Digitale Gerichtssäle Der Wunsch nach Unterstützung

Von Chiara Maurer 2 min Lesedauer

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Die Digitalisierung der Gerichtssäle in Deutschland steht im Fokus einer aktuellen Umfrage des Berliner Systemhauses Arktis IT Solutions. Die Befragung zeigt: Was im Arbeitsalltag vieler Richterinnen und Richter bereits ganz normal ist, hat im Gerichtssaal noch keinen Einzug gehalten.

Im Gerichtssaal eingesetzte Technik muss intuitiv bedienbar und robust sein.(©  imaginima – Getty Images Signature via Canva.com)
Im Gerichtssaal eingesetzte Technik muss intuitiv bedienbar und robust sein.
(© imaginima – Getty Images Signature via Canva.com)

Computer, Tablets, Videotechnik – 53 Prozent der Richterinnen und Richter wünschen sich mehr Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien. Obwohl 90 Prozent der Richterschaft im Arbeitsalltag bereits digitale Medien nutzt und sich acht von zehn Richtern dabei sicher fühlen, besteht ein Unbehagen beim Einsatz dieser Technologien in Verhandlungen.

Laut Jan Christian Hesterberg, Prokurist bei Arktis, besteht die Herausforderung darin, die Digitalisierung der Gerichtssäle als separate Aufgabe zu betrachten. Er erklärt: „Da bis zum 1. Januar 2026 alle Verhandlungssäle mit moderner Videokonferenztechnik ausgestattet sein müssen, führt an einem parallelen und zudem zertifizierten Schulungsangebot demnach kein Weg vorbei.“

Charleen Roloff, Verantwortliche für Legal Tech beim Bitkom, betont ebenfalls: „Die digitale Transformation der Justiz ist unausweichlich, aber ihre Effektivität hängt von der Technikkompetenz der Nutzer ab. Es ist daher entscheidend, Richter, Anwälte und Justizangestellte im Umgang mit den neuen Tools zu schulen.“

Die Umfrage zeigt, dass nur 48 Prozent der Befragten den bisher digitalisierten Gerichtssälen eine gute Nutzerfreundlichkeit bescheinigen und nur 39 Prozent sich auf die Technik im Gerichtssaal verlassen können. „Probleme bei der Bedienung und technische Störungen führen schnell zu einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber dem Einsatz moderner Technik im Gerichtssaal“, sagt Jan Christian Hesterberg. Etwa 45 Prozent der Richterschaft befürchten so etwa einen Autoritätsverlust durch die Distanz beim Einsatz von Videokonferenztechnik, und 18 Prozent halten digitale oder hybrid geführte Prozesse für anfechtbar. Hersterberg erklärt deshalb: „Die Technik sollte es zum einen ermöglichen, bestehende Arbeitsweisen aus der analogen Welt in die digitale Welt zu übertragen. Zum anderen muss die Technik robust und intuitiv bedienbar sein, um die Arbeitsbelastung der Richterinnen und Richter zu verringern.“

Ziel des „Digitalpakts für die Justiz“ zwischen Bund und Ländern ist es deshalb, Zeit und Kosten für alle Prozessbeteiligten zu sparen. Die Ausstattung der Gerichtssäle variiert jedoch noch von Land zu Land und von Gericht zu Gericht. Insgesamt 39 Prozent der Richterschaft gibt an, sich auf die Technik im Gerichtssaal verlassen zu können, während 45 Prozent einen Autoritätsverlust durch die Distanz befürchten. Technische Störungen könnten zudem zu unnötigen Verzögerungen führen und die Arbeit der Richterschaft beeinträchtigen, so Hesterberg. Daher sei eine nutzerfreundliche Ausstattung der Säle von großer Bedeutung.

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