11. IT- und Organisationsforum (ITOF) in Dresden „Wir müssen raus aus der Komplexitätsfalle“

Von Natalie Ziebolz 2 min Lesedauer

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Wie lässt sich die Verwaltungsdigitalisierung schnell und effizient voranbringen? Beim 11. IT- und Organisationsforum in Dresden gab es eine klare Antwort auf diese Frage: bundesweit einheitliche Verwaltungsdienstleistungen zentral entwickeln und betreiben.

CIO und Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung des Freistaates Sachsen, Prof. Thomas Popp hält eine Eröffnungs-Keynote beim 11. IT- und Organisationsforum in Dresden.(©  JAN FELBER)
CIO und Staatssekretär für Digitale Verwaltung und Verwaltungsmodernisierung des Freistaates Sachsen, Prof. Thomas Popp hält eine Eröffnungs-Keynote beim 11. IT- und Organisationsforum in Dresden.
(© JAN FELBER)

Ob der Föderalismus bei der Verwaltungsdigitalisierung nicht an manchen Stellen eher hinderlich ist, wird immer wieder diskutiert. Staatssekretär Dr. Markus Richter zeigte sich im Gespräch mit eGovernment beispielsweise der Idee gegenüber offen, einzelne Leistungen, „für die es keiner Ortskenntnisse und keiner unmittelbaren persönlichen Interaktion bedarf, zu zentralisieren“. „Das heißt nicht, dass Leistungen zwingend vom Bund erbracht werden müssen. Mit dem ‚Einer für Alle‘-Prinzip haben wir eine solche Arbeitsteilung bereits anskizziert“, erklärte er.

Auch die Verantwortlichen für die IT-Strategie auf Landesebene von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben anlässlich des IT- und Organisationsforum (ITOF) des Freistaates Sachsen eine zentrale Entwicklung und den Betrieb von bundesweit einheitlichen Verwaltungsleistungen angemahnt. Aktuell werde immer noch zu viel Geld und Zeit in Insellösungen gesteckt. „Die digitale Ausstattung in der deutschen Verwaltung gleicht einem Mosaik“, veranschaulichte der sächsische Staatssekretär und CIO, Thomas Popp, die Situation. Verschiedene IT-Systeme und Anwendungen, mit denen bundeseinheitliche Gesetze umgesetzt werden, existierten nebeneinander her und seien selten kompatibel. Abläufe seien nur teilweise digitalisiert. „Der Bund muss Gesetze erlassen, die IT-kompatibel sind und gleichzeitig ein IT-Verfahren verbindlich vorgeben. Das wäre ein Booster für die Digitalisierung der Verwaltung“, fordert Popp.

Ähnlich sieht es auch Bernd Schlömer, Sachsen-Anhalts CIO und Staatssekretär im Ministerium für Infrastruktur und Digitales. Der digitale Flickenteppich in Deutschland sei nicht mehr zeitgemäß und sorge für Frust bei Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen, erklärte er. „Um endlich zu einer modernen und digitalen Verwaltung in Deutschland zu kommen, braucht es den gemeinsamen Willen von Bund, Ländern und Kommunen zu mehr IT-Standards und zentralen Verfahren.“ Positive Beispiele gibt es bereits: etwa bei der Steuer oder der Bereitstellung des digitalen Bafög-Verfahrens, aber auch Leistungen wie Elterngeld, Meldewesen oder die KfZ-Zulassung bieten sich für eine Zentralisierung an.

„Wir müssen raus aus der Komplexitätsfalle. Das spart am Ende nicht nur eine Menge Arbeit in den Verwaltungen des Bundes, der Länder und der Kommunen, es spart am Ende auch Geld“, fasst es der Thüringer Finanzstaatssekretär und CIO Dr. Hartmut Schubert zusammen. Dafür brauche es jedoch die Standardisierung und Konsolidierung von Abläufen und Schnittstellen sowie eine Vereinheitlichung zentral und gemeinsam genutzter Fachverfahren. „Nur so können wir der deutschen Verwaltung den notwendigen Digitalisierungsschub verpassen.“

Das IT- und Organisationsforum (ITOF)

Die zweitägige Veranstaltung gilt als die wichtigste verwaltungsinterne Veranstaltung des Freistaat Sachsens und fand in diesem Jahr bereits zum 11. Mal statt. Unter dem Motto „Gemeinsam Digitalisierung gestalten“ kamen dabei rund 500 Experten aus der Staats- und Kommunalverwaltung zusammen und diskutierten Themen wie Cybersicherheit oder europarechtliche Anforderungen bei der Digitalisierung. Neben den Workshops und Fachvorträgen konnten sich die Teilnehmer auch auf der Fachausstellung von Wirtschaft und Verwaltung informieren.

Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre statt und wird gemeinsam von der Sächsischen Staatskanzlei, der Sächsischen Anstalt für kommunale Datenverarbeitung (SAKD) und dem landeseigenen IT-Dienstleister Staatsbetrieb Sächsische Informatik Dienste (SID) organisiert.

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