Anbieter zum Thema
Neue Technologien, Organisationsformen und Menschen müssen für eine zentrale Servicenummer mit Tiefenintegration unter einen Hut gebracht werden. Ist das nicht gerade in der Öffentlichen Verwaltung mit ihren gewachsenen Strukturen und Tätigkeitsfeldern besonders schwierig?
Lemke: Dem kann ich nicht widersprechen. Deshalb plädiere ich dafür, mit Bedacht zu migrieren, um die Aufgabenfelder unterschiedlicher Behörden technisch, organisatorisch und mit Blick auf die Abläufe und Personal zusammenzuführen. Genauer gesagt bedeutet dies eine Projektierung in kleinen Stufen, dafür jeweils flächendeckend: erst ein Teil der Technik, der Organisation und des Personals, dann darauf aufbauend die weiteren Technologien und die dafür jeweils notwendigen organisatorischen und personellen Anpassungen. eGovernment ist in der Öffentlichen Verwaltung nun mal ein evolutionärer Prozess, der Zeit braucht.
Was halten Sie im Rahmen einer zentralen Servicenummer wie 115 von Pilotprojekten, um dadurch dieses Vorhaben schneller voranzubringen?
Lemke: Ich bin ein Gegner von Pilotprojekten. Sie sind mit ihrer idealtypischen technologischen Ausrichtung zu abgehoben. Deshalb folgt bei dieser Vorgehensweise nach der Euphorie meist schnell die Ernüchterung. Wir brauchen statt dessen in der Öffentlichen Verwaltung pragmatische Ansätze, die alle drei Erfolgskomponenten – Technologie, Organisation und Mensch – mitnehmen.
Wie qualifizieren Sie die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Herstellern im Rahmen eines 115-Projektes?
Lemke: Wir brauchen die Industrie, um mit ihr gemeinsam zu den richtigen Konzepten und Umsetzungen zu finden. Natürlich haben die Hersteller ein reges geschäftliches Interesse an modernen Strategien wie 115 und an ihrer schnellen Durchsetzung. Wir wissen aber, dass wir uns unter Haien bewegen, und lassen uns zu keinen übereilten Aktionen verleiten.
(ID:2002318)