreichen Überprüfung lassen sich diese als App nach KIPITZ überführen und auch von anderen Behörden nutzen. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, erlaubt KIPITZ auch das Generieren und Verwalten von API-Schlüsseln, so dass auch andere, individuelle IT-Lösungen einer Behörde auf die KI-Funktionen zugreifen können. Gehres unterstrich vor diesem Hintergrund den Wandel von einem KI-Portal hin zu einer umfassenden KI-Plattform. Als KI-Ökosystem für die Bundesverwaltung ermögliche KIPITZ nicht nur das Entwickeln und Bereitstellen von KI-Apps nach dem „Einer für Alle“ (EfA)-Prinzip, es erfülle auch den Anspruch an Souveränität, Flexibilität sowie technologischer Unabhängigkeit und zeichne sich durch integrierte Compliance, Zukunftssicherheit und Nachhaltigkeit aus.

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Die Bedeutung der digitalen Souveränität für Deutschland unterstrich auch Mathias Lux-Hain, Leiter des Behördenstabsbereichs Digitalisierung im Polizeipräsidium Brandenburg und Programmleiter des polizeilichen Digitalisierungsprojekts „P20“. Um die digitale Souveränität der Bundesrepublik Deutschland sei es nicht gut bestellt, nahm er vorweg. 82 Prozent der eingesetzten IT-Lösungen stammten aus dem Ausland, so dass letztlich andere Staaten darüber entscheiden würden, welche Technologien wir hierzulande einsetzen und welche nicht. Lux-Hains nüchternes Fazit: „Deutschland befindet sich in einer digitalen Abhängigkeit.“

Um dem entgegenzuwirken, lobte er drei Ziele aus, die man sich hierzulande stecken müsse: Da wäre zum einen die Möglichkeit zu nennen, selbstbestimmt Lösungen auszuwählen und dank offener Standards und Technologien gegebenenfalls auch wechseln zu können. Zweitens brauche es in den Institutionen auch die digitale Kompetenz, um die passendsten Lösungen zu identifizieren. Und schließlich müsse man mit Blick auf die Gestaltungsfähigkeit auch einen gewissen Einfluss auf die IT-Dienstleister nehmen können.

All dies läuft auf einen Anspruch hinaus: „Wir wollen selbstbestimmt entscheiden, welche Lösungen wir nutzen sollen.“ Dabei stehe die Arbeit mit Anbietern, die unabhängig von der Autorität ihrer Staaten agieren, im Vordergrund. Anschließend gab Lux-Hain dann auch noch einen Einblick in die Digitalisierungsstrategie von P20. Diese zeichne sich durch eine sukzessive Ablösung von Legacy-Anwendungen, gemeinsamen Datenpools und behördenübergreifende Services, den Einsatz von Open Source-Plattformen aus – wobei Open-Source-Software im Übrigen kein Garant für digitale Souveränität sei. Mit Blick auf die bisherigen Ausgaben hob er hervor, dass nach den Entwicklungskosten nun noch Wartungs- und Betriebsausgaben hinzukämen, die in der Planung von Digitalisierungsprojekten allzu oft nicht berücksichtigt würden. Er forderte dementsprechend eine langfristige Haushaltsplanung und langfristig gesicherte Investitionen, unter anderem auch in die Schulung und Befähigung der Anwender.

Welche Möglichkeiten sich hier bieten, wurde auf dem Kongress ebenfalls deutlich: Praktische Anwendungen, das Fördern von Innovationen, lebenslanges Lernen, gezielte Schulungen und Trainings, E-Learning-Plattformen und -Ressourcen sowie informelle Unterstützung wie ein Mentoring – allesamt probate Mittel zur Erhöhung der digitalen Kompetenzen jedes und jeder Einzelnen.

eGovernment Wettbewerb

Weil es aber ohne die Dienstleister, IT- und Service-Anbieter und Anstalten öffentlichen Rechts nicht geht, rückten am Abend des zweiten Tages auch diese noch einmal ins Rampenlicht. Und zwar buchstäblich, denn zum krönenden Abschluss kürten Jon Abele, Leiter Public Services und Mitglied der Geschäftsführung bei Bearingpoint, und Martin Obholzer, Managing Director Öffentliche Hand bei Cisco, die Gewinner des 23. eGovernment-Wettbewerbs. Über die Gewinner-Projekte 2024 haben wir bereits berichtet.

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