Aktuell sind über 3.000 Datensätze im Berliner Open-Data-Portal verfügbar. Welche quantitativen und qualitativen Ziele haben Sie sich für die kommenden fünf Jahre gesetzt?
Özdemir: Für die kommenden fünf Jahre verfolgen wir ambitionierte Ziele, um das Berliner Open-Data-Portal sowohl quantitativ als auch qualitativ auszubauen und dessen Nutzung zu intensivieren.
Wir streben eine deutliche Steigerung der Anzahl der Datensätze an. Dies erfordert sowohl eine regelmäßige Veröffentlichung neuer Datensätze aus allen Verwaltungsbereichen als auch eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Behörden. Derzeit identifizieren wir sowohl die „High-Value-Datasets“ der EU-Durchführungsverordnung als auch die „Berliner Kerndatensätze“ zur weiteren Veröffentlichung. Als nächster Schritt stehen die Dateninventuren in jeder Behörde an. Im Rahmen der Maßnahme „Dateninventuren durchführen“ soll jede Behörde mit Unterstützung der Open-Data-Informationsstelle entsprechende Datensätze benennen und die relevanten Daten auf dem Open-Data-Portal publizieren.
Was die Datennutzung betrifft, messen wir die Nutzung des Open-Data-Portals durch Tracking der Webseiten-Besuche und Downloads von Datensätzen. So können wir bewerten, welche Datensätze besonders relevant sind und welche Bereiche optimiert werden können. Daten aus den Bereichen Stadtentwicklung, Mobilität, Verkehr und Klimaschutz sind besonders beliebt bei den Berlinerinnen und Berlinern, die sich um die Umweltsituation in ihren Stadtteilen kümmern.
Wir wollen die Nutzung von Open Data auch innerhalb der Verwaltung ausbauen. Mein persönliches Ziel ist es, dass mindestens 80 Prozent der Berliner Verwaltungsbehörden in den nächsten fünf Jahren aktiv Daten im Open-Data-Portal bereitstellen. Dies soll durch gezielte Schulungen und die Integration von Open Data in neue und bestehende Digitalisierungsprojekte gefördert werden. Qualitative Ziele haben wir ebenfalls festgelegt: Zur Förderung der Nutzerfreundlichkeit und Barrierefreiheit wird die Benutzeroberfläche des Open-Data-Portals verbessert, sodass Datensätze besser gefiltert und gefunden werden können.
Hackathons und Innovationswettbewerbe sind geplant, um innovative Nutzungsmöglichkeiten für Open Data zu fördern. Ziel ist es, die Datennutzung kreativ anzuregen und Lösungen für städtische Herausforderungen in den Bereichen Verkehr, Umwelt und Wohnraum zu entwickeln. Schließlich wollen wir auch mit Pilotprojekten zeigen, wie Open Data die Effizienz und Qualität von Verwaltungsdienstleistungen verbessern kann, beispielsweise durch datengetriebene Prognosen.
Ein Fokus der Strategie liegt auf der Datenqualität. Welche Maßnahmen planen Sie, um die Qualität der veröffentlichten Daten zu verbessern?
Özdemir: Die Qualität unserer Daten ist für uns ein zentrales Anliegen. Unser Open Data Portal ist ein Metadatenportal: Die Daten selbst werden von den jeweiligen Verwaltungsmitarbeitern dezentral auf ihren Websites veröffentlicht und dann mit URL-Links und Metadaten im Open Data Portal eingetragen. Da jede Behörde ihre eigenen Daten veröffentlicht, ist die Qualität stark davon abhängig, wie die einzelnen Verwaltungen ihre Daten aufbereiten und bereitstellen.
Die Unterschiede in der Datenqualität sind dabei deutlich: Einige Verwaltungen führen ihre Daten in Excel-Listen, während andere moderne Datenmanagementsysteme nutzen. Dadurch variiert das Qualitätsniveau der Daten auf unserem Portal erheblich.
Derzeit wird die Datenqualität von unserem Portalbetreiber manuell geprüft – jeder Datensatz wird einzeln inspiziert. Doch in Zukunft wollen wir verstärkt auf automatisierte Validierungsprozesse setzen. Diese könnten schon vor der Veröffentlichung Inkonsistenzen, Anomalien und fehlende Werte erkennen und beheben, beispielsweise durch die Entfernung von Duplikaten. Solche Maßnahmen würden die Datenqualität signifikant erhöhen und zugleich den Veröffentlichungsprozess beschleunigen.
