Strategische Steuerung im Public Sector

Als Wissensgesellschaft in die nächste Krise

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„Public Data Governance“ als Voraussetzung

Allerdings darf man nicht glauben, dass solide Datenanalysen leicht zu haben sind. Dazu reicht es nämlich nicht aus, einige Daten aus Fachverfahren zu befreien und hübsch aufzubereiten. Im Grunde müssen wir unsere gesamten öffentlichen Institutionen auf allen Gebietskörperschaftsebenen und in allen thematischen Bereichen, vom Finanzamt und Krankenhaus über die Feuerwehr bis hin zun den Ordnungs-, Melde- und Gesundheitsämtern, am Ziel der auf Datenauswertungen basierenden strategischen Steuerungsfähigkeit neu ausrichten. Natürlich nur dort, wo das das sinnvoll und zielführend ist. Jedenfalls brauchen wir dafür eine „Public Data Governance“ – doch was heißt das?

„Data Governance“ ist ein Begriff aus dem Unternehmenskontext und steht für die Regeln, nach denen Daten in einem Unternehmen, erhoben, gespeichert, verarbeitet und geteilt werden dürfen. In der Data Governance ist auch festgelegt, wer welche Zugriffsrechte hat und welche Anforderungen die eingesetzten Systeme erfüllen müssen, damit die Unternehmensziele erreicht werden können. Im Bereich der Öffentlichen Verwaltung brauchen wir Data Governance über sämtliche Institutionen hinweg. Die damit verbundenen Regeln müssen, wie der Datenschutz und die IT-Sicherheit, zur Grundausstattung öffentlicher Institutionen gehören.

Jede größere Behörde braucht einen obersten Datenmanager (Chief Data Officer o.ä.), darunter jeweils nachgeordnete Rollen, im Unternehmenskontext ist das z.B. der Data Steward, der Data Owner usw. „Public Data Governance“ wäre also ein Sammelbegriff für die Erschließung des öffentlichen Datenraums, der durch das geordnete diesbezügliche Vorgehen (Governance) öffentlicher Institutionen geschaffen wird.

Wie wir zum Ziel kommen

Initiativen wie die in Arbeit befindliche Datenstrategie der Bundesregierung, die anstehende Novellierung des Open-Data-Gesetzes und die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes sollten zur Unterstützung dieser Entwicklung genutzt werden. Auch die Bemühungen um eine Harmonisierung der Register und die geplanten Innovationen bei der Erstellung statistischer Informationen sind hier als mögliche Katalysatoren zu nennen.

Am Ende werden wir nur mit einer leistungsfähigen, flexiblen und vernetzbaren öffentlichen Dateninfrastruktur künftigen Herausforderungen, die wir heute noch gar nicht kennen, begegnen können. Die Spannbreite von Datengestützter Strategischer Steuerung reicht vom Kennzahlen-visualisiernden Dashboard bis hin zur anspruchsvollen KI zur Betrugsaufdeckung. Im Kern setzt das einen produktiven State-of-the-art-Umgang mit digitalen Daten voraus, impliziert außerdem aber noch vieles mehr, wie das folgende Schaubild verdeutlicht.

Schon das Datenmanagement ist voraussetzungsreicher, als es hier scheint. Hier geht es um die Verwaltung von internen Stammdaten und externer Referenzdaten, um Datenklassifikation und Datensicherheit, um Qualitätsmanagement, um die Erfüllung gesetzlicher Vorgaben, um Datenethik und um vieles weitere. Mit einer ähnlichen, häufig unterschätzten Komplexität ist auf der Organisationsebene zu rechnen. Um die ganze Organisation an der datengestützten Steuerungsfähigkeit auszurichten, reicht es nicht aus, einige Spezialisten anzuheuern. Vielmehr muss sich die gesamte Organisation einem von oben zu initiierenden Wandel unterziehen: einem Wandel der Kultur, der Organisationsprinzipien, des Lernens und Fortbildens sowie der Steuerung von Projekten.

Fazit

Welche Gesellschaft wir morgen sein könnten, entscheidet sich im Datenzeitalter zu einem großen Teil an der Art unseres Umgangs mit den Informationen, die uns prinzipiell zur Verfügung stehen. Diesen Umgang sollten wir in unser aller Interesse dringend systematisch verbessern. Wir könnten so viel mehr, die Gesellschaft und ihre Subsysteme wären viel widerstandsfähiger, wenn wir Informationen nur besser aufbereiten und zugänglicher machten. Der Aufbau datengestützter strategischer Steuerungskapazitäten ist der Schlüssel dazu, dieses Potenzial zu heben. Dabei sind alle Datenschutzvorgaben zum Schutz der Privatsphäre strikt einzuhalten. Es geht um alles andere als den Aufbau eines Überwachungs- und Kontrollstaats.

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