Mitarbeiter und Führungskräfte Wie KI die Fähigkeiten und Jobprofile im Public Sector verändert

Von Peter Fuhrmann 5 min Lesedauer

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Die rasche Entwicklung von KI-Tools hat enorme Auswirkungen darauf, wie wir arbeiten, und verspricht, unsere Produktivität zu steigern. So bleibt mehr Zeit für anspruchsvollere oder kreative Aufgaben. Allerdings gibt es vor allem in der öffentlichen Verwaltung noch großen Nachholbedarf, was die Digitalisierung betrifft – auch aufgrund von Regularien bezüglich Datenschutz und Informationssicherheit.

Künstliche Intelligenz kann Prozesse der öffentlichen Hand optimieren, doch die Mitarbeitenden müssen zu deren Nutzung befähigt werden.(Bild:  top images – stock.adobe.com)
Künstliche Intelligenz kann Prozesse der öffentlichen Hand optimieren, doch die Mitarbeitenden müssen zu deren Nutzung befähigt werden.
(Bild: top images – stock.adobe.com)

Die Digitalisierung der Verwaltung in Deutschland hinkt im Vergleich mit anderen EU-Ländern teils noch deutlich nach. Laut Daten der Europäischen Kommission (DESI 2023) rangiert Deutschland bei der Bereitstellung von digitalen Verwaltungsdiensten für Bürger:innen gerade einmal auf Platz 13, bezogen auf die Dienste für Unternehmen sogar nur auf Platz 19 von insgesamt 28 Mitgliedsstaaten. Damit liegt Deutschland weit hinter Vorreitern wie Malta oder Finnland. Neben der föderalen Struktur des Bundes stellen auch Datenschutzbedenken eine Hürde dar, wenn es um die flächendeckende Implementierung neuer Dienstleistungen geht.

Das Thema Datenschutz in der Verwaltung

Öffentliche Einrichtungen beherbergen zwar ebenso viele wertvolle analytische Erkenntnisse wie private Unternehmen, doch deren Nutzung erfordert eine noch strengere Regulierung. Die Umsetzung von strikten Datenschutzbestimmungen bedeutet, dass die Digitalisierung der Verwaltung weiter verlangsamt werden kann. Auch deshalb unterliegt der Einsatz neuer Technologien im öffentlichen Sektor anderen Regularien als im privaten Sektor. Zusätzliche Auflagen erschweren die schnelle Implementierung neuer Tools. Denn neben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) sind die Behörden der Länder auch von den geltenden Landesdatenschutzgesetzen (LDSG) betroffen. Gerade da viel davon abhängt, dass Bürger:innen Vertrauen in öffentliche Institutionen haben, tragen diese außerdem eine besondere Verantwortung für einen sicheren Umgang mit ihren Daten.

Aufgrund der besonderen Anforderungen an Datenschutz und die Nutzung von personenbezogenen Daten, ist das Thema Sicherheit in diesen Einrichtungen von besonderer Relevanz. Die Studie „The Enterprise of the Future“ (2023) von Alteryx zeigt, dass 44 Prozent der Befragten aus dem öffentlichen Sektor Cybersicherheit und Datenschutz als Themen nennen, die ihre Organisation in den nächsten drei Jahren beeinflussen werden. Darüber hinaus bedeutet die Finanzierung von öffentlichen Dienstleistungen, dass Behörden einer größeren öffentlichen Kontrolle unterliegen, wenn es um ihre Ausgaben für neue, teure Technologien geht. Als Ergebnis bewegt sich der öffentliche Sektor in der Regel deutlich langsamer als der private Sektor.

Die Notwendigkeit von Up- und Reskilling

Dennoch bleibt auch die öffentliche Verwaltung nicht unberührt vom technologischen Wandel. Nicht nur der Public Sector ist im Umbruch – in nahezu jedem Bereich ist das Thema künstliche Intelligenz allgegenwärtig. Gleichzeitig werfen neue Technologien viele Fragen auf. Sie ermöglichen es, datengetriebene Entscheidungen zu treffen und Prozesse zu optimieren. Doch gerade in Bezug auf Datenschutz und Cybersicherheit herrscht in weiteren Teilen noch Unklarheit, was zu Verunsicherung auf Seiten der Mitarbeitenden führen kann.

