Mehr als eine Cloud-Frage Warum digitale Souveränität eine durchgängige Datenstrategie erfordert

Ein Gastbeitrag von Martin Hacker 4 min Lesedauer

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Bei allen Ansprüchen an digitale Souveränität reicht in Behörden die Wahl der richtigen Cloud nicht aus. Gefragt ist vielmehr eine durchgängige Datenstrategie. Wie lässt sich echte Souveränität mit überschaubarem Aufwand im öffentlichen Sektor umsetzen?

Vor dem Hintergrund der Datensouveränität kann ein Data-Mesh-Ansatz dabei helfen, Silos aufzubrechen und wichtige Informationen „überall“ verfügbar zu machen.(Bild: ©  imfotograf - stock.adobe.com)
Vor dem Hintergrund der Datensouveränität kann ein Data-Mesh-Ansatz dabei helfen, Silos aufzubrechen und wichtige Informationen „überall“ verfügbar zu machen.
(Bild: © imfotograf - stock.adobe.com)

Beim Thema digitale Souveränität fokussieren Behörden sich meist auf die Cloud-Infrastruktur: Während die Public Cloud Services amerikanischer Hyperscaler in vielen Bereichen tabu sind, sollten sensible Daten „On-Premises“ bleiben oder in nationale souveräne Clouds verschoben werden. Doch die Cloud-Frage ist nur ein Puzzleteil der Lösung. Denn digitale Souveränität muss immer auch Datensouveränität einschließen und darf gleichzeitig Innovationen nicht ausbremsen.

Die öffentliche Hand steht unter massivem Digitalisierungsdruck: Nicht nur erwarten Bürgerinnen und Bürger komfortable digitale Verwaltungsservices – auch die Mitarbeitenden selbst benötigen schnellen Zugriff auf verlässliche Daten. Insbesondere Organisationen in kritischen Sektoren wie dem Gesundheitswesen, dem Katastrophenschutz, der Verteidigung oder Ermittlungsbehörden müssen innerhalb kürzester Zeit die richtigen Entscheidungen treffen.

Die Analyse von Echtzeit-Daten spielt dafür eine Schlüsselrolle. Diese Daten müssen in hoher Qualität jederzeit am richtigen Ort verfügbar sein. Dabei brauchen Behörden die volle Kontrolle nicht nur über den Speicherort, sondern auch über den Zugriff, die Nutzung, den Fluss und die Sicherheit der Daten. Nur wenn Behörden eine durchgängige Datenstrategie etablieren, können sie wirklich souverän agieren und ihre digitale Transformation vorantreiben.

Datenherausforderungen sind das größte Hindernis

In der Realität scheitern Digitalisierung und Souveränität häufig an Datenherausforderungen. So fühlen sich beinahe zwei Drittel (65 Prozent) der Führungskräfte im öffentlichen Sektor erheblich dadurch behindert, dass sie Daten nicht kontinuierlich – in Echtzeit und in großen Mengen – nutzen können. Das zeigt eine weltweite Studie von Socratic Technologies unter über 1.000 Entscheidern der öffentlichen Hand. Zwei von drei Führungskräften sind unzufrieden mit den Data Insights, die ihnen zur Verfügung stehen. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass nur 32 Prozent der Befragten bisher datenbasierte Erkenntnisse für ihre täglichen Entscheidungen nutzen.

Zu den größten Herausforderungen zählen Datensilos. Nicht nur entstehen täglich enorme Datenmengen, die in unterschiedlichsten Formaten vorliegen. Jedes Ministerium, jede Behörde und jedes Bundesland betreibt eigene Systeme, was den Datenaustausch und eine übergreifende Auswertung erschwert. Informationen müssen aufwendig kopiert, manuell abgestimmt oder über Sonderlösungen integriert werden. Das kostet Zeit, verhindert eine durchgängige Übersicht und untergräbt das Vertrauen in die Daten. Hinzu kommt, dass regulatorische Vorgaben wie NIS2 oder DSGVO strenge Anforderungen an Sicherheit, Meldepflichten und Nachvollziehbarkeit stellen. Da jede Behörde ihre eigenen Standards pflegt, vervielfachen sich die Prüfaufwände, während zugleich die Cyberrisiken wachsen.

