Zukunft der Öffentlichen Verwaltung Mit PPP, PCP und PPI auf zu neuen Horizonten

Ein Gastbeitrag von Laura Detels 6 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Stellen Sie sich vor, Sie betreten das Einwohnermeldeamt um die Ecke, Ihre allgemeine Ausweiskarte in der Hand – ihr aktuelles Anliegen, in Bearbeitung befindliche Anträge, aber auch Gesundheitsdaten und Fahrberechtigungen sind darauf gespeichert. Sie checken am Self-Check-in ein und innerhalb kürzester Zeit bekommen Sie Ihren neuen Reisepass ausgehändigt. Den Erhalt unterschreiben Sie natürlich nicht – ein Irisscan reicht vollkommen aus.

Es braucht Partnerschaften zwischen Verwaltungen, Konzernen und Start-ups, kleinen und mittelständischen Unternehmen(©  Natalya - stock.adobe.com)
Es braucht Partnerschaften zwischen Verwaltungen, Konzernen und Start-ups, kleinen und mittelständischen Unternehmen
(© Natalya - stock.adobe.com)

Klingt nach Deutschland 2080 und vollkommen utopisch? Ist aber schon heute Realität – zumindest in der Republik Ruanda. Warum aber nicht in Deutschland? Und was brauchen Verwaltungen, Konzerne und Start-ups, um dem Beispiel zu folgen und gemeinsam ­eine umfassende, inklusive, nutzendenzentrierte und nachhaltige Verwaltungsdigitalisierung zu schaffen?

Wir blicken in diesem Artikel aus unterschiedlichen Perspektiven auf den aktuellen Fortschritt der Verwaltungsdigitalisierung. Dabei werden wir auf die Notwendigkeit von Kooperationen und gemeinsamen Projekten stoßen und auf die Frage: Wie können wir diese vergaberechtskonform umsetzen?

Deutschland maximal im Mittelfeld

Mit Blick auf die Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes zeigt das Institut der Deutschen Wirtschaft, dass die Öffentliche Verwaltung in Deutschland bei der Bereitstellung digitaler Dienstleistungen im EU-weiten Vergleich auf Rang 18 von 27 Mitgliedsstaaten liegt. Und auch, wenn in den vergangenen Jahren an der Umsetzung und Bereitstellung von Onlinediensten ­gearbeitet wurde, in den Bundesländern wurden nur zwischen 40 und 60 Dienstleitungen flächendeckend zugänglich gemacht – von 575 vereinbarten.

Gleichzeitig sehen wir große Fortschritte und Ambitionen, unter ­anderem im Bereich Register­modernisierung, genauer: Datenbereitstellung und -nutzung. So betont die jüngste Weiterentwicklung der Nationalen Datenstrategie nicht nur die Wichtigkeit der Datenlabore auf Bundesebene, sondern auch die stetige Weiterentwicklung sektoraler Datenräume, zum Beispiel des Mobility Data Spaces oder des Datenraumes Kultur. Insbesondere die Interoperabilität zwischen offenen und in sich geschlossenen Datenräumen sowie Forschungsdatenplattformen und fachspezifischen Infrastrukturen in öffentlichen Verwaltungen soll weiterhin verbessert und die zentrale Bereitstellung von Daten vorangetrieben werden.

Mit Blick auf die Möglichkeiten zur Verwaltungsdigitalisierung durch Einbringung externer Innovationen und Lösungen zeigt eine Gartner-Studie aus dem Jahr 2022: Der durchschnittliche Beschaffungs­zyklus in der Öffentlichen Verwaltung liegt weltweit bei rund 22 Monaten – das ist nicht zuletzt für junge, innovative Unternehmen schlichtweg zu langwierig und hemmt die Implementierung digitaler Lösungen in der Verwaltung.

Digitalisierung auf allen Ebenen

Thomas Bönig, CIO und CDO der Landeshauptstadt Stuttgart, geht noch einen Schritt weiter: Er ist der Überzeugung, dass Verwaltungsdigitalisierung nur dann funktioniert, wenn Veränderungen nicht nur von außen in die Öffentliche Verwaltung eingebracht würden, sondern auch die Verwaltung selbst sich transformiert.

Das könne zum Beispiel heißen, dass nach dem privatwirtschaftlichen Vorbild die sogenannte New Work an Bedeutung gewinne, agile Arbeitsweisen implementiert, Hierarchien abgebaut und Anreize gesetzt würden. Oder, konkret gesprochen, sollten Laptops bereitgestellt werden, ein kontinuierliches Schulungsangebot um­gesetzt und Möglichkeiten zum ­Arbeiten im Homeoffice angeboten werden.

Zusätzlich habe man als mittelständisches Unternehmen kaum noch eine Chance, an den großen öffentlichen Ausschreibungen teilzunehmen, so Bönig. Die Marktpräsenz großer Unternehmen sei zu groß und würde kleine und mittelständische Unternehmen und mit ihnen innovative Lösungen verdrängen. Deshalb böten sich Partnerschaften und Angebote als Bietergemeinschaften an.

Digitalisierung von ­Menschen für Menschen

Insbesondere unter jungen Unternehmen, im Speziellen unter denen, die Technologien für Verwaltungen bereitstellen (GovTechs), hat sich die Meinung verfestigt, dass Verwaltungsdigitalisierung nur dann erfolgreich sein könne, wenn alle beteiligten Menschen mitgenommen würden. Nur so kann eine umfassende und inklusive Digitalisierung umgesetzt werden. Produkte und Lösungen zu implementieren, ohne sie gemeinsam zu erproben oder an Bedürfnisse anzupassen, kann nachhaltig und langfristig nicht funktionieren.

Auf der nächsten Seite: die Vorzüge von PPP, PCP und PPI.

(ID:49765143)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung in der Verwaltung

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung