Cybercrime und Sicherheit Wenn die Verwaltung offline geht

Von Serina Sonsalla 5 min Lesedauer

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Der Weg zur digitalen Sicherheit ist lang. Doch sollte ein Cyberkrieg drohen, ist Deutschland dann sicher aufgestellt? Die Bitkom-Studie 2025 zeigt, dass die Angst unter Bürgerinnen und Bürgern wächst. Sicher ist nur: Europa muss sich selbst schützen – auch digital.

Die Webseite von Trier kämpfte nach einem DDoS-Angriff im August mit Störungen.(Bild: ©  janmalburg – stock.adobe.com)
Die Webseite von Trier kämpfte nach einem DDoS-Angriff im August mit Störungen.
(Bild: © janmalburg – stock.adobe.com)

Spätestens auf dem Alaska-Gipfel wurde klar, dass Europas Sicherheit nicht auf den Köpfen zweier Menschen beruhen darf. CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen zog aus dem Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Erkenntnis, dass Europa sich bei seiner Sicherheit vor allem auf sich selbst besinnen muss – und das gilt nicht nur für die physischen Gefahren, denen sich ein Kontinent entgegenstellt, sondern auch für die digitalen: Die Sorge vor Cyberkrieg ist weltweit verbreitet. Auch die Mehrheit der Deutschen hat Angst vor Cyberangriffen – das geht aus der Bitkom-Umfrage „Cybercrime – die Ängste der Deutschen vor dem digitalen Krieg“ hervor, die dieses Jahr erschien.

Hacktivisten-Kollektiv und Angriff mit DDoS

Mehr als 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger fürchten sich vor digitalen Angriffen – so das Ergebnis der Studie. Besonders die ältere Generation ab 75 Jahren hat Angst vor Hackern (69 Prozent). Die Altersgruppen zwischen 16 bis 29 Jahren sowie 30 bis 49 Jahren bewegen sich noch zehn Prozentpunkte darunter. Den Befragten zufolge kommt die größte Bedrohung aus Russland (98 Prozent) und aus China (84 Prozent) – mit größerem Abstand folgen Nordkorea (44 Prozent) und die USA (32 Prozent). Dass die Sorge, Russland könnte am gefährlichsten für die Cybersicherheit sein, nicht ganz unbegründet ist, zeigt nicht zuletzt der Hackerangriff auf die Nürnberger Verwaltung.

Den Ermittlungen zufolge standen prorussische Hacker-Gruppen im Verdacht, die Webseite der Stadt im Juli lahmgelegt zu haben. Ein Sprecher der Zentralstelle Cybercrime bei der Generalstaatsanwaltschaft in Bamberg teilte mit, dass es sich dabei um die Gruppierung „NoName057(16)“ handle. Laut Bundeskriminalamt (BKA) steht hinter dieser Gruppierung ein ideologisch geprägtes Hacktivisten-Kollektiv – ein Unterstützer Russlands –, das aufgrund des Konflikts mit der Ukraine digitale Angriffe durchführt.

Bei der sogenannten DDoS-Attacke (Distributed Denial of Service) werden Webseiten mit massenhaften Zugriffen überlastet, sodass sie letztlich zusammenbrechen. Die Internetseite der Stadt Nürnberg war deshalb über mehrere Stunden nicht erreichbar.

Seit Beginn der Ermittlungen gegen die Hacktivisten im November 2023 soll Deutschland von 14 koordinierten Cyberattacken betroffen gewesen sein – einige davon zogen sich über mehrere Tage. Ob im Fall Nürnberg ein Zusammenhang mit den Untersuchungen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt und des Bundeskriminalamts besteht, wird derzeit geprüft. Auch die Bitkom-Studie zeigt, dass die Angst vor politischen Extremisten, organisierter Kriminalität, Banden sowie ausländischen Geheimdiensten am größten ist.

Auf die Frage, wie gut das Land – besonders öffentliche Verwaltungen, Behörden wie Polizei und Bundeswehr – auf kriminelle IT-Zugriffe vorbereitet sei, antwortete die Mehrheit aller Befragten (41 Prozent) „gar nicht gut“, 29 Prozent „eher nicht gut“, lediglich 18 Prozent „eher gut“, sechs Prozent wussten keine Antwort und lediglich knappe fünf Prozent stimmten für „sehr gut“.

Schließlich geht die Umsetzung der nationalen Sicherheitsstrategie nur langsam voran: Zum Stand der Befragung sind lediglich sieben Prozent, das entspricht zwei von insgesamt 30 Vorhaben mit digitalpolitischem Bezug, umgesetzt worden: Der Bitkom zählt darunter den Aufbau der Cyberagentur sowie die Prüfmöglichkeiten für systemkritische Komponenten in Kommunikationsnetzen, wodurch die Bundesregierung Angriffen vorbeugen kann. 63 Prozent sind noch in der Umsetzungsphase, zum Beispiel die Stärkung der Souveränität, die Zusammenarbeit mit der Industrie und die Neuaufstellung des BSI. 30 Prozent sind dagegen noch gar nicht begonnen worden. Zu diesen neun Vorhaben zählen höhere Investitionen, Prozesse für den Krisenfall und die Weiterentwicklung der Cybersicherheitsstrategie.

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit Bundesmaßnahmen zur Stärkung der Cybersicherheit.

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