Kompetenzen als Ressource Personalentwicklung und Weiterbildung neu denken

Von Philipp Kuscher und Marco Brunzel 3 min Lesedauer

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Die aktuellen Herausforderungen im öffentlichen Sektor machen die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeitenden unerlässlich. Die vorhandenen Konzepte sind jedoch oftmals veraltet. Was muss sich also ändern, und welche Pilotprojekte gibt es bereits? Das erklären Philipp Kuscher und Marco Brunzel.

Bedarfe für Weiterbildungen werden klassischerweise durch behördenweite Abfragen in der Regel einmal im Jahr ermittelt – ein Konzept, das dem schnellen Wandel der heutigen Zeit nicht mehr gerecht wird.(Bild:  Mediaparts – stock.adobe.com)
Bedarfe für Weiterbildungen werden klassischerweise durch behördenweite Abfragen in der Regel einmal im Jahr ermittelt – ein Konzept, das dem schnellen Wandel der heutigen Zeit nicht mehr gerecht wird.
(Bild: Mediaparts – stock.adobe.com)

Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Herausforderungen – Wohnen, Energiewende, Bildung – sowie schwindender Ressourcen (Demographischer Wandel, Fachkräftemangel, usw.) sind Bund, Länder und Kommunen gezwungen, neue Wege einzuschlagen. Organisations- und Personalentwicklung gelten als Erfolgsfaktor für die Bewältigung der bestehenden Herausforderungen, deren wichtigster Baustein die gezielte Förderung von Kompetenzen ist. Dazu gilt es, die berufliche Weiterbildung im Bereich des öffentlichen Sektors grundlegend zu transformieren.

Weiterbildung als ungeliebtes Stiefkind

Mit Unterstützung von Bund und Ländern wurde eine Vielzahl an neuen und innovativen Lernangeboten wie der eGovCampus und der KommunalCampus geschaffen. Damit wurden durch föderale Kooperationen digitale Lernangebote für Digitalkompetenzen geschaffen, welche nun auch von Behörden für ihre Mitarbeitenden genutzt werden müssen. Der Blick in die Praxis zeigt, eine moderne Weiterbildung, sowohl in der Art und Weise als auch mit den dazugehörigen Ressourcen, wurde in vielen Behörden zu lange vernachlässigt. Trotz vereinzelter Best Practices berichten uns immer wieder Behördenvertreter und -vertreterinnen (von Bundes- bis Kommunalebene) von minimalen Budgets pro Mitarbeiter und Mitarbeiterin und teilweise aus der Zeit gefallenen Fort- und Weiterbildungskonzepten. Um hier möglichst schnell neue Wege einzuschlagen, gilt es, folgende Fragen zu bearbeiten:

  • Wie werden Angebote identifiziert, konzipiert, angeboten und weiterentwickelt?
  • Wie lassen sich benötigte Ressourcen für eine angemessene Weiterbildung kalkulieren und bereitstellen?
  • Wie messen wir den Erfolg bzw. die Wirkungen von Maßnahmen?
  • Sind Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit ihren Kompetenzbedarfen nutzergerecht adressiert und im Weiterbildungsprozess optimal beteiligt?

Von Katalogen zu Lernplattformen

Bedarfe für Weiterbildungen werden klassischerweise durch behördenweite Abfragen in der Regel einmal im Jahr ermittelt oder ergaben sich durch gesetzliche Änderungen oder die Einführung von IT-Anwendungen (z.B. eAkte). Noch viel zu selten werden Weiterbildungsangebote an einem strategisch ausgerichteten, strukturierten und wirkungsorientierten Verfahren auf der Basis von dafür ermittelten individuellen Kompetenzen und Fähigkeiten ausgerichtet. So werden Informationen über verfügbare Angebote (Trainings, Seminare, etc.) verschiedener Träger meist in zentralen Fortbildungskatalogen festgehalten, die die Mitarbeitenden häufig eigenständig durchforsten müssen. Häufig bestehen in der Praxis nur wenige Anreize, z.B. über Zielvereinbarungen, sich regelmäßig weiterzubilden. Viele Führungskräfte sehen Weiterbildungen aufgrund der unzureichenden methodischen und fachlichen Aktualität zudem eher kritisch – was wiederum kaum zur Verbesserung der bestehenden Praxis führt. Um die Verwaltung als das grundlegende „Betriebssystem der Gesellschaft“ auf die Anforderungen der Zukunft auszurichten, sollten Weiterbildungskonzepte zwingend auf personalisierbaren Kompetenzfindern wie FINDIG.sh und modularen Lernplattformen wie den eGovCampus oder KommunalCampus aufsetzen. Denn Weiterbildung muss zukünftig personalisiert gedacht und umgesetzt werden, sowohl themenbezogen als auch von der Art und Weise des Lernangebots und der Lernformate – von MOOCs bis persönliches Coaching.

Kommunales Beispiel für individualisierte Lösungen

Die Kompetenzbedürfnisse der Mitarbeitenden im Blick – auf diesen Weg hat sich die Stadtverwaltung Ludwigshafen wissenschaftlich unterstützt mit ihrem prämierten Projekt „Arbeitsplatz der Zukunft“ gemacht. Im Rahmen der Umsetzung kommt dem Aufbau bzw. der Nutzung einer hoch modularen und personalisierbaren Lernplattform eine zentrale Bedeutung zu. Um von Anfang an auf eine interkommunale Lösung zu setzen, hat die Stadt bereits 2020 mit dem Projekt „MRN-Akademie“ die Gründung einer interkommunalen Genossenschaft mit initiiert. Zwischenzeitlich hat die Stadt zusammen mit dem KommunalCampus ein erstes Projekt zur Entwicklung und Umsetzung individueller Lernpfade auf der Basis einer personalisierten Lernplattform umgesetzt. Ziel ist es, für jede Stelle und alle Beschäftigten auf dieser Grundlage eine anspruchsvolle und motivierende berufliche Perspektive zu erarbeiten. Das Pilotprojekt unterstreicht den Bedarf für individualisierte Lösungen.

Ausblick und Appell für zukünftige Weiterbildung

Die Erkenntnis, dass die bisherige Kultur und Form der Weiterbildung in der Behördenpraxis weder zeitgemäß noch zielführend ist, ist nicht neu. Die bestehenden bzw. noch vor uns liegenden Herausforderungen (insbesondere mit Blick auf den demographischen Wandel im öffentlichen Sektor) erhöhen jedoch aktuell den Druck, neue Wege zu beschreiten. Dazu sollten die Verantwortlichen in Bund, Ländern und Kommunen weiterhin gemeinsam die folgenden Themen mutig angehen:

  • 1. Moderne Lernnetzwerke und -plattformen wie den eGovCampus oder den KommunalCampus verwaltungsübergreifend etablieren.
  • 2. Proaktive Kompetenzentwicklung anstatt reaktive Angebotsbereitstellung.
  • 3. Personalisierte und modulare Lernangebote anstelle standardisierter Schulungen.
  • 4. Anreize für Weiterbildung schaffen (z.B. als Kriterium für Beförderungen, flexible Arbeitsformen)

Diese Handlungsfelder werden wir nochmal in einem wissenschaftlichen Kontext vertieft untersuchen und laden Sie dazu ein, Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen und das Thema weiter voranzubringen.

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Die Autoren

Philipp Kuscher ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Stein-Hardenberg Institut.
Marco Brunzel ist Fellow am ­Stein-Hardenberg Institut.

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