Initiative D21 D21-Digital-Index 2024/25: „Digitalisierung darf nicht spalten“

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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Der D21-Digital-Index 2024/25 ist da – und offenbart große Unterschiede innerhalb der Gesellschaft in Bezug auf digitale Kompetenzen und digitale Resilienz. Weniger als die Hälfte (48 Prozent) der Menschen sehen den digitalen Wandel als Chance.

„Digitalisierung darf nicht spalten – sie kann und muss verbinden: Generationen, Bildungsschichten und Regionen“ (aus dem Vorwort zum D21-Digital-Index 2024/25).(© bluedesign – stock.adobe.com)
„Digitalisierung darf nicht spalten – sie kann und muss verbinden: Generationen, Bildungsschichten und Regionen“ (aus dem Vorwort zum D21-Digital-Index 2024/25).
(© bluedesign – stock.adobe.com)

Ein rechtsverbindliches „Digital Only“-Leitbild für Staat und Verwaltung hat die Initiative D21 e. V. erst kürzlich in ihren digitalpolitischen Forderungen an die Bundesregierung angemahnt. Gleichzeitig fordert die Initiative aber auch einen umfassenden Kompetenzaufbau und besondere Unterstützung für Bevölkerungsgruppen, die Hilfe beim Zugang zu digitalen Leistungen brauchen. Wie nötig das ist, zeigt der neue D21-Digital-Index 2024/25. Denn zum einen fehlt es schon an der Basis: Laut der Studie verfügen erst 49 Prozent der Bevölkerung über grundlegende digitale Fähigkeiten, und dieser Wert stagniert seit zwei Jahren. Bis zum Ziel der Europäischen Kommission, 80 Prozent der Bevölkerung bis 2030 mit digitalen Basiskompetenzen auszustatten, ist es also noch ein weiter Weg.

Digitale Resilienz als Schlüssel

Zum anderen zeichnet sich in den Untersuchungen eine Spaltung der Gesellschaft ab. Als wichtiges Kriterium und als Grundlage für die gesellschaftliche und berufliche Teilhabe betrachtet die Initiative D21 die digitale Resilienz. Darunter wird die Fähigkeit verstanden, auf Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung zu reagieren, sie aktiv mitzugestalten und sich vorausschauend anzupassen.

Insgesamt verfügen demnach 63 Prozent der Bevölkerung über wichtige Resilienzfaktoren, doch diese Fähigkeiten sind ungleich verteilt, nicht nur in Bezug auf Alter und Geschlecht, sondern auch in Abhängigkeit von Bildungsniveau und Einkommen. Unter den Befragten mit höherem Bildungsniveau liegt der Resilienzwert bei 78 Prozent – gegenüber 43 Prozent mit niedrigem Bildungsniveau; bei Menschen mit höherem Einkommen bei 77 Prozent (49 Prozent in derGruppe mit geringem Einkommen).

48 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sind der Digitalisierung gegenüber aufgeschlossen und sehen darin eine Chance für ihre persönliche und berufliche Entwicklung, sie verfügen entsprechend über eine hohe Resilienz – im Schnitt 88 Prozent. Die anderen 52 Prozent der Befragten stehen der Digitalisierung jedoch distanziert, skeptisch oder sogar ablehnend gegenüber. Deren Resilienz ist mit durchschnittlich 35 Prozent weit geringer: „Wer die Digitalisierung ablehnt, bemüht sich weniger, mit der Entwicklung Schritt zu halten“, so die Erklärung.

Umgekehrt wurzelt die Verweigerungshaltung aber auch in einer Überforderung. So ergeben tiefergehende Befragungen in der Gruppe der Vermeiderinnen (Offliner), dass die Nichtnutzung digitaler Angeboten immer weniger mit Desinteresse begründet wird (minus 14 Prozentpunkte) oder damit, dass die Vorteile nicht gesehen würden (minus 8 Prozentpunkte), sondern mit den Schwierigkeiten bei der Nutzung: „Ist mir zu kompliziert“ (plus 3 Prozentpunkte).

„Viele Menschen fühlen sich von der Dynamik der Digitalisierung überfordert und sind unsicher, wie sie Entwicklungen einordnen sollen“, so Marc Reinhardt, Präsident der Initiative D21. Dies berge die Gefahr, dass Teile der Gesellschaft den Anschluss verlieren oder sich bewusst zurückziehen – „das dürfen wir nicht zulassen.“ Doch die Studienautoren betonen auch: „Digitale Resilienz ist erlernbar.“ Besserer Zugang, passgenaue Bildungsangebote und die Vermittlung konkreter Vorteile der Digitalisierung werden als Schlüsselfaktoren genannt.

Zusätzlich zum Schwerpunktthema Digitale Gesellschaft und den Erhebungen zu digitaler Bildung und Kompetenzen befasste sich die Studie in diesem Jahr auch mit Erwartungen, Chancen, aber auch Bedenken zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Auch hier zeigen sich große Ungleichheiten je nach Bildungsstand: 60 Prozent der Menschen mit hohem Bildungsniveau nutzen bewusst KI-Anwendungen, bei den Menschen mit niedrigem Bildungsniveau liegt dieser Anteil nur bei 17 Prozent. Untersucht wurden auch weitere, durch den digitalen Wandel getriebene Transformationsprozesse:

  • Digitale Wertschöpfung – Arbeitswelt heute und morgen, Zukunftsfähigkeit;
  • digitaler und grüner Wandel,
  • Information und Kommunikation – Verhalten und Kompetenzen.

Über den D21-Digital-Index

Mit jährlichen Erhebungen vermittelt der D21-Digital-Index ein Lagebild zur Digitalisierung der Gesellschaft. Durchgeführt wird die Studie von Kantar, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.
Basis des aktuellen D21-Digital-Index sind über 34.000 Interviews (persönliche sowie Online-Interviews) sowie über 7.000 Vertiefungsbefragungen im Zeitraum von August 2023 bis Juli 2024 in der deutschsprachigen Bevölkerung (ab 14 Jahren).
Der Digitalindex setzt sich aus vier unterschiedlich gewichteten Dimensionen zusammen: Zugang, Kompetenz, Grundeinstellung und Nutzung. Mit durchschnittlich 59 Prozent ist er im betrachteten Zeitraum gegenüber dem Vorjahr um einen Prozentpunkt auf 59 Prozent gestiegen.

Zur Studienseite

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