Anbieter zum Thema
Data Literacy stärken
Die Qualität des Angebots und der Nachfrage bedingen sich aber beim Thema Öffnung von Daten gegenseitig. Ohne entsprechende Nachfrage – das heißt ohne Nutzer, die hochwertige Daten zu schätzen und zu nutzen wissen – ist das Öffnen von Daten nicht sinnvoll.
Doch Nachfrage muss auch aus der Verwaltung selbst kommen. Nur eine Verwaltung, die selbst mit Daten umgehen kann, kann sie als Grundlage für Verbesserung der Qualität ihrer Entscheidungen und Dienstleistungen nutzen. Und auf Augenhöhe mit der Zivilgesellschaft und Wirtschaft darüber im Austausch sein, wie man von den Daten profitiert.
Um die gute Nutzung von Daten in der Verwaltung zu fördern, gibt es in Großbritannien das „Data Science Accelerator Programm“, das Datenanalyse-Experten für die Verwaltung weiterbildet. Daneben gibt es „Lunch-time Code Clubs“, um auch den nicht auf dem Gebiet spezialisierten Beamten einen Einblick zu geben, wie die Analyse von großen Datenmengen funktioniert.
Dass die Verwaltung in Deutschland nicht auf der Höhe der Zeit ist, was Digitalfähigkeiten angeht, wird regelmäßig zugestanden und oft genug auch als Grund dafür angegeben, dass die Datenöffnung hierzulande nur langsam vorangeht. Dies sollte aber nicht als ein Dauerzustand hingenommen werden, mit dem man sich anfreunden muss, sondern als eine Herausforderung, die es zu bewältigen gilt. Wenn bei der Verwaltung nicht ausreichend analytische und digitale Fähigkeiten vorhanden sind, dann haben wir mit dem Aufbau einer offenen Daten-Bibliothek einen Bibliothekar beauftragt, der selbst nicht gut lesen kann. Und das kann nicht gut gehen.
Eine Bibliothek funktioniert nur dann gut, wenn der Bibliothekar im Austausch mit den Lesern ist und weiß, was für Bedürfnisse sie haben. Daher wurde in Großbritannien eine „Open Data Steering Group” einberufen. Darin sitzen auch führende Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft. Sie halten die Regierung auf dem Laufenden, was in der „Außenwelt“ beim Thema Daten und Datenanalyse passiert. Die „Community“, also die potentiellen Nutzer von offenen Daten außerhalb der Regierung, werden regelmäßig über das „Open Data Institute“ (ODI) in die Diskussion aber vor allem in praktische Projekte der Datennutzung eingebunden. Das ODI ist eine Non-Profit-Organisation, deren Aufbau mit 10 Millionen Pfund (verteilt auf fünf Jahre) von der britischen Regierung unterstützt wurde.
Höchste Zeit, zu handeln!
Von der Zeit, in der spannende Daten in den Schränken der Ministerien verschlossen bleiben, hat man sich in Großbritannien offensichtlich verabschiedet. Doch nicht aus purem Idealismus oder auf Druck der Zivilgesellschaft, sondern in der Erwartung, dass ein besserer Datenzugang und ein professioneller Umgang mit Daten ein besseres Management und eine höhere Qualität der Entscheidungen im öffentlichen Sektor mit sich bringt. Das wiederum, so die Erwartung, wird eine bessere Grundlage für Entrepreneurship und eine höhere Lebensqualität zur Folge haben.
Jetzt, da die führenden Länder in Sachen Nutzung offener Daten die Experimentierphase hinter sich gelassen haben und schon tief in der Umsetzung stecken, ist für Deutschland eigentlich die letzte Gelegenheit, verlorenes Terrain auf diesem Feld wieder gutzumachen. Denn die Leader haben längst andere Länder von dem Ansatz überzeugt, und auch die sind inzwischen an Deutschland vorbeigezogen, wie der jüngst veröffentlichte Open-Data-Index zeigt.
(ID:43846085)