Betül Özdemir ist die Verantwortliche für Open Data in Berlin. Im Interview spricht sie über die Open-Data-Strategie der Berliner Verwaltung, die Bedeutung der Datenqualität und die Unterstützung der Behörden.
Betül Özdemir, Zentrale Verantwortliche für Open Data im Land Berlin.
Frau Özdemir, das Open-Data-Portal des Landes Berlin ist schon seit 2011 verfügbar. Die ursprüngliche Strategie basiert dabei auf der Arbeit des Fraunhofer FOKUS und wurde seitdem fortlaufend angepasst. Was sticht bei der neuen Open- Data-Strategie 2024 besonders hervor und warum war eine Neuauflage notwendig?
Özdemir: Ja, das ist richtig. Seit Januar 2012 verfolgt Berlin eine Open-Data-Strategie, die damals unter Federführung der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung gemeinsam mit Fraunhofer Fokus entwickelt wurde. Wichtig ist, dass die Ziele der Strategie 2012 ganz andere waren als heute, im Jahr 2024. Im Jahr 2012 standen wir noch am Anfang der Entwicklung von Open Data. Daher lag der Schwerpunkt der damaligen Strategie darauf, die Grundlagen für die Einführung von Open Data in der Verwaltung zu schaffen.
2011 ging das Open Data Portal erstmals online. Zu diesem Zeitpunkt gab es weder eine gesetzliche Verpflichtung noch organisatorische Rahmenbedingungen innerhalb der Berliner Verwaltung, welche die Veröffentlichung von Daten gefördert hätten. Die Veröffentlichung der Daten erfolgte auf freiwilliger Basis und es musste viel Überzeugungsarbeit in der Verwaltung geleistet werden, unterstützt durch Prototypen, den Mehrwert der Datennutzung zu verdeutlichten. Die Open-Data-Strategie von 2012 konzentrierte sich daher auf die „organisatorischen, rechtlichen und technischen Aspekte von Open Data in Berlin“. Da die Berliner Verwaltung noch ganz am Anfang der Open-Data-Initiative stand, wurden Handlungsempfehlungen entwickelt, wie ein Open-Data-Portal technisch aufgebaut sein muss, damit Daten möglichst „Open-by-default“ aus den Systemen heraus veröffentlicht werden können.
Auch die Notwendigkeit eines Gesetzes beziehungsweise der gesetzlichen Verankerung von Open Data im E-Government-Gesetz wurde erkannt. Open Data sollte auch in die Verwaltungsprozesse integriert werden. Dies betraf sowohl die personelle Verstärkung durch neue Stellen als auch die Anpassung von Verwaltungsprozessen und IKT-Systemen, die auf die Veröffentlichung von Daten ausgerichtet werden sollten.
In den vergangenen zehn Jahren hat die Open-Data-Initiative Berlin die damals formulierten organisatorischen, technischen und rechtlichen Handlungsempfehlungen umgesetzt: Zu den Höhepunkten zählt beispielsweise die Verabschiedung der Open-Data-Verordnung 2021, mit der die unmittelbare Landesverwaltung gesetzlich verpflichtet wurde, bestimmte Daten als Open Data zur Verfügung zu stellen. Auch die Benennung von Open-Data-Beauftragten in jeder Senatsverwaltung, jedem Bezirksamt und jeder nachgeordneten Behörde, die organisatorisch für die Umsetzung von Open Data verantwortlich sind, war ein wichtiger Schritt.
In den vergangenen zwölf Jahren haben wir sowohl die Handlungsempfehlungen der „alten Strategie“ erreicht als auch Open Data durch die Verankerung in §13 des E-Government-Gesetzes zu einer Maßnahme gemacht, die die Grundlagen der Verwaltungsdigitalisierung und konkret des strategischen Datenmanagements entwickelt hat. Mit der Verortung der Digitalisierung und damit auch Open Data in der Senatskanzlei wuchs der Anspruch an die Open-Data-Initiative, die Open-Data-Strategie als Teil der Digitalisierungsstrategie zu verstehen und die Handlungsfelder Data Governance, internes Datenmanagement und intelligente Datennutzung zu adressieren. Daher wurde eine Neuauflage der Strategie notwendig, die in einem partizipativen Beteiligungsprozess mit Akteuren aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet und am 7. November 2023 vom Senat beschlossen wurde.
