Von der Vision zur Realität: Smart City Erfolgsfaktoren für gelungene Smart-City-Projekte

Ein Gastbeitrag von Rick Trojahn 5 min Lesedauer

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Deutsche Städte und Kommunen müssen smarter werden. Bürgerinnen und Bürger verlangen eine hohe Lebensqualität, Unternehmen sichere Perspektiven – doch an beidem krankt es vielerorts. Dabei bietet die digitale Transformation intelligente Lösungen für Probleme wie ineffiziente Verwaltungen. Doch was braucht es, damit Smart-City-Initiativen erfolgreich sind?

Der Weg zu einer Smart-City-Initiative führt über die richtige Methodik und die Erfolgsfaktoren Akzeptanz, Ökosystem und technologische Leitprinzipien.(© Hanoi Photography – stock.adobe.com)
Der Weg zu einer Smart-City-Initiative führt über die richtige Methodik und die Erfolgsfaktoren Akzeptanz, Ökosystem und technologische Leitprinzipien.
(© Hanoi Photography – stock.adobe.com)

Dass der Digitalisierungsdruck im öffentlichen Sektor vorhanden ist und erkannt wurde, belegen Zahlen: So gab es 2018 in Deutschland 23 Ausschreibungen für Smart-City-Projekte. Inzwischen werden bereits 73 Smart-City-Modellprojekte mit insgesamt 820 Mio. Euro von der Bundesregierung gefördert. Darunter sind Metropolen wie Leipzig oder Köln sowie mittelgroße Städte wie Bamberg oder Jena, aber auch Kleinstädte und Landgemeinden. Insgesamt ist ein starkes Wachstum des deutschen Smart-City-Marktes zu erwarten. Eine Studie des Internetverbands eco und des Beratungshauses Arthur D. Little kommt zu dem Ergebnis, dass sich das Umsatzvolumen von 38,5 Mrd. Euro im Jahr 2021 auf 84,7 Mrd. Euro im Jahr 2026 mehr als verdoppeln wird.

Der digitale Nachholbedarf wurde in den vergangenen Jahren durch die Covid-19-Pandemie überall offengelegt. Im Eiltempo wurden IT-Lösungen aufgebaut und Prozesse digitalisiert, für die dies zuvor undenkbar schien. Echte Smart Cities sind in Deutschland in dieser Zeit und danach wiederum kaum entstanden. Problematisch ist, dass statt ganzheitlicher Ansätze häufig punktuelle Maßnahmen umgesetzt werden. So kommentierte der Verband Bitkom bei der Präsentation des Smart City Index 2023, dass viele Städte nur in Einzelbereichen wie Verwaltung oder Energie und Umwelt ihre Stärken haben. Zudem gebe es in vielen deutschen Städten großartige Digitalprojekte, diese Einzelprojekte kämen jedoch nur schwer in die Fläche, so die Kritik.

Die richtige Methodik ebnet den Weg

Um die Potenziale einer Smart City umfassend greifbar zu machen, empfiehlt sich ein ganzheitlicher Angang. Dabei gilt es, die eigene Position zu bestimmen, strategische Ziele zu erarbeiten und Gestaltungsfelder zu definieren. Basierend auf erfolgreich durchgeführten Projekten hat der IT-Dienstleister adesso dazu das methodische Vorgehen in Form eines „Health Checks“ entwickelt. Dieses fokussiert sich auf die vier zentralen Dimensionen Organisation und Strukturen, Prozesse, Marketing und Außendarstellung sowie IT und Innovation.

  • Organisation & Strukturen: Hier geht es darum, wie eine Organisation aufgestellt ist und welche Strukturen vorhanden sind, um die digitale Transformation zu unterstützen. Es wird beispielsweise bewertet, ob die aktuellen Organisationsstrukturen die Agilität fördern oder hemmen und welche Verbesserungsmöglichkeiten bestehen.
  • Prozesse: Diese Dimension befasst sich mit den Abläufen und Arbeitsprozessen innerhalb einer Stadt oder Kommune. Dabei werden verschiedene Aspekte wie Prozessoptimierung, Bürgernähe, Gesetzesfolgenabschätzung und Medienbruchfreiheit analysiert. Der Health Check untersucht, ob die bestehenden Prozesse effizient sind und wo Optimierungspotenzial besteht.
  • Marketing & Außendarstellung: Hier geht es um die Selbstdarstellung der öffentlichen Verwaltung nach außen und innen. Es wird beleuchtet, wie die Verwaltung sich präsentiert, welche Marketingkanäle genutzt werden und wie sie als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wird. Dies umfasst die Kommunikation mit anderen Behörden, potenziellen Bewerbern sowie der Öffentlichkeit.
  • IT & Innovation: Diese Dimension betrachtet die IT-Infrastruktur und -Strategie sowie die Innovationsfähigkeit. Dabei werden Aspekte wie IT-Sicherheit, Datenschutz, Architektur, Software und Hardware berücksichtigt. Der Health Check identifiziert vorhandene Potenziale für Innovationen und ermittelt den aktuellen Stand der IT-Systeme.