Da die Datenqualität von der Arbeit in den einzelnen Verwaltungen abhängt, ist es für uns umso wichtiger, die Verwaltungsbeschäftigten umfassend zu schulen. Jedes Jahr bieten wir den „Crashkurs Open Data“ an, um das Bewusstsein und die Fähigkeiten rund um Datenqualität zu stärken. Hier legen wir besonderen Wert auf die richtige Erfassung, Pflege und Veröffentlichung der Daten. Zudem fördern wir den Austausch zwischen den Verwaltungsbereichen: Im Open-Data-Netzwerk und in den AG-Open-Data-Formaten teilen wir Best Practices und arbeiten gemeinsam daran, die Datenqualität berlinweit zu verbessern.
Stand: 08.12.2025
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Ein spannendes Pilotprojekt in diesem Bereich ist die Bereitstellung der Berliner Haushaltsdaten als Linked Open Data durch die Senatsverwaltung für Finanzen. Damit beteiligen wir uns am 4. Nationalen Aktionsplan der Open Government Partnership zusammen mit Schleswig-Holstein. Das Linked-Open-Data-Prinzip macht die Daten nicht nur maschinenlesbar, sondern auch verknüpfbar, indem wir sie mit Uniform Resource Identifiers (URIs) versehen. Durch diese Verknüpfbarkeit können wir innovative Anwendungen entwickeln, und genau in diese Richtung möchten wir in Berlin weitere Projekte vorantreiben."
Mittlerweile gibt es etliche Anwendungen und Mashups auf der Open-Data-Webseite, ganze 71, wenn ich richtig gezählt habe. Welche davon haben es Ihnen besonders angetan und welche werden von der Bevölkerung besonders gut angenommen?
Özdemir: Unter den Anwendungen möchte ich den „Branchenpuls“ und den „Wahlbezirke-Editor“ hervorheben. Der Branchenpuls ist eine Anwendung, die auf Basis von Gewerbedaten der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie der Mitgliederdaten der Berliner IHK entstanden ist. Da es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen Wirtschaft und Verwaltung handelt, zählt diese Anwendung zu meinen Favoriten. Der Branchenpuls bietet Unternehmen, die sich in Berlin ansiedeln oder expandieren möchten, wertvolle Standortinformationen. Durch die Anwendung können sie geeignete Bezirke identifizieren, in denen ihre Branche wächst und Synergien durch die Nähe zu Co-Working Spaces, Hubs oder anderen Branchenschwerpunkten entstehen. Diese Art von Standortwissen unterstützt gezielt die Planung und fördert die Ansiedlung passender Unternehmen in den jeweiligen Stadtteilen.
Auch der Wahlbezirke-Editor gehört zu meinen Favoriten. Diese Anwendung basiert auf einem Algorithmus, der die Berliner Verwaltung bei der Planung und Organisation von Wahlbezirken unterstützen kann. Da sich die Bevölkerungszahlen Berlins kontinuierlich ändern, müssen die Wahlbezirke vor jeder Wahl überprüft und angepasst werden. Für die zuständigen Verwaltungsmitarbeitenden ist die Neufestlegung der Wahlbezirke oft eine zeitaufwendige und mühsame Aufgabe. Da es in der Verwaltung bislang an digitalen Werkzeugen fehlte, wurden die Wahlbezirksgrenzen häufig manuell gezogen – entweder mithilfe eines geografischen Informationssystems oder sogar klassisch mit Stift und Papier. Der Wahlbezirke-Editor könnte die Arbeit der Verwaltungsmitarbeitenden entscheidend erleichtern, da die Einteilung der Wahlbezirke teilweise automatisiert wird. Außerdem wird der Prozess transparent gestaltet, sodass nachvollziehbar ist, wie und warum die Wahlbezirke auf eine bestimmte Weise zugeschnitten wurden.
Für die Berlinerinnen und Berliner gibt es zwei besonders beliebte Anwendungen: „Gieß den Kiez“ und den „Weihnachtsmärkte-Finder“. Mit der Gieß-den-Kiez-App können Bürgerinnen und Bürger die Patenschaft für einen Baum in ihrer Umgebung übernehmen und ihn regelmäßig gießen. Diese App hat eine beeindruckende Resonanz erfahren: Wir konnten inzwischen Datensätze aus den in der App hinterlegten Gießaktionen generieren und sehen, wo sich die Berlinerinnen und Berliner ehrenamtlich engagieren und welche Bäume besonders gepflegt werden. Das hilft uns, das Engagement in der Stadt besser zu verstehen und gezielt zu fördern.
In der Weihnachtszeit erfreut sich der Weihnachtsmärkte-Finder großer Beliebtheit. Diese interaktive Kartenanwendung ermöglicht es, die verschiedenen Weihnachtsmärkte in Berlin zu finden und Informationen zu jedem Markt abzurufen. Die Berlinerinnen und Berliner können so Weihnachtsmarktbesuche mit Familie und Freunden planen und teilen. Jeder Markt ist mit Details wie Öffnungszeiten und Programminformationen verlinkt, damit Besucher sich optimal vorbereiten können.
