KI-Governance Spanien führt europäischen Bildungs-KI-Index an

Von Stephan Augsten 3 min Lesedauer

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KI ist längst in europäischen Klassenzimmern angekommen, ein neuer Index zeigt mit Blick auf den politischen Reifegrad allerdings deutliche Unterschiede zwischen den Ländern: Spanien setzt europaweit Maßstäbe, Deutschland und Großbritannien hinken dagegen noch hinterher.

Spanien führt den neuen Bildungs-KI-Index von GoStudent an, Deutschland liegt vorerst auf dem fünften Rang.(Bild:  GoStudent)
Spanien führt den neuen Bildungs-KI-Index von GoStudent an, Deutschland liegt vorerst auf dem fünften Rang.
(Bild: GoStudent)

Im kürzlich veröffentlichte Europäische Bildungs-KI-Index 2025 zeigt sich, wie weit einzelne europäische Staaten bei der Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) ins Bildungswesen fortgeschritten sind – und wie unterschiedlich ihre Ansätze ausfallen. Für den Index hat die Bildungsplattform GoStudent sechs Länder nach einem einheitlichen Bewertungsschema untersucht: nationale Strategien, Lehrerfortbildungsprogramme, ethische Rahmenwerke und die praktische Umsetzung im Klassenzimmer. Zusätzlich würdigte sie vielversprechende Initiativen in den Niederlanden, Estland und Polen.

Spanien legt dabei die Messlatte mit 4,6 von fünf möglichen Punkten ziemlich hoch. Das Land kombiniert eine umfassende strategische Vision mit besonderem Schwerpunkt auf ethische Standards und Sicherheit. Das Instituto Nacional de Tecnologías Educativas y de Formación del Profesorado (INTEF) verfolgt dabei eine klare Mission zur systematischen Lehrerfortbildung. Beide Dimensionen – Prinzipien und Ethik sowie Ausbildung und Kapazitätsaufbau – erhielten Höchstwertungen. Allerdings zeigen sich auch im Falle Spaniens Defizite: In den Bereichen Governance und Monitoring sowie Implementierungsmodell erzielte das Land nur mittlere Bewertungen, da ein zentrales Überwachungssystem noch nicht definiert wurde.

Andere Länder, andere Ansätze

Dahinter rangiert Italien mit 3,8 Punkten. Die italienische Vision für KI in Schulen zielt darauf ab, personalisiertes Lernen zu erweitern und gleichzeitig administrative Effizienz zu verbessern. Besonders stark schneidet Italien bei der praktischen Umsetzung ab: Mit der Plattform UNICA hat das Ministerium für Bildung und Verdienst ein vollständiges Implementierungs-Rahmenwerk entwickelt. Schwächer fällt die Bilanz hingegen bei ethischen Standards aus – hier konnte Italien nur zwei Punkte erzielen.

Im Mittelfeld findet sich Frankreich mit 3,3 Punkten. Erst im Juni 2025 führte das französische Bildungsministerium den Nutzungsrahmen „L'IA en éducation: Cadre d'usage“ ein, der strenge Compliance-Vorschriften insbesondere zur Datennutzung und menschlichen Aufsicht vorsieht. Starke ethische Überlegungen prägen diesen Ansatz. Ein formeller Plan soll im Frühjahr 2026 folgen, 20 Millionen Euro wurden zudem für die Entwicklung von KI-Tools bereitgestellt.

Auf den Rängen folgen zwei deutschsprachige Länder. Zum einen Österreich (drei Punkte), wo ein dezentralisiertes Modell mit einzelnen Pilotprojekten und lokal entwickelten Ethikrichtlinien dominiert. Eine schulbezogene Gesetzgebung existiert hingegen noch nicht. Deutschland kommt insgesamt auf 2,7 Punkte und befindet sich nach Einschätzung von GoStudent damit noch in der „Rahmenphase“. Die Ständige Konferenz der Kultusminister (KMK) verabschiedete 2024 nationale Leitlinien, doch die konkrete Umsetzung obliegt den Bundesländern, nicht der Bundesregierung. Besonders schwach schneidet Deutschland beim Governance und Monitoring ab – hier erhielt es nur einen Punkt.

Das Vereinigte Königreich rangiert mit 2,4 Punkten am unteren Ende der Skala. Obwohl das Land Gastgeber des AI Safety Summit 2023 war, wurde eine nationale Strategie für Bildungs-KI bislang nicht definiert. Zusätzlich zu den sechs Hauptländern nennt der Index drei aufstrebende Akteure. Die Niederlande verfolgen mit NOLAI (National Education Lab AI) einen kooperativen, menschzentrierten Ansatz, der Schulen, Forscher, EdTech-Unternehmen und politische Entscheidungsträger einbindet. Estlands „AI Leap“-Strategie baut auf dem Erfolg der „Tiger Leap“-Initiative auf und zielt darauf ab, mit etwa 6,5 Millionen Euro jährlich bis 2027 rund 58.000 Schüler und 5.000 Lehrkräfte zu erreichen. Im Rahmen seiner KI-Entwicklungsstrategie 2025-2030 will Polen etwa 1,84 Milliarden Polnische Zloty (umgerechnet rund 434 Mio. Euro) in 16.000 mit KI ausgestattete Klassenzimmer, Pilotlabore sowie das Projekt „Generation AI“ investieren.

Evaluationskriterien und ihre Bedeutung

Der Index misst nicht „Innovationsbegeisterung", sondern die politische Reife – also, wie weit ein Land darin fortgeschritten ist, sicherzustellen, dass KI das Lernen sicher, ethisch und nachhaltig verbessert. Eine hohe Bewertung deutet demnach auf Kohärenz hin, nicht auf mediale Aufmerksamkeit. Eine niedrige Bewertung signalisiert Fragmentierung oder fehlende formale Governance, auch wenn einzelne Schulen eines Landes bereits mit KI experimentieren.

Dies ist ein wichtiger Punkt für IT-Entscheider: Die Ratings berücksichtigen unterschiedliche Governance-Modelle – ein Land kann eine hohe Bewertung erhalten, ob es nun zentralisiert (wie Italien) oder dezentralisiert (wie Deutschland) vorgeht – sofern die Mechanismen für Umsetzung, Überwachung und Ausbildung nachweislich vorhanden sind.

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