Wer KPIs definiert, braucht die passenden Daten sowie die passende Organisation, um diese zu sammeln und zu nutzen. Eine kluge Datenintegration ist einer der großen Effizienzbringer für das Reporting und die Nutzung von ESG-Daten zu anderen Zwecken, beispielsweise dem Arbeitgebermarketing. Die Herausforderung besteht darin, die Daten für sämtliche Nutzergruppen bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. Ein zentraler Data-Hub hilft bei dieser Aufgabe, beispielsweise der laufenden Aktualisierung. Die Datenerhebung erfolgt über standardisierte Fragebögen, die auch Regularien und Gesetzesvorgaben abdecken. An den Hub sind interne und externe Datenquellen angeschlossen, was in der Organisation und außerhalb Zusammenarbeit erfordert.
Der Hub-Ansatz schafft Transparenz bezüglich der Prozesse und Kosten und ermöglicht einen effizienten Datenaustausch. Die Daten ermöglichen die Messung und Steuerung von Nachhaltigkeitszielen anhand von KPIs. Als Single Source of Truth stellt der Hub sicher, dass die Entscheidungen aller Stakeholder auf den gleichen Daten basieren. Die Nutzenden haben zudem die volle Kontrolle und können selbst entscheiden, wer auf die Daten zugreifen darf.
Umweltmanagementsystem zur kontinuierlichen Verbesserung
Nachhaltigkeitsziele und eine effiziente wie wirksame Datenstrategie reichen allerdings noch nicht. Wer seine Organisation mit ESG-KPIs steuern möchte, benötigt passende Methoden und Prozesse. Für das Steuern ökologischer Ziele eignet sich ein Umweltmanagementsystem wie das Eco-Management and Audit Scheme (EMAS). Dieses Rahmenwerk hilft Behörden, intelligent mit Ressourcen umzugehen. Es wird beispielsweise sichergestellt, dass alle Aspekte vom Energieverbrauch bis zu Abfall und Emissionen rechtssicher umgesetzt werden.
Mithilfe von EMAS können Behörden zudem die Umweltleistung kontinuierlich und systematisch bewerten und verbessern. Öffentliche Verwaltungen, die sich nach EMAS zertifizieren lassen, veröffentlichen regelmäßig eine Umwelterklärung und machen so ihre Leistungen transparent. Die Qualitätskriterien werden von unabhängigen Gutachtern unter staatlicher Aufsicht vor Ort überprüft. Rund 60 Bundesbehörden und staatliche Einrichtungen nutzen das Umweltmanagementsystem bereits.
Nachhaltigkeit macht Behörden zu attraktiven Arbeitgebern
Der Aufbau einer Datenplattform sowie passender Prozesse, wie eines zertifizierten Umweltmanagementsystems, erfordert einiges an Veränderung in den Behörden. Der Aufwand rechnet sich in Form von Ressourcen- und Kosteneinsparungen, aber nicht nur.
Nachhaltigkeitsstrategien unterstützen Behörden beispielsweise im Wettbewerb um Fachkräfte. Wer Umweltmaßnahmen und soziale Initiativen transparent macht, verbessert seine Arbeitgebermarke und wird attraktiver für junge High Potentials. Viele Behörden sind sich der positiven Wirkung einer Good-Government-Strategie noch nicht bewusst. Weniger als die Hälfte der Behörden (46 Prozent) sind davon überzeugt, dass die Fokussierung auf ethische, soziale und ökologische Ziele die Mitarbeiterbindung erhöht. Nur für drei von zehn Behörden sind Bewerbende derzeit ein Treiber für mehr Nachhaltigkeit, ergibt der „Managementkompass Survey Good Company“.
In Zeiten, in denen Fachkräfte schwer zu finden sind und bis 2030 im öffentlichen Sektor geschätzt 1,8 Millionen Beschäftigte in Rente oder in Pension gehen, sollten Behörden hier umdenken. Sie sollten das Employer-Branding-Potenzial ausschöpfen, denn sichere Arbeitsbedingungen bieten andere auch. Viele Beschäftigte wünschen sich heute einen Arbeitgeber, der wertebasiert agiert und das auch transparent macht. Studien zeigen zudem, dass viele Beschäftige bei einem Jobwechsel auch ein geringeres Gehalt in Kauf nehmen würden, wenn sich der künftige Arbeitgeber für Werte im Kampf gegen Klimawandel einsetzt und ethische Aspekte im öffentlichen Beschaffungswesen berücksichtigt.
Fazit
Es gibt somit viele Motive, Nachhaltigkeit in all ihren Aspekten als strategisches Ziel in der Organisationsführung zu etablieren. Der Weg dorthin erfordert ein Umdenken auf den Leitungsebenen und eine Transformation auf der Ebene der IT, des Datenmanagements und der Prozesse. In vielen Behörden ist dieses Umdenken zu erkennen. Entscheiderinnen und Entscheider setzen sich mit ökologischen und sozialen Zielen als strategisches Asset auseinander.
Dieser Auseinandersetzung sollten nun systematische Maßnahmen folgen – in Form von methodischen Leitplanken, der Definition geeigneter Steuerungsgrößen sowie nötigen Investitionen in die passende IT-Unterstützung und ein konsistentes Datenmanagement.
Wenn Behörden ihre Nachhaltigkeitsinitiativen mit Hilfe dieser Werkzeuge stärken und für eine regelmäßige und transparente Kommunikation ihrer Leistungen nach außen sorgen, präsentieren sie sich als vertrauenswürdiger Partner und attraktiver Arbeitgeber. Sie sparen Ressourcen und Kosten und helfen ihren HR-Abteilungen, die ein Argument mehr zur Verfügung haben, um Bewerberinnen und Bewerber zu überzeugen und Mitarbeitende zu binden.
Stand: 08.12.2025
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André Barthel ist Associate Manager bei Sopra Steria Next.