Trotz Online-Terminvereinbarung stehen viele Bürgerämter vor dem gleichen Problem: Termine werden gebucht, aber dann nicht wahrgenommen. Nicht nur organisatorisch, sondern auch finanziell hat dies negative Folgen für die Ämter.
Das unentschuldigte Nichterscheinen zu Terminen ist nicht nur eine Unsitte sondern belastet die Öffentliche Verwaltung sowohl finanziell als auch in Sachen Effizienz.
Das Nichterscheinen von Bürgern im Rathaus – die sogenannte No-Show-Rate – stellt ein erhebliches Problem dar. Wie in anderen Branchen, beispielsweise bei Friseuren und Ärzten, führt es zu organisatorischen und finanziellen Schwierigkeiten.
Für die Bürgerämter bedeutet dies neben einem erhöhten Arbeitsaufwand auch eine ineffiziente Nutzung der ohnehin knappen Ressourcen. Es mangelt an genügend verfügbaren Terminen und ausreichend Personal. Deswegen müssen viele Anliegen nach wie vor persönlich statt online erledigt werden.
Das Problem ist komplex und variiert in verschiedenen Kommunen und Fachbereichen erheblich. Viele Mitarbeiter in deutschen Bürgerämtern ärgern sich über dieses Phänomen, das in zahlreichen Artikeln thematisiert wird, wobei jedoch selten Lösungsansätze aufgezeigt werden.
Die Ursachen für das Nichterscheinen sind vielfältig:
unvorhergesehene Umstände, wie Krankheit oder (familiäre) Notfälle
Vergesslichkeit
(technische) Schwierigkeiten bei der Terminabsage
Mehrfachbuchungen von Terminen und Dienstleistungen
unsichere Buchung, ohne vorher genau zu wissen, ob der Termin wahrgenommen werden kann
Wie erscheinen mehr Bürger zu ihren Terminen?
Regelmäßige Erinnerungen und geringe Hürden
Um die Rate von Nichterscheinenden zu senken, können Bürgerämter automatische SMS- und E-Mail-Erinnerungen einsetzen. SMS-Nachrichten erzeugen mehr Aufmerksamkeit, da sie in Zeiten von WhatsApp und E-Mail stärker auffallen.
Solch eine Nachricht sollte zusätzlich einen Link zur einfachen Stornierung des Termins enthalten, damit die Hürde möglichst gering gehalten und mit nur einem Klick möglich ist – analog einer Opt-Out-Funktion eines Newsletters. Entweder wird in diesem Schritt darauf aufmerksam gemacht, einen Termin komplett neu zu buchen oder über einen zweiten Link den Termin zu verschieben, statt ihn zu stornieren.
Wichtig: Es werden heutzutage auch viele Spam-SMS verschickt, die von vielen Smartphones erkannt und in einen separaten Ordner geschoben werden. Daher ist es hier besonders wichtig, die Nachricht authentisch zu formulieren, sodass der Bürger die Intention wahrnimmt.
Mehrfache Erinnerungen (eine Woche, einen Tag und eine Stunde vor dem Termin) können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Bürger ihre Termine wahrnehmen oder rechtzeitig absagen.
Abbildung 1: Die Gemeinde Wenden erinnert ihre Bürger 24 Stunden vorher an ihren Termin – sowohl per E-Mail mit einer Möglichkeit, den Termin zu stornieren oder zu verschieben, als auch per SMS.
Gebühren und Teilzahlungen
Die Einführung von Gebühren oder eines Pfand-Betrages für das Nichterscheinen könnte ein wirksames Mittel sein, um die Termintreue zu erhöhen.
Eine weitere Maßnahme wäre eine Teilzahlung einiger Dienstleistungen während der Online-Terminbuchung mithilfe einer Software zur digitalen Zahlungsabwicklung. Diese kann die Ernsthaftigkeit der Terminvereinbarungen unterstreichen und Bürger motivieren, ihre Verpflichtungen einzuhalten oder rechtzeitig abzusagen.
Terminprozess erklären
Eine klarere und deutlichere Kommunikation der Terminbedingungen ist entscheidend. Dies kann durch eine FAQ-Seite realisiert werden, wie sie etwa die Stadt Münster anbietet (siehe Abbildung 2). Zudem sollten die Informationen an mehreren Stellen verfügbar sein, beispielsweise in der Terminzusammenfassung, Terminbestätigungs-E-Mail und Erinnerungsmail.
