Moderne Mobilität Künstliche Intelligenz für mehr Lebensqualität

Das Gespräch führte Susanne Ehneß 3 min Lesedauer

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Das rheinland-pfälzische Landau ist Pilotregion für das KI-Projekt AIAMO. Oberbürgermeister Dominik Geißler erläutert die Hintergründe des Mobilitätsprojekts und die weiteren Digitalisierungsvorhaben seiner Stadt.

Oberbürgermeister Dr. Dominik Geißler.(Bild:  Rolf Epple)
Oberbürgermeister Dr. Dominik Geißler.
(Bild: Rolf Epple)

Landau hat das KI-Projekt „Artificial Intelligence And Mobility (AIAMO)“ gestartet. Worum geht es dabei genau?

Geißler: AIAMO ist für uns ein echtes Zukunftsprojekt: Die Partner des Forschungsprojekts erforschen gemeinsam mit uns in Landau und der Stadt Leipzig, wie künstliche Intelligenz das Mobilitätsmanagement verbessern kann. Wir fungieren dabei als „Living Lab“ – wir erproben die für unseren Bedarf entwickelten Lösungen in der Praxis.

Im Mittelpunkt steht eine umweltsensitive Verkehrssteuerung, die digitale Zwillinge für präzise Verkehrsvorhersagen, adaptive Ampelsteuerung für eine dynamische grüne Welle, Prognosen der Bahnschranken-Schließzeiten sowie Umweltmessungen umfasst. Ziel ist weniger Stau, geringere Belastung und mehr Lebensqualität – und im Ergebnis Lösungen, die auch anderen Städten zugutekommen können.

Wie gelingt es, (Mobilitäts-)­Daten aus verschiedenen Quellen zu integrieren und nutzbar zu machen?

Geißler: Dafür wird der AIAMOnexus genutzt, ein modulares System, das in einer Integrationszone Daten aus verschiedenen Bereichen wie zum Beispiel unseren lokalen Verkehrs- und Umweltsensoren, der Mobilithek und vielen weiteren Quellen standardisiert zusammenführt. Auf dieser Basis erzeugen KI-Modelle verlässliche Prognosen und schlagen effektive Steuerungsmaßnahmen vor. So entsteht die Basis für ein modernes, nachhaltiges und KI-gestütztes Mobilitätsmanagement in Landau.

Welchen Einfluss erhoffen Sie sich mittel- und langfristig auf die Verkehrssteuerung und die Lebensqualität?

Geißler: Mit AIAMO verbinden wir die klare Erwartung, den Verkehr in unserer Stadt spürbar zu verbessern. Wir rechnen mit einem flüssigeren Verkehrsablauf durch eine intelligente Grünphasenabstimmung an den Lichtsignalanlagen, welche Stop-and-go-Verkehre auf ein Minimum reduziert. Weiter ist auch mit kürzeren Wartezeiten an den Lichtsignalanlagen und damit auch einer geringeren Lärm- und Schadstoffbelastung zu rechnen. Gleichzeitig versprechen wir uns einen reduzierten Schadstoffausstoß, ein Gewinn sowohl für die Umwelt als auch für die Lebensqualität aller Bürgerinnen und Bürger.

Wie kam es dazu, dass Landau Pilotregion wurde?

Geißler: Der Betreiber unserer Lichtsignalanlagen ist Teil des AIAMO-Konsortiums und hat uns angesprochen, ob wir Interesse haben, Pilotregion zu werden. Da wir technischen Neuerungen stets offen gegenüberstehen und solche Projekte gerne aktiv unterstützen, haben wir diese Chance gerne ergriffen.

Sind Sie zu AIAMO, zu anderen Projekten oder auch zu strategischen Fragen im Austausch mit anderen Kommunen?

Geißler: Zum Projekt AIAMO selbst nicht, da hier ausschließlich Landau und Leipzig beteiligt sind. Bei anderen Verkehrsthemen sind wir jedoch in engem und regelmäßigem Austausch mit den zuständigen Fachstellen und Kommunen, unter anderem mit dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar. Dieser Austausch ist für uns sehr wertvoll, um Entwicklungen gemeinsam voranzubringen.

Wo sehen Sie aktuell und künftig sinnvolle Einsatzgebiete für künstliche Intelligenz in der Verwaltung?

Geißler: KI kann uns an vielen Stellen sinnvoll unterstützen. Ob in der Sachbearbeitung, bei Antragsverfahren oder bei der Lenkung von Besucherströmen in unseren Verwaltungsgebäuden – überall dort sehen wir Möglichkeiten, Prozesse effizienter und bürgerfreundlicher zu gestalten.

Wo steht Landau aktuell bei der OZG-Umsetzung und anderen Digitalisierungsbestrebungen?

Geißler: Wir nehmen an nahezu allen Roll-out-Verfahren des Landes im EfA-Prinzip teil, sobald diese gestartet werden. Zudem haben wir gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern die internen Verwaltungsabläufe erfasst und arbeiten daran, diese, wie im OZG vorgesehen, vollständig zu digitalisieren. Erste Erfolge sind bereits sichtbar, etwa beim digitalen Dienstreiseantrag oder der automatisierten Finanzadressengenerierung.

Wie erfassen Sie die Bedarfe der Bürger und Mitarbeiter hinsichtlich neuer oder moderner Verwaltungsservices?

Geißler: Eine strukturierte Bedarfserhebung findet derzeit nicht statt. Unser Ansatz ist jedoch klar: Wir möchten sämtliche Prozesse Ende-zu-Ende vollständig medienbruchfrei digitalisieren. Damit orientieren wir uns an den Vorgaben des OZG.

Gibt es Digitalprojekte, die Sie als Oberbürgermeister für 2026 priorisieren?

Geißler: Ja, mehrere. Wichtig ist uns vor allem die Fertigstellung und der Go-live des digitalen Bauantrags sowie der vollständigen Einführung von AIAMO. Darüber hinaus möchten wir KI gezielt einsetzen, etwa zur Besuchersteuerung in unseren Verwaltungsgebäuden oder zur Unterstützung der Sachbearbeitung. Weitere EfA-Verfahren folgen, sobald die jeweiligen Roll-outs starten.

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