Smart Region Wie ländliche Kommunen die digitale Transformation stemmen

Ein Gastbeitrag von Lennard Everwien 4 min Lesedauer

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Digitale Transformation braucht klare Zuständigkeiten, Ressourcen und Rückhalt. Ein Erfahrungsbericht zeigt, wie smarte Lösungen in ländlichen Kommunen umgesetzt werden können.

Die Digitalisierung des ländlichen Raums stellt eine Grundvoraussetzung für die wirtschaftliche Attraktivität der Standorte dar.(aukkasit - stock.adobe.com)
Die Digitalisierung des ländlichen Raums stellt eine Grundvoraussetzung für die wirtschaftliche Attraktivität der Standorte dar.
(aukkasit - stock.adobe.com)

Die digitale Transformation ist im ländlichen Raum angekommen. Kommunen stehen unter Druck. Gesetzliche Vorgaben, Effizienzanforderungen und steigende Erwartungen der Bevölkerung erhöhen den Handlungsbedarf. Während größere Städte häufig über eigene Innovationsbudgets und etablierte Smart-City-Programme verfügen, stehen kleinere Kommunen vor anderen Voraussetzungen. Begrenzte Mittel, knappe personelle Ressourcen und gewachsene Verwaltungsstrukturen erschweren die Umsetzung. Erfahrungen aus der Praxis zeigen jedoch, dass auch hier digitale Transformation gelingen kann, wenn die organisatorischen Grundlagen klar geregelt sind.

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Was Digitalisierung in Kommunen bremst

Sensorik, Datenplattformen, LoRaWAN (Long Range Wide Area Network), Open-Source-Lösungen und Anwendungen für Verkehr, Energie oder Umwelt sind heute auch für kleinere Kommunen erschwinglich. Trotzdem bleiben viele Transformationsprojekte stecken. Der Grund liegt selten in der Technik, sondern darin, dass Digitalisierung häufig als reines IT-Thema behandelt und an einzelne Abteilungen delegiert wird. Für eine smarte Region braucht es jedoch mehr: einen strukturellen Wandel mit politischen, organisatorischen und kulturellen Konsequenzen.

Wie ein solches Fundament geschaffen werden kann, zeigt das Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“. Campana & Schott hat hier mehr als 20 Kommunen bei der Entwicklung von Smart-Region-Strategien begleitet. Die zentrale Erkenntnis: Entscheidend für den Projekterfolg ist nicht das eingesetzte Tool, sondern das organisatorische Fundament. Projekte mit klaren Zuständigkeiten, einer verankerten Projektleitung und Rückhalt durch die Verwaltungsspitze erzielen, unabhängig vom Budget, deutlich höhere Wirkung.

Erfolgsfaktor Organisation: Wenn Digitalisierung zur Chefsache wird

Kommunen, die Smart Region als strategisches Thema in der Verwaltungsspitze verankern, schaffen belastbare Strukturen. Regelmäßige Abstimmungen auf Leitungsebene, ressortübergreifende Koordination und eine klar benannte Projektleitung bilden dafür die Grundlage.

Besonders interkommunale Projekte zeigen, wie wichtig feste Regeln sind: Wer übernimmt die Leitung, wie werden Budgets verteilt, wer trägt operative Verantwortung? Aus der Praxis haben sich folgende Erfolgsfaktoren herauskristallisiert:

  • Verbindliche Rechtsgrundlage vor Projektstart: Eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung, eine Zweckvereinbarung oder ein Zweckverband schaffen den formalen Rahmen, abhängig vom gewünschten Grad der Integration.
  • Feste Koordinationsstruktur: Eine zentrale Projektleitstelle bei einer leistungsstarken Kommune oder beim Landkreis mit hauptamtlicher Besetzung (mindestens 50 Prozent Stellenanteil) sorgt für Verbindlichkeit.
  • Arbeitsteilung nach Kompetenzen: Die Partner spezialisieren sich entsprechend ihrer Stärken, etwa IT-Kompetenz, Verwaltungsgröße oder Fachexpertise, anstatt alle Aufgaben gleichmäßig zu verteilen.
  • Transparente Finanzierung: Die Kostenverteilung erfolgt nach einem nachvollziehbaren Schlüssel, in der Regel durch eine Kombination aus Einwohnerzahl und Finanzkraft. Basis ist eine gemeinsame Grundfinanzierung, ergänzt um projektbezogene Abrechnungen.
  • Mehrstufige Governance: Die operative Steuerung findet im Projektteam statt (monatlich), strategische Entscheidungen im Lenkungskreis der Verwaltungsleitungen (quartalsweise), während politische Grundsatzentscheidungen in den Gremien getroffen werden.

Diese Empfehlungen decken sich mit den Erfahrungen aus über 1.500 öffentlich-rechtlichen Vereinbarungen und rund 250 Zweckverbänden in Deutschland. Sie sind keine starren Vorgaben, sondern bewährte Orientierungen, die sich an lokale Gegebenheiten anpassen lassen.

Praxisbeispiele: Technik als Mittel, nicht als Zweck

In vielen Projekten zeigt sich: Nicht die Technik bremst die Umsetzung, sondern fehlende Zuständigkeiten, Ressourcen und Kommunikation. Typische Stolpersteine sind unklare Verantwortlichkeiten, Überlastung durch das Tagesgeschäft, Silostrukturen oder politische Interessenkonflikte.

Ein Beispiel ist die Planung einer intelligenten Bewässerungslösung für mehrere Kommunen. Im Mittelpunkt stand nicht die Sensorik, sondern die Frage, wer über die Bewässerungszeiten entscheidet. Der Bauhof fühlte sich übergangen, die IT war fachlich nicht zuständig, und die Stadtgärtnerinnen und Stadtgärtner sorgten sich um ihre Expertise. Erst ein partizipatives Modell, bei dem die Technik Empfehlungen liefert und die Entscheidung beim Fachpersonal verbleibt, führte zur Einigung.

Ähnliche Herausforderungen traten bei der Moderation digitaler Beteiligungsprozesse, beim Aufbau von Digi-Shop-Cafés oder bei der Digitalisierung des Bürgerservice auf. In einer Kommune wechselte die Projektleitung mehrfach, bevor mit einer halben Stelle erstmals Kontinuität entstand. In einer anderen drohte die Antragstellung an formalen Anforderungen zu scheitern, bis ein externer Partner das Fördermittel-Scouting übernahm. Der Einsatz von Open Source erwies sich als kosteneffizient, stellte jedoch höhere Anforderungen an das technische Know-how im Projektteam.

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