Zudem könnten Social Media, regionale Presse und informative Videos, wie Schritt-für-Schritt-Anleitungen, genutzt werden, um die Bürger besser zu informieren und die Kommunikation zu verbessern.
Abbildung 2: Auf ihrer Internetseite beantwortet die Stadt Münster die meistgestellten Fragen rund um die Online-Terminvereinbarung.
Technische Beschränkungen einführen
Um beispielsweise Mehrfachbuchungen zu verhindern, ließe die Anzahl der gebuchten Dienstleistungen pro E-Mail-Adresse oder Dokumentennummer des Personalausweises / Reisepasses limitieren. Vor allem die letzte Maßnahme würde sicherstellen, dass jede Person nur einen Termin pro Dienstleistung buchen kann, und unterbindet Mehrfachbuchungen unter falschen Namen.
Analoges Angebot der Dienstleistungen hinterfragen
Muss jemand persönlich im Bürgerbüro erscheinen, um sich im gleichen Ort umzumelden? Kann ich meinen Reisepass vor der Arbeit abholen? Ja, das ist (technisch) möglich. Viele Kommunen haben diese und weitere (digitalen) Angebote für ihre Bürger bereits eingeführt.
Stand: 08.12.2025
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Mithilfe des selbstständigen Erledigens von Dienstleistungen online oder das flexible Abholen von Personalausweisen und Pässen aus Dokumentenboxen müssen weniger Termine für diese Dienstleistungen vereinbart werden.
Statistiken betrachten und Maßnahmen ableiten
Eine gründliche Analyse der bisherigen Daten über nicht erschienenen Bürger ist sehr hilfreich, um Muster zu erkennen und proaktive Maßnahmen ergreifen zu können. Durch die Identifikation besonders anfälliger Zeiten oder Dienstleistungen können gezielte Strategien entwickelt werden, um die Anzahl zu senken.
Beispielsweise könnte man feststellen, dass bestimmte Dienstleistungen oder Uhrzeiten häufiger nicht wahrgenommen werden und entsprechend reagieren, indem man diese Termine anders organisiert oder zusätzliche Erinnerungen verschickt.
Flexible Terminvergabemöglichkeiten einführen
Die Einführung einer flexiblen Terminvereinbarungssoftware kann ebenfalls dazu beitragen, die Anzahl an Nichterscheinenden zu reduzieren. Diese ermöglichen es, frei gewordene Termine schnell neu zu vergeben. Dabei fangen Spontanbesucher kurzfristige Terminausfälle auf, um den Leerlauf bei den Sachbearbeitern zu reduzieren. So eine hybride Lösung, die sowohl feste Termine als auch Spontanbesucher berücksichtigt, wird beispielsweise bei der Stadt Halver angewendet.
Exkurs: Der Termin-Markt
Einige große Städte in Deutschland, beispielsweise Berlin oder Bochum, kämpfen mit dem Problem, dass Personen oder Unternehmen massenhaft Termine in Kfz-Zulassungsstellen, Bürgerämtern oder Ausländerbehörden buchen. Durch die künstliche Verknappung des Terminangebots ist in diesen Städten eine Art „Termin-Markt“ entstanden, auf welchem Termine gegen Geld angeboten werden.
Das Problem ist komplex: Personalmangel, mangelnde Sanktionen, veraltete Prozesse etc. Hier müssen umfangreichere Strategien zur Verbesserung und Digitalisierung der Verwaltung entwickelt werden, um diesem Umstand entgegenzuwirken.
Fazit
Wenn jemand nicht zu seinem Termin erscheint, ist das nicht nur ärgerlich und unhöflich gegenüber den Mitarbeitern im öffentlichen Dienst, es stellt auch einen finanziellen Schaden dar. Die Ursachen für das Nichterscheinen der Bürger sind vielfältig und das Problem von Mehrfachbuchungen komplex.
Erinnerungen, einfache Stornierungsoptionen und eine klare Kommunikation können je nach Terminvereinbarungssystem bereits kurzfristig umgesetzt werden. Sollte das nicht helfen, können im nächsten Schritt technische Beschränkungen und alternative Wege zur Erledigung von Dienstleistungen eingeführt werden. Eine kontinuierliche Überwachung der No-Show-Rate ist entscheidend, um den Erfolg der Maßnahmen zu beurteilen und notwendige Anpassungen vorzunehmen.