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Der Wunsch nach einer Alternative zum Zertifikat
Doch Studenten arbeiten häufig von unterschiedlichen Computern aus. „Sitzt der Student beispielsweise im Internetcafé, will und soll er dort nicht das Zertifikat installieren. Also wollten wir eine Alternative zum Zertifikat anbieten. Da traf es sich, dass wir genau zu diesem Zeitpunkt vom Rechenzentrumsleiter der Uni Regensburg eingeladen wurden. Auch dort kämpfte man mit der Passwortproblematik und hat dann die Tipp-Biometrie entdeckt. Die wollte man uns vorführen. Und ich muss sagen: Das war einfach eindrucksvoll, und es passte ideal zu unserem Anliegen. So war die Entscheidung schnell getroffen“, sagt Peter Bauer.
Tipp-Biometrie: Was ist das?
Die Tipp-Biometrie beruht auf der Erkenntnis, dass das Tippverhalten jedes Menschen auf einer Tastatur so individuell ist wie seine Handschrift. Das bedeutet: Jeder Computernutzer wird an seinem einzigartigen Tippverhalten erkannt. Was unglaublich klingt, bewährt sich unter anderem an den Regensburger Hochschulen täglich tausendfach, wenn sich die Studenten im Rechenzentrum per Tipp-Probe „ausweisen“.
Prof. Dr. Dieter Bartmann, Erfinder der Authentifizierung Psylock erläutert: „Bei der Tipp-Analyse werden zahlreiche Merkmale wie Anschlagsdauer, Schreibrhythmus oder -geschwindigkeit ausgewertet. Dank einer hoch entwickelten, ausgeklügelten Technologie ist die zuverlässige Nutzererkennung sichergestellt und das Nachahmen eines fremden Tippverhaltens ausgeschlossen.“
So gewann das patentierte Verfahren 2008 unter anderem den Deutschen IT-Sicherheitspreis.
Die Implementierung
In Regensburg wurde die Applikation damals für das selbstständige Zurücksetzen des Passworts, das Psylock Password Reset, verwendet. Für die Bedürfnisse der Hochschule Landshut wurde Psylock Weblogin implementiert, dessen „Herzstück“ der Psylock Authentication Server darstellt, und eine entsprechende Schnittstelle programmiert. Dies erfolgte im März 2007 in nur sechs Wochen, laut Peter Bauer „erstaunlich schnell und gut“.
Seither kann sich jeder Studierende vor jeder Anmeldung im SB-Portal entscheiden, ob er sich per Tipp-Analyse oder Zertifikat anmeldet. Beide Systeme sind gleichberechtigt und jedes für sich als Ein-Faktor-Authentifizierung praktikabel. Dies war für die Landshuter ebenfalls wichtig, wie Peter Bauer betont:
„Würden wir mit Security Token arbeiten, müssten die Studenten diese bezahlen, und wir bräuchten an allen Hochschulrechnern Kartenlesegeräte. Abgesehen von dem drohenden häufigen Verlust oder Vergessen der Hardware. Das ist teuer und aufwendig, davon haben wir Abstand genommen. Umso besser gefällt uns Psylock. Denn dafür benötigt man ja nichts als die ohnehin vorhandene Tastatur. Die teure Anschaffung von zusätzlicher Hardware und die damit verbundene Abhängigkeit entfällt hier. Ein großer Pluspunkt.“
Im Wintersemester 2009/2010 stieg man auf Version 3.1 um. Seitdem läuft die Psylock-Technik auf nahezu allen Systemen, von Windows bis Linux, da sie nur noch aus einer Java-Applikation und einer Datenbank besteht. Weil sich zwischen den Versionen einiges getan hat, war die Umstellung größer als erwartet, doch der gesetzte Fixpunkt Semesteranfang wurde eingehalten.
„Wir sind jetzt auf dem aktuellsten Stand. Und die neue Version ist deutlich besser, man kommt mit dramatisch weniger Tipp-Proben aus“, erläutert Peter Bauer.
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