Kommunalverwaltungen

Zwischen Fachkräftemangel und digitaler Zukunft

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Welche konkreten Anwendungen gibt es denn hier bereits und was ist künftig geplant?

Schanz: Wir haben im ersten Schritt Unterstützung für Routinetätigkeiten entwickelt, das beginnt bei der Rechnungsbearbeitung: Das System kann auf Basis historischer Daten Kontierungsvorschläge erzeugen und lernt eigenständig dazu. Der nächste Schritt ist dann die Outlook-Integration, wenn etwa ein Kontoauszug per Mail erbeten wird, kann dieser per Schrifterkennung und Textinterpretation automatisch erstellt oder zumindest die entsprechende Aufgabe im Finanzwesen generiert werden. Oder aber Anomalie-Erkennung, um falsch zugeordnete Belege zu entdecken. Weitere Anwendungsmöglichkeiten könnten Optimierungen sein, zum Beispiel für den Winterdienst: Indem man Wetterprognosen und auch Verkehrsflussdaten mit einbezieht, lässt sich eine optimale Routenplanung erstellen mit der Vorgabe, Unfälle zu verhindern. Das alles ist aber erst der Anfang, das Spektrum ist unglaublich groß.

Schmelzeisen: Das möchte ich auch unterstreichen, wir stehen hier tatsächlich noch ganz am Anfang, sehen aber sehr großes Potenzial, gerade auch für Verwaltungen. Deshalb haben wir bei uns ein eigenes Team speziell für KI eingesetzt, das im Dialog mit unseren Partnern und Endanwendern diese Aufgaben angeht.

Ein anderes Thema, das immer mehr Kommunen beschäftigt, ist Cloud Computing. Wie werden Cloudlösungen angenommen und wie wird die Sicherheit beurteilt?

Schmelzeisen: Das ist tatsächlich ein wichtiges Thema. Wir stellen zunehmend fest, dass in Ausschreibungen Cloudanwendungen zu den festen Anforderungen gehören, also nicht nur optional mit angefragt werden, sondern Bedingung sind, um als Anbieter überhaupt berücksichtigt zu werden.

Schanz: Ein Grund dafür ist auch der bereits erwähnte Fachkräftemangel. Es ist bekanntlich schwer, IT-Fachkräfte zu gewinnen. Die Kommunen sind dann froh, wenn sie die Betreuung an Clouddienstleister auslagern können. Und um auf den zweiten Teil Ihrer Frage einzugehen: Sicherheit ist ein entscheidendes Kriterium für die Cloud. Cyberangriffe auf Kommunen sind mittlerweile eine reale Gefahr, wie vergangene Angriffe auch belegen. Für uns auffällig ist, dass sich die Einstellung zur Cloud vollkommen gewandelt hat: Während Datensicherheit früher ein Grund war, nicht in die Cloud zu gehen – es herrschte Unsicherheit, wo die Daten liegen, wer Zugriff hat – ist Sicherheit heute ein Argument für die Cloudanwendung. Neben Sicherheit und Verfügbarkeit sind Cloudlösungen auch nachhaltiger, wenn etwa der CO2-Fußabdruck reduziert werden soll.

Eine abschließende Frage: Wie sehen Sie insgesamt die Bereitschaft zur Digitalisierung in den Kommunen?

Schmelzeisen: Da gibt es schon noch viel Potenzial, das zeigt auch eine Befragung, die wir in Kooperation mit der Hochschule Harz durchgeführt haben und deren Ergebnisse wir auch zur Verfügung stellen. Gleichzeitig lässt sich aber auch eine ermutigende Entwicklung erkennen: Wenn das erste Digitalisierungsprojekt erfolgreich war, bleibt es nicht bei diesem einen Projekt.

Schanz: Die Bereitschaft, die Digitalisierung anzugehen, ist in letzter Zeit enorm gestiegen. Auch wenn die Veränderungen zunächst durch die Pandemie oder das Verwaltungsmodernisierungsgesetz erforderlich waren, so hat sich doch gezeigt, dass die Digitalisierung erhebliche Arbeitserleichterungen mit sich bringt. Und man muss den Kommunen auch wirklich Respekt zollen für das, was sie in den letzten zwei Jahren geleistet und erreicht haben. Das hätte früher vielleicht 10 Jahre gebraucht, soviel voranzubringen.

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