eGovernment-Studie

Leuchtturmstrategien bewirken höhere Akzeptanz

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Der Föderalismus erschwert die Bündelungsansätze

Allerdings sind Shared-Service-Ansätze im deutschen Öffentlichen Sektor im Vergleich zu anderen Staaten noch eher selten. Sowohl bei der Breite des Einsatzes (der Nichterschließung ganzer Dimensionen von Verbesserungspotenzial) als auch in der Tiefe der Potenzialausschöpfung (der Nutzungsquote) liegt Deutschland im Vergleich zum Referenzland Großbritannien weit zurück.

Insoweit ist für die deutsche Verwaltung gleichsam eine „doppelte Nutzenlücke“ festzustellen. Ein wesentlicher Grund: Anders als im zentralstaatlich organisierten Großbritannien, wo mit einer umfassenden Strategie systematisch Shared-Service-Potenziale identifiziert wurden und in eine zentrale Umsetzungsstrategie einflossen, stoßen sie im deutschen föderalen Staats- und Behördenaufbau auf sehr enge Grenzen.

Denn während in einem zentralstaatlichen System prinzipiell eine wirtschaftlichen Konzernstrukturen ähnliche strategische Steuerbarkeit des gesamten Verwaltungsapparates möglich ist, erschwert die zum Teil konstitutionell begründete Verteilung von Zuständigkeiten in föderalen Strukturen prinzipiell institutionelle Bündelungen.

„Aus Sicht der IT-Organisation wäre es zum Beispiel die ideale Lösung, den Polizeiapparat und die Justizverwaltung zusammenzuschalten. Die Richter würden sich dagegen aber natürlich, und völlig zu Recht, verwahren“, sagt auch Hans-Dieter Wysuwa, Geschäftsführer Deutschland und Senior Vice President bei Fujitsu Siemens Computers. Als Vorstand des ISPRAT hatte er im vergangenen Jahr die Mentorschaft über das Forschungsprojekt übernommen.

Industrialisierungsansätze erweisen sich als durchaus ausbaubar

Er sieht in Shared Services dennoch eine „Zauberformel“, um bestimmte Services gemeinsam und auch über bestimmte Verwaltungsgrenzen hinweg zu betreiben. „Es gibt die Notwendigkeit, Verwaltungsprozesse schneller und transparenter zu machen. Eine Kommune etwa hat heute ungefähr 400 Anwendungen. Auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels kommt man zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass Verwaltungsverfahren einfacher und Verwaltungsprozesse zusammengelegt werden müssen“, sagt Hans-Dieter Wysuwa.

Das bestätigt die Studie: Auch unter den bundesrepublikanischen föderalen Rahmenbedingungen sind Bündelungs- und Industrialisierungsansätze durchaus ausbaubar. Und es gibt unterdessen einige Fallbeispiele, die Erfolgsfaktoren, Strategien und günstige Konstellationen aufzeigen. Aber anders als etwa in Großbritannien erscheinen in Deutschland zentralstaatliche Initiativen nur wenig Erfolg versprechend.

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