Kommunaler Finanzreport 2025 Kommunen mit Rekord-Defizit

Von Susanne Ehneß 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Die deutschen Kommunen haben im vergangenen Jahr das größte Defizit in der Geschichte der Bundesrepublik eingefahren. Städtetagspräsident Burkhard Jung fordert grundlegende Reformen.

Die deutschen Kommunen haben ein enormes Finanzproblem.(Bild:  Marco2811 – stock.adobe.com)
Die deutschen Kommunen haben ein enormes Finanzproblem.
(Bild: Marco2811 – stock.adobe.com)

„Die Ergebnisse des Kommunalen Finanzreports 2025 bestätigen einmal mehr eine katastrophale kommunale Finanzlage“, sagt Burkhard Jung, Städtetagspräsident und Oberbürgermeister von Leipzig. Er bezieht sich auf die Ergebnisse der aktuellen Studienergebnisse der Bertelsmann Stiftung, die das größte Defizit in der Geschichte der Bundesrepublik belegen. Demnach verzeichneten die deutschen Kommunen im Jahr 2024 ein Minus von rund 25 Milliarden Euro.

Bildergalerie

Wie die Bertelsmann Stiftung erläutert, haben die Kommunen in den Jahren 2015 bis 2022 noch Überschüsse erzielt. Doch bereits ab 2020 hätten diese auf Sondereffekten wie Hilfsprogrammen von Bund und Ländern basiert. Im Jahr 2023 sei erstmals nach neun Jahren wieder ein Minus in den Kassenbüchern verzeichnet worden, das sich 2024 mehr als verdreifachte. Dieses Minus habe fast alle Bundesländer betroffen und fiel in den wirtschaftsstarken Regionen Bayern und Hessen besonders groß aus.

„Investitionen sind vielerorts bitternötig, aber die Gestaltungskraft der Städte schwindet, wenn nur noch über den Mangel entschieden werden kann. Das darf nicht so bleiben“, macht Burkhard Jung klar. Es brauche grundlegende Reformen gegen die strukturelle Unterfinanzierung und eine bessere Grundfinanzierung kommunaler Aufgaben. Jung: „Zum einen dürfen die Ausgaben nicht ungebremst weiter steigen, das gilt vor allem für die Sozialausgaben. Zum anderen brauchen die Kommunen auch einen größeren Anteil an den Gemeinschaftssteuern, vor allem der Umsatzsteuer.“

Die Menschen erleben den Staat ganz handfest vor Ort. Dort gehen ihre Kinder in die Kita oder zur Schule, sie wollen ihr Eigenheim ausbauen oder brauchen Unterstützung für ihren Verein, sie möchten ein gutes Kultur- und Sportangebot wahrnehmen und sich sicher fühlen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Dinge vor Ort funktionieren, dass die Leute sich darauf verlassen können.

Burkhard Jung

Für die kommenden Jahren zeichnet die Studie ein pessimistisches Bild: Die strukturellen Probleme zum Beispiel der Sozialausgaben seien ungelöst, die Inflation habe das Ausgabenniveau dauerhaft erhöht, die Konjunktur bleibe schwach.

„Wir brauchen eine Staatsreform“

„Das Defizit des Jahres 2024 markiert eine Zeitenwende, welche die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen nachhaltig infrage stellt“, betont Brigitte Mohn, Vorständin der Bertelsmann Stiftung. „Kommunen schultern über 50 Prozent der öffentlichen Investitionen und sind wichtig für den sozialen Zusammenhalt.“

Sie nimmt Bund und Länder in die Pflicht: „Wir brauchen eine Staatsreform, weil die Kommunen diese wichtigen Aufgaben sonst nicht mehr wahrnehmen können. Auch Bund und Länder müssen sich für eine dauerhafte Verbesserung der kommunalen Situation engagieren.“ Die Aufgaben für die Kommunen seien aufgrund der bundesgesetzlichen Regelungen zu aufwändig. „Es braucht die eindeutige Finanzierungsverantwortung beim Bund“, fordert Mohn.

(ID:50499966)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung in der Verwaltung

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung