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Synergien für effizientes eGovernment

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Die digitale Dekade Europas?

Digitalisierung und die damit verbundenen Hürden sind allerdings nicht allein Sache des Bundes. „Viele Digitalisierungsvorhaben sind so komplex, dass sie nur mit einer gewissen kritischen Masse sinnvoll umgesetzt werden können – das gilt beispielsweise bei Souveränität, Cloud und künstlicher Intelligenz, oder bei der Regulierung von Plattformen“, so Marc Reinhardt. „Deshalb ist es hier besonders wichtig, dass diese Aufgaben auf EU-Ebene angegangen werden und sich die Nationen gemeinsam als europäische Einheit aufstellen.“

Grundlage dafür soll die europäische Digitalstrategie bilden. Diese soll drei Säulen abdecken:

  • Technologie im Dienste der Menschen,
  • eine faire und wettbewerbsfähige digitale Wirtschaft,
  • eine offene, demokratische und nachhaltige Gesellschaft.

Marc Reinhardt, Public Sector Global Leader bei Capgemini(Bild:  www.fotodesignberlin.de)
Marc Reinhardt, Public Sector Global Leader bei Capgemini
(Bild: www.fotodesignberlin.de)

Damit diese Ziele realisiert werden können, sei es jedoch zwingend notwendig, europäische harmonisierte Datenlakes und -straßen mit Standort in Europa und im operativen Betrieb europäischer Organisationen und/oder Unternehmen aufzubauen, erklärt Karpinski. „Darüber hinaus müssen Technologien aller Hersteller, gleich welchen Herkunftslandes, definierten Sicherheitsstandards entsprechen und einheitlich zertifiziert werden. „Je mehr operative Eigenständigkeit die EU erreicht, desto größer sind die Chancen einer konfliktfreien internationalen Kooperation.“

Eine vollständige digitale Souveränität sei nicht realistisch, meint Schneider. „Eine völlige Unabhängigkeit würde zu einer vollständigen Abschottung oder zu Protektionismus führen.“ Da es jedoch keinesfalls wünschenswert sei, vollständig von anderen Nationen und ihren Systemen abhängig zu sein, müsse man klar definieren, wo man konsequent souverän sein will und wo dies nur schade. Letzteres gelte etwa bei Schlüsseltechnologien wie Mikroelektronik, 5G, KI, Blockchain und Quantencomputing.

Doch bei der Digitalisierung geht es eben nicht nur um Technologien, sondern auch um den Menschen dahinter. „Der aktuelle Wunsch vieler Bürgerinnen und Bürger, dass im Internet die gleichen Regeln und Gesetze herrschen wie in der analogen Welt, ist nachvollziehbar und sollte statt belächelt ernst genommen werden“, erklärt Schneider. Technisch sei es zwar herausfordernd, anonymisierte Hassmails und Morddrohungen zu identifizieren und kriminaltechnisch nachzugehen, dennoch sei es vonnöten, solche Verbrechen konsequenter zu bekämpfen. „Auch die in IT-Kreisen gerne belächelte Forderung, dass man in den sozialen Medien nur noch mit Identitätsnachweis agieren darf, sollte endlich in Erwägung gezogen werden. Im Internet sollte nur noch jemand schreiben oder kommentieren dürfen, der sich eindeutig zu erkennen gibt.“

Isabel Netzband, Head of Governmental Relations & Public Policy Central Europe bei Fujitsu(Bild:  Fujitsu Technology Solutions GmbH)
Isabel Netzband, Head of Governmental Relations & Public Policy Central Europe bei Fujitsu
(Bild: Fujitsu Technology Solutions GmbH)

Vor allem braucht es in der breiten Gesellschaft aber digitale Kompetenzen. „Ich könnte mir auch eine EU-weite Förderung digitaler Kompetenzen vorstellen, um sicherzustellen, dass alle Bürger und Bürgerinnen auch in Zukunft gut für den Arbeitsmarkt aufgestellt sind und kompetent mit digitalen Lösungen umgehen können“, so Netzband.

Die Expertise der Wirtschaft nutzen

Egal, ob auf EU-Ebene oder innerhalb der hiesigen Verwaltungen, ohne externe Hilfe ist dieses Mammutprojekt kaum zu bewältigen. „Insourcing oder Outsourcing – diese Frage stellt sich im IT-Umfeld schon lange nicht mehr. Sicherlich gibt es auch im IT-Umfeld Kernkompetenzen, die man nicht aus der Hand geben will bzw. bei denen man nicht von anderen Unternehmen abhängig sein will. Aber der Mangel an IT-Fachkräften zwingt nahezu jede öffentliche Einrichtung und jedes Unternehmen, auf Ressourcen von IT-Beratungsunternehmen zurückzugreifen“, fasst Schneider die Situation zusammen.

„Unternehmen tragen Impulse und innovative Ansätze aus der Wirtschaft in die Verwaltung“, betont Felling. Ein Beispiel hierfür sei KI. Digitale Beratungsunternehmen durchdrängen die neuen Möglichkeiten schnell und untersetzten sie mit konkreten Anwendungsszenarien. „Das macht es der Verwaltung einfacher, eigene Chancen zu verstehen und für sich nutzbar zu machen, aber auch Berater und Umsetzer herauszufordern, echte Mehrwerte für die Zielgruppen der Verwaltung zu identifizieren bzw. zu erreichen.“ Ein weiteres Beispiel für den Technologietransfer aus der Wirtschaft sei der sehr erfolgreiche Nutzerfokus in der OZG-Umsetzung.

Auf der nächsten Seite: Fazit und Ausblick

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