Das Land Berlin sieht Open Data als wichtigen Wirtschaftsfaktor. Können Sie konkrete Beispiele nennen, wo Berliner Unternehmen oder Start-ups bereits erfolgreich auf Open-Data-Basis neue Produkte entwickelt haben?
Özdemir: Zu Beginn der Open-Data-Berlin-Initiative hat sich das Land Berlin intensiv mit den ökonomischen Potenzialen von Open Data auseinandergesetzt. Deshalb wurden gezielt viele Datensätze veröffentlicht, die für die Wirtschaft einen echten Mehrwert schaffen können. Diese Daten, die häufig aus den Bereichen Stadtentwicklung, Mobilität, Verkehr und Umwelt stammen, werden auch regelmäßig von Unternehmen bei der zentralen Stelle für Open Data in der Senatskanzlei angefragt.
Unser Open-Data-Portal bietet Start-ups und Unternehmen eine breite Palette an Datensätzen, die für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen genutzt werden können. Besonders hervorzuheben sind einige Berliner Startups, die auf Basis dieser offenen Daten innovative Lösungen entwickelt haben, um den Alltag der Menschen zu erleichtern und zugleich wirtschaftliche Chancen zu nutzen.
Ein Beispiel sind Mobilitätsdienste wie Carsharing- oder Navigations-Apps, die häufig auf frei verfügbaren Verkehrsdaten basieren. So nutzt etwa das Start-up Jelbi offene Daten der Verkehrsinfrastruktur, um eine App zu bieten, die verschiedene Verkehrsmittel wie Bus, Bahn, E-Scooter und Carsharing integriert. Dadurch können Kunden alle verfügbaren Verkehrsmittel über eine einzige Plattform buchen und nahtlos kombinieren.
Ein weiteres Beispiel ist Green City Solutions mit ihrem „CityTree“ – einer Kombination aus Mooswänden und Technologie, die die Luftqualität in Städten verbessern soll. Dafür greift das Unternehmen auf offene Umweltdaten und Luftqualitätsmessungen zurück, um die effektivsten Standorte für die CityTrees zu ermitteln. Diese Verbindung von Open Data und nachhaltiger Technologie schafft eine innovative Lösung zur Bekämpfung der Luftverschmutzung in urbanen Gebieten.
Auch das Berliner Unternehmen Solarify nutzt offene Daten in besonderer Weise. Sie ermöglichen die Installation und den Betrieb von Solaranlagen auch auf kleinen Flächen. Mithilfe offener Geodaten und Wetterdaten ermittelt Solarify die idealen Standorte für Solaranlagen und maximiert so deren Effizienz.
Blicken wir in die Zukunft: Wo sehen Sie Berlin im Bereich Open Data im Jahr 2030? Welche langfristigen Entwicklungen wollen Sie mit der aktuellen Strategie anstoßen?
Özdemir: Bis 2030 sehe ich Berlin als eine datengetriebene Verwaltung mit Open Data. Um dies Realität werden zu lassen, müssen wir gezielt an bestimmten Aspekten arbeiten wie der Datenqualität und dem internen Datenmanagement mit einer Data Governance. Hier setzt auch unsere neue Open Data-Strategie an, die als Booster für die Verwaltungsmodernisierung die notwendigen Rahmenbedingungen für ein starkes internes Datenmanagement schafft.
Langfristig ist es unerlässlich, in der Verwaltung eine umfassende Data Governance zu etablieren, die sowohl Qualität und Konsistenz der Daten sicherstellt, als auch klare Richtlinien und Strukturen für den Umgang mit Daten schafft und dafür sorgt, dass diese vertrauenswürdig, einheitlich und sicher genutzt werden können. Das volle Potenzial unserer Daten können wir jedoch nur dann ausschöpfen, wenn wir ein klares Bild von unserer Datenlandschaft haben und wissen, wer die datenhaltenden Stellen sind. Mithilfe regelmäßiger Dateninventuren wollen wir uns genau diesen Überblick verschaffen.
Eine Datenlandkarte der Berliner Verwaltung ist ein langfristiges Ziel, das wir nur dann erreichen können, wenn alle Verwaltungseinheiten eine Bestandsaufnahme ihrer Daten durchführen und die Ergebnisse zentral zur Verfügung stellen. Diese Datenlandkarte bietet der gesamten Verwaltung einen Mehrwert. Eine solche Übersicht schafft Transparenz darüber, wer für welche Datensätze verantwortlich ist, und sorgt für strukturierte Prozesse und klare Zuständigkeiten. Jeder weiß dadurch, wo und wie Daten erfasst, verwaltet und genutzt werden können. Diese transparente Zuordnung erleichtert die Zusammenarbeit und fördert die Weiterentwicklung der Datennutzung innerhalb der Verwaltung – durch effizientere Arbeitsprozesse und stärkere Kollaborationen.