Zukunftsradar Digitale Kommune 2023 „Wir sehen Nachholbedarf bei der strategischen Aufstellung“

Von Natalie Ziebolz 3 min Lesedauer

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Der „Zukunftsradar Digitale Kommune 2023“ offenbart nicht nur Herausforderungen, denen sich Kommunen bei der Digitalisierung gegenüber sehen, sondern auch die dringende Notwendigkeit, Strategien zu entwickeln und Ressourcen zu bündeln, um die Chancen der Digitalisierung voll auszuschöpfen.

Knapp die Hälfte aller deutschen Kommunen hat keine Digitalisierungsstrategie.(Bild:  fotogestoeber – stock.adobe.com)
Knapp die Hälfte aller deutschen Kommunen hat keine Digitalisierungsstrategie.
(Bild: fotogestoeber – stock.adobe.com)

Die aktuelle Ausgabe des „Zukunftsradar Digitale Kommune 2023“ zeigt, dass deutsche Kommunen trotz Fortschritten bei der Digitalisierung vor erheblichen Herausforderungen stehen. So gaben 42 Prozent der befragten Kommunen an, sich nicht ausreichend auf die Herausforderungen der Digitalisierung vorbereitet zu fühlen. Lediglich 58 Prozent fühlen sich gut gerüstet. Insbesondere die Bereiche Personalausstattung (53 Prozent) und Finanzen (75 Prozent) werden als große Hürden betrachtet.

„Die Kommunen konkurrieren mit allen anderen öffentlichen Sektoren und der Privatwirtschaft um IT-Fachkräfte. Mit Blick auf die angespannte kommunale Haushaltslage ist zudem eine bessere finanzielle Unterstützung durch Bund und Länder zwingend erforderlich“, so der Deutsche Städte- und Gemeindebund. 76 Prozent der Kommunen halten zudem eine stärkere Vernetzung untereinander für sinnvoll, um die Digitalisierung effektiv voranzutreiben.

Trotz dieser Herausforderungen haben im vergangenen Jahr sechs von zehn Kommunen Fortschritte bei der Digitalisierung gemacht. Interessanterweise schätzen jedoch nur 23 Prozent ihren aktuellen Stand der Digitalisierung als gut oder sehr gut ein. Immerhin: Der Nutzen digitaler Technologien wird weiterhin als hoch oder sehr hoch eingeschätzt.

Fehlende Digitalisierungsstrategien

Dennoch hat fast die Hälfte (49 Prozent) der befragten Kommunen noch keine Digitalisierungsstrategie entwickelt. Nur 18 Prozent haben bereits eine Strategie implementiert, während 33 Prozent an einer solchen arbeiten. Besonders auffällig ist, dass in kleineren Kommunen die Wahrscheinlichkeit, keine Digitalisierungsstrategie zu haben, deutlich höher ist.

„Die Städte und Gemeinden haben ein hohes Interesse am Einsatz innovativer digitaler Lösungen. Wir sehen allerdings teilweise Nachholbedarf bei der strategischen Aufstellung. Für die wirksame Entfaltung kommunaler Selbstverwaltung ist es aber essenziell, die Prozesse aktiv mitzugestalten und nicht von der technologischen Entwicklung überrollt zu werden. Natürlich fehlen in kleineren Kommunen auch hierfür die Kapazitäten. Umso wichtiger ist die Vernetzung mit anderen Städten und Gemeinden, um Ressourcen zu bündeln“, so Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes.

Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz (KI)

Die Studie beleuchtet auch die Einstellung der Kommunen gegenüber Künstlicher Intelligenz (KI). Zwei Drittel (66 Prozent) der befragten Kommunen sehen den Einsatz von KI und automatisierten Systemen als sinnvoll an. In mittleren und großen Kommunen ist die Zustimmung mit 76 Prozent deutlich höher als in kleineren Kommunen, wo sie bei 55 Prozent liegt. „Ein Großteil der befragten Kommunen sehen signifikantes Potenzial für Anwendungen der Künstlichen Intelligenz. Dies gilt sowohl bei der gezielten Unterstützung von Mitarbeitenden im Back-Office, beispielsweise bei Routineaufgaben, als auch bei der Entscheidungsfindung oder in der Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern im Front-Office, zum Beispiel mittels Chatbots“, erklärte Peter Dortans, Geschäftsführer des Instituts für Innovation und Technik (iit) in der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH.

Trotz der positiven Einstellung gegenüber KI setzen nur 8 Prozent der Kommunen bereits KI oder automatisierte Systeme in ihrer Verwaltung ein. Die überwältigende Mehrheit (86 Prozent) hat bisher weder KI-Anwendungen noch automatisierte Systeme implementiert. Als größte Hemmnisse identifiziert die Studie den Datenschutz (67 Prozent) und rechtliche Fragen (66 Prozent). Ethische Fragen werden mit 37 Prozent als weniger hinderlich wahrgenommen.

„Die rasante technologische Entwicklung im Bereich der Digitalisierung macht ein Umdenken notwendig. Wir können es uns nicht erlauben, die Etablierung eines umfassenden rechtlichen und regulatorischen Rahmenwerks abzuwarten, ehe wir uns in der öffentlichen Verwaltung mit dem Thema KI beschäftigen“, gibt Landsberg jedoch zu bedenken. „Bereits heute existieren zahlreiche KI-basierte Lösungen, die in den Verwaltungen bedenkenlos eingesetzt werden können, etwa um Texte in leichte Sprache umzuwandeln. Gleichzeitig sollten Experimentierräume geschaffen werden, um den umfassenden Einsatz von KI zu erproben und mehr Erfahrungen im praktischen Einsatz zu sammeln.“

Doch auch hier können die Kommunen noch keine Strategien vorweisen. Lediglich eine Kommune gab an, bereits eine zu haben, während 2 Prozent aktiv an der Entwicklung einer KI-Strategie arbeiten.

Das vollständige Zukunftsradar können Sie hier einsehen:

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