Projekt URBORETUM Stadtbäume als Multitalente

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) untersuchen Forschende gemeinsam mit Partnern, wie städtische und stadtnahe Wälder mit ihren – für Menschen so wichtigen – Funktionen auch unter extremeren Klimabedingungen erhalten werden können. Sie nutzen dafür Sensoren und digitale Zwillinge von über 45.000 Bäumen.

Kühle und saubere Luft, Erholung und Stressabbau: Bäume tragen auf vielfältige Weise zum Wohlergehen bei. Im Projekt URBORETUM sollen die verschiedenen Aspekte untersucht werden. (© OlgaPS – stock.adobe.com)
Kühle und saubere Luft, Erholung und Stressabbau: Bäume tragen auf vielfältige Weise zum Wohlergehen bei. Im Projekt URBORETUM sollen die verschiedenen Aspekte untersucht werden.
(© OlgaPS – stock.adobe.com)

In diesen heißen Spätsommertagen ist „Schatten spenden“ wohl das Erste, woran Hitzegeplagte beim Thema „Stadtbäume“ denken. Doch gesunde Bäume bewirken weit mehr: Sie spenden Kühle auch durch Verdunstung, filtern Schadstoffe aus der Luft, reduzieren den Oberflächenabfluss und entlasten damit die Kanalisation, dienen als Lebensraum und helfen beim Stressabbau –„ein ganzes Bündel positiver Ökosystemleistungen, die angesichts des fortschreitenden Klimawandels immer wichtiger werden“, wie Dr. Somidh Saha, Forstwissenschaftler am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT, sagt. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Denn Veränderungen wie Hitze, Trockenheit und Bodenverschmutzung, aber auch Schädlinge untergraben die Gesundheit der Bäume.

Welche Faktoren sich auf Wachstum und Vitalität von Stadtbäumen und somit auch auf die Ökosystemleistungen auswirken, das wollen Forschende jetzt im Innovationscluster URBORETUM untersuchen. Ziel ist es, die Bewirtschaftung städtischer und stadtnaher Wälder zu verbessern. Unter Leitung des ITAS arbeiten Partner aus Wissenschaft und Praxis in den nächsten drei Jahren in sieben Teilprojekten zusammen.

Digitale Zwillinge und eine Smartphone-App

Digitale Technologien spielen dabei eine Schlüsselrolle: Für das Projekt werden 240 Bäume in Karlsruhe mit Sensoren ausgestattet, um die Auswirkung von Umweltveränderungen auf das Wachstum längerfristig zu untersuchen. Weitere Messungen sind in Freiburg, Mannheim und Heidelberg vorgesehen. Die greehill Deutschland GmbH soll digitale Zwillinge von gut 45.000 Bäumen zur Verfügung stellen und die Rinntech-Metriwerk GmbH & Co. KG ein weitgehend automatisiertes Verfahren entwickeln, mit dem Kommunen die Gesundheit von Bäumen bewerten können. Ein wichtiger Praxispartner ist das Gartenbauamt der Stadt Karlsruhe, das als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis die Forschung vor Ort ermöglichen und die Projektergebnisse in die städtischen Abläufe integrieren soll.

Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim werden zudem mit bildgebenden Verfahren des Gehirns, einer Smartphone-App, Geolokalisierung und psychologischer Auswertungen die Auswirkungen von Stadtbäumen auf das menschliche Befinden untersucht.

Während sich das ITAS auf die Untersuchung von Wachstumsfaktoren fokussiert, erforscht das Institut für Geographie und Geoökologie des KIT Mechanismen des vorzeitigen Baumsterbens, und das Projektteam der Universität Freiburg will Stadtverwaltungen bei der Auswahl geeigneter Baumarten unterstützen.

„Wir sind optimistisch, dass unsere Ergebnisse dazu beitragen können, die derzeitige Bewirtschaftungspraxis von Stadtwäldern trotz steigender Herausforderungen und begrenzter Ressourcen entscheidend zu verbessern – insbesondere im Hinblick auf die Auswahl neuer Baumarten, die Inventarisierung und die regelmäßige Kontrolle des Baumbestands sowie die Baumpflege“, so Projektleiter Somidh Saha.

Das Projekt URBORETUM wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßnahme REGULUS gefördert. Die Forschungen laufen über drei Jahre, ergänzt um eine mögliche zweijährige Umsetzungsphase.

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