Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht im Interview über den Status quo der Schuldigitalisierung und die Unterstützung durch den Bund.
Karin Prien, Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend
(Bild: Dominik Butzmann/BMFSFJ/photothek.de)
Welchen aktuell dringlichsten Aufgaben sehen sich die deutschen Schulen gegenüber?
Prien: Unsere Schulen vermitteln Bildung – das Rüstzeug fürs Leben. Damit stehen sie vor mehreren gleichzeitigen Herausforderungen: Neben dem Lehrkräftemangel, der die Länder strukturell und regional unterschiedlich beschäftigt, ist insbesondere der wirksame Umgang mit einer immer heterogeneren Schülerschaft die entscheidende Aufgabe. Dabei wird es auf eine neue Evaluationskultur ankommen, die sich noch stärker als bisher digitaler Tools bedient. Auch die Digitalisierung bleibt eine zentrale Zukunftsaufgabe. Hinzu kommen die Integration von Kindern mit Flucht- oder Migrationsgeschichte, die individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schüler, ein eingehenderer Blick auf die Elternarbeit und die Weiterentwicklung schulischer Qualität insgesamt. Auch der Umgang mit den Folgen der Pandemie – etwa im Bereich der psychosozialen Gesundheit – bleibt relevant. Es geht für alle im System darum, Schule zukunftsfest, chancengerecht und resilient aufzustellen. Wo der Bund es kann, unterstützt er die Länder in Bildungsfragen.
Wie weit ist die deutsche Schullandschaft beim Thema Digitalisierung?
Prien: Seit dem Start des ersten Digitalpakts Schule im Jahr 2019 hat sich viel bewegt: Die meisten Schulen verfügen inzwischen über eine grundlegende digitale Infrastruktur – von WLAN über Endgeräte bis hin zu digitalen Tafeln. Die Nutzung digitaler Werkzeuge im Unterricht nimmt zu, ebenso die digitalen Kompetenzen bei Lehrkräften, deren Weiterbildung ganz entscheidend ist. Denn: Das Gadget allein macht es nicht. Das muss in eine Unterrichtsdidaktik eingebettet werden. Und dabei dürfen wir auch den kritischen Umgang mit KI nicht vernachlässigen. Gleichzeitig zeigt sich: Der Digitalisierungsgrad ist bundesweit noch unterschiedlich. Unser Ziel ist es, bundeseinheitlich hohe Standards zu schaffen – sowohl bei der technischen Ausstattung als auch bei der pädagogischen Anwendung.
Bringt der Digitalpakt 2.0 den nötigen Schub, um die Digitalisierung voranzubringen?
Prien: Ja. Der Digitalpakt 2.0 wird ein entscheidender Schritt sein, um die bisherige Entwicklung nachhaltig zu sichern und gezielt auszubauen. Damit stehen nicht nur Mittel für Geräte und Infrastruktur bereit, vielmehr liegt auch ein Fokus auf Verstetigung: Wir wollen IT-Administration professionalisieren, pädagogische Konzepte stärken und die Fortbildung von Lehrkräften weiter fördern. Digitalisierung darf kein einmaliges Projekt bleiben, sondern muss dauerhaft im Schulalltag verankert sein. Genau darum geht es beim Digitalpakt 2.0, da haben Bund und Länder das gleiche Verständnis. Ich betone an dieser Stelle aber auch gern: Die Länder sind mit den Mitteln des Bundes nicht aus der Verantwortung, was die Digitalisierung angeht.
Bis wann können die Schulträger mit den ersten Fördergeldern aus dem Digitalpakt 2.0 rechnen?
Prien: Unser Ziel ist es, den Digitalpakt 2.0 zügig auf den Weg zu bringen. Derzeit laufen die Gespräche mit den Ländern über die konkrete Ausgestaltung. Wir streben an, dass die Mittel ab 2026 zur Verfügung stehen. Klar ist: Die Schulträger benötigen Planungssicherheit und Verlässlichkeit. Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck daran, die Voraussetzungen für einen nahtlosen Übergang zu schaffen – ohne finanzielle oder organisatorische Brüche.
Digitale Schule
Das Sonderheft zur Digitalisierung der Schullandschaft.
Der DigitalPakt Schule ist Geschichte – ab 2026 startet der DigitalPakt 2.0 mit einer Investitionssumme von insgesamt fünf Milliarden Euro, um die nächste Phase der Schuldigitalisierung einzuläuten. Während Bund und Länder die Weichen für nachhaltige IT-Infrastrukturen stellen, erobert bereits eine neue Technologie die Klassenzimmer: Künstliche Intelligenz verändert Lernprozesse und Unterrichtsmethoden grundlegend. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen bei Datenschutz, Chancengleichheit und der Qualifikation von Lehrkräften.
Das Sonderheft „Digitale Schule“ von eGovernment und IT-BUSINESS zeigt, wie Bildungseinrichtungen und Schulträger diese Transformation erfolgreich gestalten können. Von der strategischen Planung von KI-Systemen über die Beschaffung zukunftsfähiger Hardware bis hin zur Umsetzung rechtssicherer Lösungen – Bildungsentscheider erhalten konkrete Handlungsempfehlungen für die digitale Schule von morgen. Zudem beleuchtet das Heft, welche neuen Geschäftsfelder sich für Lösungsanbieter eröffnen und wie Dienstleister Schulen beim Sprung ins KI-Zeitalter unterstützen können.
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