Im Strategiepapier werden offene Daten als „Booster zur Verwaltungsdigitalisierung“ bezeichnet, von nicht weniger als einem „Verwaltungskulturwandel“ ist die Rede. Was bedeutet das konkret und wie wollen Sie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Behörden für Open Data begeistern?
Özdemir: Genau, die Open-Data-Strategie beginnt im ersten Kapitel mit der These „Mit Open Data als Booster zur Verwaltungsmodernisierung“. Damit setzen wir einen klaren Fokus auf die Nutzung von Open Data für die Verwaltung. In den vergangenen Jahren wurde die Verwaltung als Datennutzerin oft vernachlässigt, da Open Data meist nur als Wirtschaftsförderung für die Startup-Szene in Berlin betrachtet wurde. Verwaltungsbeschäftigte, die Daten im Rahmen ihres öffentlichen Auftrags erstellten, mussten diese der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. Startups, KMUs und Großunternehmen nutzten diese Daten für neue Geschäftsmodelle und Anwendungen, während die Verwaltung nur als Datenlieferantin fungierte.
Mit der neuen Open-Data-Strategie unter dem Motto „Open Data als Motor der Verwaltungsmodernisierung“ ändert sich das: In der Umsetzungsphase der Strategie überzeugen wir die Verwaltung, dass Open Data auch für verwaltungsinterne Datenanalysen und Berichte – zum Beispiel mit Dashboards – genutzt werden kann, so dass transparent wird, auf welcher Grundlage Entscheidungen getroffen werden und ob beispielsweise die klimapolitischen Ziele erreicht werden können.
Auch für die Entwicklung von KI brauchen wir in Zukunft große Datenmengen, um Algorithmen zu testen. Im Rahmen der Debatte um KI wird auch deutlich, dass wir Open Data in der Verwaltung brauchen, um transparent zu machen, wie bestimmte Entscheidungen von KI getroffen worden sind und mit welchen Daten diese KI trainiert wurde. Der „Schuleinzugsbereichsrechner“ ist ein Beispiel dafür, wie Open Data genutzt wurde, um Grundschuleinzugsbereiche automatisiert zu erstellen, aber auch um für die Öffentlichkeit transparent zu machen, wie die Entscheidung entstanden ist. Mit solchen Projekten können wir auch die Verwaltung von Open Data überzeugen, um sowohl aktiv Daten zu veröffentlichen und selber Daten in der Verwaltungsarbeit zu nutzen. Damit treibt Open Data auch den Kulturwandel in der Verwaltung voran – weg vom Aktengeheimnis und den Silos hin zu mehr Transparenz und Zusammenarbeit mit Daten.
Stand: 08.12.2025
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Die Integration von Open Data in bestehende Verwaltungsprozesse ist eine große Herausforderung. Welche konkreten Unterstützungsangebote plant die Senatskanzlei für die Behörden?
Özdemir: Ja, das ist und bleibt eine große Herausforderung – grundsätzlich in der Verwaltung, aber eben auch in Berlin. Deshalb haben wir in der Senatskanzlei die zentrale Stelle für Open Data eingerichtet, die ich als Landesbeauftragte für Open Data verantworte. In dieser Funktion bin ich landesweit für die Umsetzung der Open Data Verordnung und der Open-Data-Strategie verantwortlich.
