Impuls des Kompetenzzentrums Öffentliche IT (ÖFIT) Wie GovTech-Start-ups und Verwaltung zusammenfinden

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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Die öffentliche Verwaltung und GovTech-Start-ups: Zwei, die zusammengehören, aber oft noch nicht zueinander finden. Ein neues Impulspapier zeigt Lösungswege auf, um die Zusammenarbeit zu verbessern, darunter Nachnutzungsmodelle und Factoring.

Barrieren abbauen: Gegenseitige Hospitanzen oder Begegnungsorte wie der GovTech Campus ermöglichen ein Kennenlernen auch vor der Vergabe.(© Azee Jacobs/peopleimages.com – stock.adobe.com)
Barrieren abbauen: Gegenseitige Hospitanzen oder Begegnungsorte wie der GovTech Campus ermöglichen ein Kennenlernen auch vor der Vergabe.
(© Azee Jacobs/peopleimages.com – stock.adobe.com)

Zur GovTech-Förderung sind positive Entwicklungen zu vermelden: die Arbeit am GovTech Campus, die Experimentierklausel in Hamburg oder der Aufbau des Global Government Technology Centre (GGTC) in Berlin. Doch die Zusammenarbeit von GovTech-Startups ist von Herausforderungen geprägt, das zeigte eine frühere Umfrage des Kompetenzzentrums Öffentliche IT (ÖFIT) in Kooperation mit Possible (ehemals PUBLIC Deutschland). In einem jetzt veröffentlichten Impulspapier werden diese Herausforderungen beschrieben und Lösungswege vorgestellt. Die Handlungsempfehlungen richten sich an öffentliche Verwaltungen und politische Entscheidungsträger.

Am Anfang fehlt das Geld

Die Darstellung folgt den Phasen im Start-up-Lebenszyklus: Gründung, Markteintritt und Etablierung. Die Gründungsphase ist geprägt von einem hohen Kapitalbedarf. Basierend auf einer Bitkom-Erhebung gehen die Autor:innen von einem durchschnittlichen Kapitalbedarf von 2,3 Millionen Euro aus, der aber im GovTech-Bereich häufig höher liege als in der privaten Wirtschaft – aufgrund der hohen Qualitätsanforderungen und der längeren Sales-Zyklen.

Es werden zwei Wege vorgeschlagen, um Gründer in dieser Phase zu unterstützen. Der erste ist naheliegend: Investitionen von öffentlichem Kapital, etwa durch einen speziellen Zukunftsfonds, ähnlich dem Beteiligungsfonds für Zukunftstechnologien des BMF. Interessant ist der zweite Ansatz: Nachnutzung als Standard. Damit werde nicht nur die Nutzung innovativer Lösungen für Verwaltungen einfacher. „Auch der Investment-Case im öffentlichen Sektor wird für Wagniskapitalgeber deutlich klarer, weil der Verkauf an eine Organisation die Tür dafür aufstößt, dass weitere Organisationen auf das Produkt zugreifen können“, so die Argumentation. Die Fragmentierung im öffentlichen Sektor wird nämlich auch als ein Grund für die Zurückhaltung privater Wagniskapitalgeber vermutet. Der Zugriff auf bestehende Lösungen könne über Lizenzmodelle oder durch den Austausch über Netzwerke ermöglicht werden.

Man kennt sich nicht – das ist ein weiterer Grund, warum junge Start-ups und Verwaltungen nicht zueinander finden. Um Vertrauen aufzubauen und die jeweils andere Seite bereits vor einer möglichen Vergabe kennenzulernen, schlägt ÖFIT den Aufbau von Innovationsnetzwerken, Akzelerator-Programm und gemeinsame Pilotprojekte vor.

Zu komplexe Verfahren

Der eigentliche Markteintritt wird durch die komplexen Vergabeverfahren erschwert: GovTech-Start-ups stünden vor der Herausforderung, „die Feinheiten der Vergabearten so gut zu kennen, dass sie ein überzeugendes Angebot erstellen können“. Und die Herausforderung ist offenbar zu groß, denn laut der Umfrage entscheiden sich Start-ups zunehmend gegen die Teilnahme an öffentlichen Ausschreibungen.

Empfohlen wird, die bestehenden Möglichkeiten im Vergabesystem besser zu nutzen, häufiger Start-up-freundlichere Vergabeformen wie z. B. Teilnahmewettbewerbe einzusetzen sowie mehr Möglichkeiten der Direktvergabe durch den Bund zu schaffen.

Die Durststrecke nach der Vergabe

Selbst im glücklichen Fall, dass die Ausschreibung gewonnen wurde, fließt noch lange kein Geld. Nach oft monatelangen Vergabeverfahren verzögern langfristige Zahlungsziele die erste Auszahlung. Der Ausweg: Steuererleichterungen speziell für GovTech-Start-ups und die Zulassung von Factoring – der Möglichkeit für die Anbieter, ihre ausstehenden Rechnungen an spezialisierte Finanzdienstleister zu verkaufen, die den Großteil des Betrags dann sofort auszahlen und sich gegen Gebühr um den Zahlungseinzug kümmern.

Um schließlich die Zusammenarbeit zwischen GovTech-Start-ups und der Verwaltung zu verstetigen, empfiehlt das Impulspapier Maßnahmen wie gemeinsame Workshops, Hospitanzen und eine Datenbank für Praxisbeispiele.

Zum Impulspapier

Das Impulspapier „Kooperationen zwischen Govtech-Start-ups und der öffentlichen Verwaltung“ von Sofie Voigt und Jacob Kollotzek wurde im Februar 2024 auf der ÖFIT-Website veröffentlicht.

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