Staatssekretär Bernd Schlömer im Interview

„Wir müssen auch über digitale Rendite sprechen“

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Wie immer, wenn neue Vorhaben präsentiert werden, lässt die Kritik nicht lange auf sich warten. Unter anderem heißt es, im Bereich „Coworking Spaces“ und digitale Gesundheitsvorsorge seien die Zielvorgaben zu unkonkret. Was sagen Sie denn dazu?

Schlömer: Ich glaube, das zeigt vor allem eine gewisse Ungeduld, da die Kritiker auf Basis der Zielstellungen eigene Vorhaben auf den Weg bringen wollen. Dafür müssen wir bestimmte Aspekte konkretisieren. Beispielsweise wollen wir für die Landesverwaltung behördenübergreifende Arbeitsplätze einrichten, im Grunde landeseigene Coworking-Spaces. Zudem wollen wir auch den Aufbau und Betrieb entsprechender Coworking-Spaces finanziell fördern, und die Unruhe entsteht meistens dadurch, dass gesagt wird „Wo ist jetzt die Förderrichtlinie? Ich will einen Antrag schreiben, damit ich das aufbauen kann“ – und das ist verständlich. Das zeigt auch die Motivation der Sachsen-Anhalter, zu sagen, jetzt fangt an, ich will mich mit dranhängen und die Dinge mittreiben.

Beim Thema digitale Gesundheitsfürsorge muss man die Vorhaben auch immer im Zusammenhang mit den Aktivitäten des Bundes sehen – etwa bei der Digitalisierung der Gesundheitsämter. Da sind die Erwartungen natürlich sehr hoch und entsprechend auch die Luft nach oben. Wir müssen – zumindest aus Landessicht – erreichen, dass wir eine digitale Daseinsvorsorge in ländlichen Regionen realisieren, damit die Menschen dort künftig über telemedizinische Angebote und digitale Gesundheitsdienstleistungen versorgt werden können. Wir sind ein Bundesland mit der höchsten Überalterung in ganz Deutschland, und wir müssen sehen, dass wir die Räume, wo lebensältere Menschen leben, mithilfe der Digitalisierung attraktiv gestalten – da gibt es einfach eine sehr hohe Erwartungshaltung, einen hohen Erwartungsdruck.

Die Änderungen haben ja nicht nur Auswirkungen auf die Bürger, sondern auch auf alle Verwaltungsmitarbeiter. Wie werden diese denn mitgenommen?

Schlömer: Ich bin im IT-Planungsrat der Themenpate für das Handlungsfeld der digitalen Transformation. Das ist natürlich keine Exklusiv-Rolle. Alle Länder wollen sich im Feld der Transformation engagieren. Alles, was ich im IT-PLR vorschlage, müssen wir grundsätzlich auch für das Land Sachsen-Anhalt andenken und berücksichtigen. Wir müssen zum Beispiel daran arbeiten, dass wir unseren eigenen Personalkörper über Aus-, Fort- und Weiterbildung stärker für die Möglichkeiten und Potenziale von Digitalisierung sensibilisieren. Die Curricula müssen stärker als bislang an neue Arbeitsweisen und Methoden ausgerichtet werden, denen wir künftig begegnen – beispielsweise dadurch, dass in der Verwaltung stärker adressatenorientiert gearbeitet und Verwaltungshandeln prozessorientiert mit Blick auf Automation betrachtet wird, um Medienbrüche zu vermeiden. Das wollen wir über gezielte Aktivitäten erreichen. In die Diskussion gebracht habe ich zum einen einen Tag der Weiterbildung, an dem alle Beschäftigten für ein bis zwei Stunden über einen PC einen Vortrag bekommen, welche Chancen Digitalisierung bietet. Zudem sollten wir noch einmal an eine fokussierte Führungskräfte-Fortbildung denken.

Das sind wichtige Voraussetzungen, damit die Digitalisierung funktioniert. Und das versuche ich nicht nur in Sachsen-Anhalt zu erreichen, sondern die Kolleginnen und Kollegen in allen Bundesländern zu animieren, sich stärker darüber Gedanken zu machen, wie können wir eigentlich den gesamten Personalkörper mitnehmen und uns so auch attraktiver und wettbewerbsfähiger machen.

Es ist viel, was sie sich vornehmen. Wie soll das Ganze denn finanziert werden?

Schlömer: Für zentrale Vorhaben – wie etwa der Zusammenarbeit mit den Kommunen – stehen Gelder bereit. Dafür ist Vorsorge getroffen. Wir haben zusätzlich ein eigenes kleines Digitalbudget, mit dem wir Einzelprojekte, die im Kontext der Digitalstrategie stehen, fördern können. Da haben wir vielleicht eine andere Lage als im Bund.

Letztendlich sind aus meiner persönlichen Sicht heraus Zukunftsthemen aber auch dadurch zu alimentieren, dass man überkommene Dinge aufgibt. Wir müssen die Zukunft aktiv aufgreifen. Dafür ist aus meiner Sicht nicht unbedingt immer mehr Geld notwendig, das kann man auch mit den verfügbaren und vorhandenen Ansätzen machen.

Ein spannender Ansatz…

Schlömer: Ja, wir müssen natürlich auch über eine digitale Rendite sprechen. Das ist ein Punkt, der meistens unter den Tisch fällt, aber Effektivitätspotenziale der Digitalisierung führen auch zu Effizienzgewinnen. In meinen Abteilungen haben wir durch neue Formen des Arbeitens, Nutzung von mobilen Endgeräten und Homeoffice etwa 25 Prozent der notwendigen Infrastrukturfläche eingespart. Das ist eben auch eine echte Kostenersparnis.Wenn man die internetbasierte Kfz-Zulassung zentral und virtuell umsetzt, dann können Beschäftigte aus den Zulassungsbehörden abgezogen werden und für andere Aufgabenbereiche eingesetzt werden. Das ist auch eine Digitalisierungsrendite. Mehr Digitalisierung schafft mehr Rendite und es entstehen neue Freiräume – Räume für Neues.

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