Mittlerweile haben wir in jeder Behörde einen Open-Data-Beauftragten, der das Thema innerhalb der Verwaltung betreut und als Ansprechperson Auskunft darüber geben kann, welche Daten veröffentlicht werden. So haben wir über die Jahre ein Netzwerk von Akteuren im Bereich Open Data in den verschiedenen Berliner Verwaltungen aufgebaut. Diese fungieren als Berater innerhalb ihrer Behörden und teilen ihr Wissen.
Um die Open-Data-Beauftragten zu schulen, bieten wir jedes Jahr einen „Crashkurs Open Data“ an der Verwaltungsakademie Berlin an. Der Kurs vermittelt die gesetzlichen Grundlagen für Open Data sowie die praktische Umsetzung der Datenveröffentlichung auf dem Open-Data-Portal, einschließlich der Visualisierung und Nutzung der Daten.
Wir planen [...], vermehrt Prototypen für die Verwaltung zu entwickeln, um das Potenzial der Datennutzung zu zeigen.
Betül Özdemir
Neben der Open-Data-Verordnung, die klar vorschreibt, welche Informationen der Verwaltung in maschinenlesbaren Formaten und unter offenen Lizenzen veröffentlicht werden müssen, haben wir Leitfäden für fast jeden Abschnitt der Verordnung herausgebracht. Zum Beispiel gibt es eine Datenschutzcheckliste zu den Ausnahmetatbeständen. Zudem haben wir Leitfäden für die Durchführung von Dateninventuren entwickelt, um die Daten innerhalb der Behörden in einem Metadatenkatalog zu erfassen und den Dateninventurprozess Schritt für Schritt durchzuführen.
Über die Open-Data-Informationsstelle Berlin, die wir als Senatskanzlei fördern, bieten wir verschiedene Weiterbildungsformate an, darunter Videotutorials und Schulungen zur Datenvisualisierung mit Data Wrapper.
Für die Anbindung von IT-Systemen oder Fachverfahren an das Open-Data-Portal und für Linked-Open-Data-Projekte bieten wir über unseren Portalbetreiber BerlinOnline allen Verwaltungen eine Beratung an. Dies soll die Implementierung von Schnittstellen bei neuen und bestehenden Fachverfahren fördern, damit Daten automatisch aus den Systemen veröffentlicht werden und die aufwendige händische Veröffentlichung minimiert wird.
Wir planen auch, vermehrt Prototypen für die Verwaltung zu entwickeln, um das Potenzial der Datennutzung zu zeigen. Diese Prototypen sollen dann in den laufenden Betrieb der Verwaltung übernommen werden können.
In die Erarbeitung der neuen Open-Data-Strategie waren verschiedene Stakeholder eingebunden. Welche Rückmeldungen, Wünsche und Anforderungen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bevölkerung haben Sie besonders überrascht?
Özdemir: Mich hat in den Workshops überrascht, dass einige Stakeholder neben der externen Datenveröffentlichung auch Verbesserungen im internen Datenmanagement der Verwaltung gefordert haben. Insbesondere das Vorliegen von maschinenlesbaren Dokumenten wurde oft angesprochen.
Verwaltungen und landeseigene Betriebe berichteten häufig, dass der Informationsfluss stockt, wenn Personen auf Daten von anderen Stellen in Berlin angewiesen sind. Immer wieder zeigte sich, dass angefragte Daten nicht strukturiert und somit weder durchsuch- noch auffindbar vorlagen. Stattdessen wurden sie oft über Aktenvermerke oder in gedruckter Form bereitgestellt.
Für die entsprechend verantwortlichen Personen gibt es meist weder Anreize noch die notwendigen Werkzeuge, um die in einem Vermerk enthaltenen Faktendaten maschinenles- und durchsuchbar abzulegen. Es genügt die Ablage in einer Papierakte. Personen, die diese Informationen für ihre behördliche Arbeit benötigen, müssen diese Faktendaten deshalb händisch in den Akten suchen und übertragen. Daher haben wir in der Strategie Maßnahmen verankert, die sich sowohl organisatorisch als auch technisch den Herausforderungen des internen Datenmanagements widmen.