Gefragt: eine ganzheitliche Datenplattform auf Data-Mesh-Architektur

Was öffentliche Einrichtungen benötigen, ist eine Lösung, die Silos aufbricht und als zentrale Datenplattform fungiert, ohne Daten von ihrem Entstehungsort zu verschieben. Möglich wird das durch eine Data-Mesh-Architektur: Alle Daten im Netzwerk können an jedem beliebigen Punkt des Ökosystems abgerufen und analysiert werden – vorausgesetzt, der Benutzer verfügt über die entsprechende Zugriffsberechtigung. Ein Data Mesh bietet eine einheitliche Ebene, um Datenoperationen zu vereinfachen und zu standardisieren.

Im Gegensatz zu einem Data Lake oder einer Data Fabric müssen die Daten jedoch nicht kopiert werden, sondern verbleiben an ihrem Entstehungsort und werden dort indexiert. Gleichzeitig lassen sich zentrale Policies umsetzen, um etwa Zugriffsrechte und Datenflüsse zu kontrollieren. Die Data-Mesh-Ebene fungiert wie eine übergeordnete Service-Plattform, über die Anwender aus der gesamten Organisation in Echtzeit riesige Datenbestände durchsuchen und analysieren können. Das verbessert nicht nur die Datennutzung, sondern minimiert auch den Prüfaufwand für Compliance-Audits erheblich.

KI als Hebel für mehr Produktivität und Effizienz

Seine volle Stärke spielt der Data-Mesh-Ansatz im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz (KI) aus. Denn er stellt sicher, dass KI-Anwendungen in der gesamten Organisation auf eine einheitliche Datenbasis zugreifen, die vom Internet abgeschottet und geschützt ist. Mit Retrieval Augmented Generation (RAG) lassen sich Sprachmodelle mit proprietären Daten füttern, um Halluzinationen zu vermeiden. So kann ein Chatbot etwa Fragen zu Spezifikationen aus NIS2 oder IT-Grundschutz des BSI beantworten. Dadurch sparen Mitarbeitende viel Zeit und erhöhen die Sicherheit.

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KI ist außerdem unverzichtbar, um riesige Datenmengen in Echtzeit auszuwerten und als Entscheidungsgrundlage zu nutzen. Acht von zehn Führungskräften im öffentlichen Sektor (81 Prozent) sind überzeugt, dass sie dadurch ihre Produktivität steigern können. Bei der nationalen Katastrophenhilfe unterstützen KI-Modelle zum Beispiel, indem sie Daten wie Satellitenbilder, Sensordaten oder sogar Social-Media-Meldungen analysieren. Behörden und Einsatzkräfte können diese Informationen dank der zugrunde liegenden Data-Mesh-Architektur sofort nutzen und schneller reagieren.

Flexibler Einsatz und Open Source gewährleisten Souveränität

Bei der Auswahl einer geeigneten Datenplattform sollten IT-Entscheidungsträger im öffentlichen Sektor nach Lösungen Ausschau halten, die sich vor Ort, in einer Cloud ihrer Wahl oder in hybriden Multi-Cloud-Umgebungen einsetzen lassen. Dadurch erhalten Behörden maximale Flexibilität und können selbst entscheiden, wo sie welche Daten speichern.

Hinsichtlich der Souveränität ist es außerdem wichtig, dass es sich um eine Open-Source-Lösung handelt. Das bedeutet, dass Behörden jederzeit den Quellcode der Software einsehen, ihre Funktionsweise nachvollziehen und Lösungen an ihre spezifischen Bedürfnisse anpassen können. Open Source fördert Transparenz, verbessert Zusammenarbeit und hilft gleichzeitig, einen Vendor-Lock-in zu vermeiden.

Fazit

Mit der richtigen Architektur lässt sich Souveränität im öffentlichen Sektor bei überschaubarem Aufwand umsetzen. Ein Data-Mesh-Ansatz löst Silos auf und macht Informationen dort verfügbar, wo sie gebraucht werden – sicher, nachvollziehbar und in Echtzeit. On-Premises-Deployments und Open-Source-Technologie ermöglichen volle Kontrolle, während EU-verankerte Anbieter Rechts- und Compliance-Risiken reduzieren.

Ergänzt um verantwortungsvoll eingesetzte KI, die Datenanalyse, Automatisierung und Entscheidungsunterstützung beschleunigt, entsteht eine Infrastruktur, die Effizienz, Resilienz und Vertrauen gleichermaßen stärkt. Cloud bleibt dabei ein wichtiger Baustein – echte Souveränität jedoch erwächst erst in Kombination mit einer durchgängigen Datenstrategie.

Der Autor
Martin Hacker ist Regional Vice President (Public Sector) bei Elastic.

Bildquelle: Elastic

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