Dashboard Digitale Verwaltung Die Strategie des Spitzenreiters Augsburg

Von Susanne Ehneß 5 min Lesedauer

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Die Stadt Augsburg nimmt bei den digitalen Verwaltungsleistungen bundesweit den ersten Platz ein. Frank Pintsch, Ordnungs- und Digitalisierungsreferent, erklärt die Hintergründe und die weiteren Planungen seiner Stadt.

Frank Pintsch, Ordnungs- und Digitalisierungsreferent 
der Stadt Augsburg.(Bild:  Ruth Plössel/Stadt Augsburg)
Frank Pintsch, Ordnungs- und Digitalisierungsreferent 
der Stadt Augsburg.
(Bild: Ruth Plössel/Stadt Augsburg)

Das „Dashboard Digitale Verwaltung“ des Bundesdigitalministeriums zeigt, wie viele und welche Verwaltungsleistungen flächendeckend auf Bundes-, Landes- und Kreisebene verfügbar sind. Seit 2023 ist das Bundesland Bayern an der Spitze dieser Rangliste, aktuell rücken Hamburg und Thüringen auf. Im Vergleich auf Kommunalebene führten die bayerischen Kommunen im Juni 2025 die ersten 34 Plätze an. Auf Platz eins mit rund 1.900 Online-Verwaltungsservices: Augsburg.

Augsburg zählt zu den ältesten Städten Deutschlands und ist mit über 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Bayerns.(Bild: ©  fottoo – stock.adobe.com)
Augsburg zählt zu den ältesten Städten Deutschlands und ist mit über 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Bayerns.
(Bild: © fottoo – stock.adobe.com)

Auslöser E-Akte

„Wir waren von der Platzierung überrascht“, sagt Frank Pintsch im Gespräch mit eGovernment. Der Leiter des Referats für Ordnung, Personal, Digitalisierung und Organisation freut sich natürlich über das Spitzenergebnis und nimmt es als Ansporn. Seit 2017 verfolgt seine Stadt einen strategischen Ansatz, was die Verwaltungsdigitalisierung betrifft. „Wir haben uns damals sehr genau überlegt, wie wir am besten vorgehen und welche Leistungen von den Bürgerinnen und Bürgern maßgeblich nachgefragt werden“, erläutert Pintsch. 2018 wurde dann die ­„Digitalisierungsstrategie der Stadt Augsburg“ vom Stadtrat beschlossen; deren Umsetzung mündete vier Jahre später in der aktuell ­gültigen „Digitalen Verwaltungsstrategie“. Frank Pintsch, damals IT-Referent und Stadtdirektor für ­Organisation, legte 2022 die Strategie vor, war aber von Beginn an dabei.

Auslöser war eine geplante Teststellung zur elektronischen Akte (E-Akte) im Jahr 2017. „Wir sind 70 Dienststellen, über 7.000 Leute, und da machen wir eine Teststellung? Und das im Jahr 2017? Das gibt's doch nicht“, beschreibt er die damalige Situation. Für ihn war damals klar: Die E-Akte ist ­keine Spielerei, sondern eine zentrale Drehscheibe für alle Fach­verfahren.

Man muss einen Nukleus aufbauen mit Leuten, die Bock haben. Es ist eine Teamleistung.

Hinzu kamen weitere digitale Lücken, beispielsweise im Bewerbermanagement. Säckeweise seien die Bewerbungsmappen angekommen, die dann natürlich auch aufbewahrt werden mussten. „Wie viele Verwaltungsgebäude soll man denn anmieten zur Aufbewahrung der Altakten?“, fragte sich Pintsch damals und stieß die Steuerungsgruppe, die strategische Vorgehensweise und letztlich auch die Budgets im Haushalt an. Doch ohne Freunde, ohne Unterstützer in den verschiedenen Dienststellen wäre es nicht gegangen. „Man muss einen Nukleus aufbauen mit Leuten, die Bock haben. Es ist eine Teamleistung“, betont Pintsch.

Unterstützender Digitalrat

Heute ist die Stadt in Sachen Strategie gut aufgestellt. Neben der „Digitalen Verwaltungsstrategie“ hat der ehrenamtliche Digitalrat eine „Digitale Agenda – Die Bürger Experience“ formuliert, die aus externer Sicht Impulse für die Modernisierung der Verwaltung gibt. Der Digitalrat wurde 2021 von Oberbürgermeisterin Eva Weber ins Leben gerufen und befindet sich aktuell in seiner zweiten Amtszeit. Die Augsburger waren hier ihrer Zeit voraus: Das interdisziplinäre Gremium war 2021 der erste Digitalisierungsbeirat auf kommunaler Ebene in ganz Deutschland. Die Geschäftsstelle des Digitalrats ist bei der Smart-City-Geschäftsstelle angesiedelt, die als Bindeglied zwischen dem Digitalrat und der Stadtverwaltung dient.

Dass das Thema Digitalisierung an verschiedenen Stellen aufgehängt ist, empfindet Frank Pintsch als sinnvoll. Dadurch werde die Thematik aus mehreren Richtungen angeschoben. „Dass sich die verschiedenen Stakeholder anfeuern, das ist kein Fehler“, meint er. Zudem müsse Digitalisierung als Querschnittsthema ohnehin in allen Dienststellen präsent sein.

Turbo Bayern-Packages

Dass Augsburg und überhaupt die bayerischen Kommunen im Dashboard-Ranking so weit vorne gelandet sind, liegt nicht allein an den strategischen Grundlagen. Großen Anteil hatten die sogenannten „Bayern-Packages“, die eine Auswahl zentral entwickelter digitaler Verwaltungsleistungen beinhalten und seit 2022 von den bayerischen Kommunen genutzt werden können. Die Nutzung ist nicht verpflichtend, wird durch das Land jedoch massiv finanziell unterstützt. „Deshalb ist Bayern auch ganz vorne, weil alle Kommunen diese Systeme nutzen“, sagt Pintsch.

Ich muss für 300.000 Menschen da draußen den Laden am Laufen halten.

Von einer darüber hinausgehenden, zentralisierten Strategie rät er jedoch ab. Augsburg habe 307 Fachverfahren, die man nicht einfach so abstellen könne. Dazu rund 5.000 Arbeitsplätze, die derzeit auf Microsoft liefen. „Mit unserer Infrastruktur haben wir stabile, resiliente Systeme“, sagt Pintsch. Es gehe nicht darum, eine „schicke IT“ zu haben. Digitalisierung sei ein zentrales Mittel zur Gewährung der Daseinsvorsorge. „Ich muss für 300.000 Menschen da draußen den Laden am Laufen halten“, so Pintsch.

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