Dabei zählt vor allem der richtige Umgang mit der Technologie. Studien zeigen, dass oft menschliches Versagen der Grund für Datenschutzverletzungen ist. Laut Verizons Data Breach Investigations Report 2024 ist bei sogar fast drei Viertel (74 Prozent) aller untersuchten Datenschutzverletzungen der Faktor Mensch involviert – zum Beispiel in Form von Social Engineering, Fehlern oder Missbrauch. Dieser Herausforderung kann nur durch konstante Weiterbildung entgegengetreten werden. Vielfältige Qualifikationen und Kenntnisse über neue Technologien werden mit der fortschreitenden Durchdringung von KI in allen Bereichen für Mitarbeitende immer wichtiger. Denn auch für Teammitglieder, die nicht in den Bereichen IT oder Data Science arbeiten, ist der Umgang mit neuen Technologien kaum vermeidbar. Das wurde auch bereits von Führungskräften erkannt: Die Studienergebnisse von Alteryx zeigen, dass 71 Prozent der Führungskräfte im öffentlichen Sektor vorziehen, wenn ihre Mitarbeitenden ein breites Spektrum an Qualifikationen haben. Auf eine Spezialisierung auf Themen legen sie dagegen weniger Wert. Darüber hinaus nennen 28 Prozent die Kenntnis neuer Technologien wie KI als eine der drei wichtigsten Hard Skills, um ihre Organisation für die Zukunft zu positionieren. 44 Prozent glauben sogar, dass KI Herausforderungen im Bereich Datensouveränität lösen wird.

Generalisten sind die Zukunft

Kontinuierliche Weiterbildung und Schulung sind also entscheidende Bausteine, um den Public Sector auf die Zukunft vorzubereiten – besonders wenn es um KI-Anwendungen geht. Gerade in hochsensiblen Umgebungen, in denen viele persönliche Daten verarbeitet werden, kann die Schulung der Mitarbeitenden dabei helfen, diese Informationen zu schützen. Gesetzliche und ethische Standards werden so eingehalten und helfen, Vertrauen in diese Anwendungen zu fassen. Gezielte Fortbildungen können die Mitarbeitenden für den Einsatz von KI-Tools sensibilisieren und ihren Blick für Data Bias oder das Formulieren von Prompts schärfen. Weiterbildungsformate können Online-Kurse, Workshops und Zertifizierungsprogramme umfassen.

Ein wichtiger Schritt hierbei ist, Technologien mit niedriger Einstiegsschwelle anzubieten, denn nicht alle Mitarbeitenden verfügen über Programmierkenntnisse. Low-Code und No-Code-Programme setzen keine oder lediglich sehr grundlegende Programmierkenntnisse voraus und machen die Technologie somit auch für weniger technikaffine Mitarbeitende zugänglich. Das ist entscheidend, um die Vorzüge von neuen Tools und Anwendungen auch für Angestellte ohne einen Hintergrund im Bereich Data Science zu bieten. Dies kann auch die Effizienz erhöhen, da Fragen dank natürlicher Sprachverarbeitung direkt und intuitiv geklärt werden können. Öffentliche Stellen sollten beim Einkauf neuer Software darauf achten, dass diese stets von umfassenden Schulungsangeboten der Anbieter begleitet werden. So kann sichergestellt werden, dass Nutzende Vertrauen in die Tools fassen und es verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler aufgrund von nicht fachgerechter Nutzung passieren.

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Den öffentlichen Sektor zukunftsfähig machen

Um die Lücke zwischen technologischen Entwicklungen und vorhandenen Fähigkeiten zu überwinden, sollten Führungskräfte kontinuierlich in Weiterbildung investieren und die Datenkompetenz ihrer Mitarbeitenden fördern. Gerade in Hinblick auf den AI Act der Europäischen Union, der schrittweise implementiert werden soll, lohnt sich eine Auseinandersetzung mit dem Thema KI. Das Bewusstsein für Chancen, Risiken und ethische Richtlinien sollte organisationsübergreifend verankert sein. Das trifft nicht nur auf den Public Sector zu, doch besondere Anforderungen an Datenschutz und geltende Richtlinien erfordern eine besondere Sensibilität. Ängste sollten abgebaut und KI-Anwendungen nicht als Bedrohung, sondern als Unterstützung angesehen werden. Denn sie können nicht nur dabei helfen, bestehende Richtlinien zu erfüllen, sondern auch die Effizienz erhöhen und letztlich zur Verbesserung der angebotenen Dienstleistungen führen.

Peter Fuhrmann
ist Regional Vice President, Central Europe bei Alteryx.

Bildquelle: Alteryx

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