Auf diese Weise folgen Städte und Kommunen einem strukturierten Vorgehen, das die verschiedenen Dimensionen systematisch analysiert. Die Ergebnisse helfen dabei, Schwachstellen aufzudecken, Chancen zu identifizieren und konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten. Durch die ganzheitliche Betrachtung aller Dimensionen unterstützt ein Health Check dabei, die digitale Transformation in einer Smart City oder Region strategisch zu gestalten.

Erfolgsfaktor Smart-City-Ökosystem

Mit den gewonnenen Erkenntnissen des Health Checks haben Städte und Kommunen ihre Ausgangslage definiert, die an jedem Standort individuell ist. Von diesem Punkt aus können die weiteren Schritte angegangen werden. Dabei werden bewährte Grundsätze zu Erfolgsfaktoren, einer davon lautet Vernetzung zum Ökosystem. So kann eine umfassende Digitalisierung nur erfolgreich sein, wenn sie gemeinsam und gleichberechtigt mit allen Stakeholdern erfolgt. Das verhindert, dass Vorhaben in ineffizienten und schnell veralteten Einzellösungen versanden.

Im Sinne eines funktionierenden Smart-City-Ökosystems müssen von Beginn an alle Partner involviert sein. Nicht selten liegt hier eine Herausforderung, die größer ist als die eigentliche Umsetzung von Projekten. Empfehlenswert ist daher die frühzeitige Bildung von Arbeitskreisen als Diskussionsforen zur Strukturierung, Priorisierung und Bearbeitung der Smart-City-Themen. Diese Vernetzung trägt dazu bei, dass Querverbindungen und die Entstehung eines Ökosystems mitgedacht werden, während die ersten konkreten, umsetzbaren Projekte entstehen. Welche das sind, sollte nach Dringlichkeit und Bedarf entschieden werden.

Eine Datenplattform als technologisches Herzstück

Aus technologischer Perspektive sollte die Vernetzung auf Basis einer Smart-City-Datenplattform geschehen. Angesichts des enormen Zuwachses an Daten und neuen Möglichkeiten zur Analyse finden Städte und Kommunen hier einen starken Hebel für die Smart City. Dabei ist es ratsam, klare Leitprinzipien festzulegen. Dazu zählen eine sichere Datenhaltung und -verarbeitung, Technologieoffenheit, Datenhoheit und standardisierte Schnittstellen für Partizipation und Kommunikation. Diese Vernetzung liefert den kommunalen Verantwortlichen nicht nur relevante Informationen, sondern ermöglicht es auch Prozesse für die Bevölkerung einfacher und komfortabler zu gestalten. Sichere digitale Identitäten können dazu dienen, den Zugriff und die Nutzung der Services aus diesem vernetzten Angebot zu ermöglichen.

Bürgerbeteiligung für notwendige Akzeptanz

Solche Erleichterungen für Bürgerinnen und Bürger sind sehr wichtig, denn ihre Akzeptanz ist wesentlicher Erfolgsfaktor jeder Smart City. Um das zu erreichen, müssen die Menschen aktiv mitgenommen werden, denn Digitalisierung darf nicht zum Selbstzweck geschehen. Das bedeutet, dass digitale und traditionelle Instrumente zur Partizipation zum Einsatz kommen sollten. Ein innovativer Ansatz wäre etwa, dass Bürgerthemen digital Bottom-Up, also von den Bürgerinnen und Bürgern, eingereicht werden können und nicht im Top-Down-Verfahren von der Stadt vorgegeben werden. Das erweitert nicht nur die Vielzahl von Ideen in Entscheidungsprozessen, sondern berücksichtigt unmittelbar die Bedürfnisse der Bevölkerung, da nur die Themen kommunal diskutiert werden, die die höchste Summe an „Likes“ oder „Upvotes“ erhalten haben. Dass so etwas funktionieren kann, zeigt die dänische Hauptstadt Kopenhagen, die auf eine hohe Beteiligung online registrierte Bürgerinnen und Bürger zurückgreifen kann.

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Aber auch aktive Schritte seitens der Kommunen fördern die Akzeptanz. Ist die eigene Informations- und Kommunikationsinfrastruktur erstmal gut aufgestellt, sollte die Verwaltung Überzeugung leisten. Beispiele dafür sind das schnelle Angebot neuer Verwaltungsleistungen für einzelne Zielgruppen, ein allgemein vereinfachter Zugang zur Verwaltung oder die Abbildung von Abstimmungen und Kommunikation in Echtzeit.

So wird die Smart City ein Erfolg

Die Entwicklung smarter Städte und Kommunen erfordert einen ganzheitlichen Ansatz und die Einbeziehung technologischer Leitprinzipien. Die Förderung von Smart-City-Projekten durch die Bundesregierung signalisiert das wachsende Interesse und den steigenden Bedarf. Erfolgreiche Initiativen setzen auf eine strukturierte Herangehensweise, die Schwachstellen identifiziert und Handlungsempfehlungen ableitet. Zudem ist die aktive Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern entscheidend, um Vertrauen zu schaffen und die Akzeptanz für digitale Innovationen zu fördern. Ein koordiniertes Vorgehen und die Schaffung eines integrierten Smart-City-Ökosystems sind grundlegend für die nachhaltige Entwicklung smarter Städte und Regionen.

Der Autor

Rick Trojahn, Senior Business Developer Public, adesso SE

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