Nachhaltigkeit in der Öffentlichen Verwaltung Gutes tun und damit Fachkräfte gewinnen

Ein Gastbeitrag von André Barthel 6 min Lesedauer

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Viele Behörden nehmen bei einer Neuausrichtung ihrer strategischen Agenda ökologische, soziale und unternehmensethische Ziele auf. Herausforderung bei der Umsetzung ist die Verknüpfung mit geeigneten Kennzahlen und einer transparenten Darstellung nach außen. Doch nur, wenn Verwaltungen ihre Nachhaltigkeitsstrategie gezielt stärken und authentisch präsentieren, können sie sich in Zeiten des Fachkräftemangels als attraktive Arbeitgeber positionieren.

Der Themenbereich Nachhaltigkeit gewinnt auch in den Öffentlichen Verwaltungen mehr und mehr an Bedeutung.(©  doidam10 - stock.adobe.com)
Der Themenbereich Nachhaltigkeit gewinnt auch in den Öffentlichen Verwaltungen mehr und mehr an Bedeutung.
(© doidam10 - stock.adobe.com)

Getrieben von gesetzlichen Vorgaben und gesellschaftlichen Erwartungen rückt Nachhaltigkeit in all ihren Ausprägungen auf der Agenda der öffentlichen Hand nach oben. Bis 2025 will die Mehrheit der Behörden ökologische, soziale und unternehmensethische Grundsätze strategisch verankern. Damit wollen sie ihre Rolle als Regulator gegenüber Wirtschaft und Gesellschaft wahrnehmen und gleichzeitig selbst nachhaltig handeln. Doch der Weg zu einer ganzheitlichen Ausrichtung auf eine nachhaltige Organisationsführung ist steinig und mühsam.

Im Unterschied zu Industrie und Finanzdienstleistern legten Behörden den Schwerpunkt bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen bislang auf die soziale Komponente, zeigt die aktuelle Studie „Managementkompass Survey Good Company“ von Sopra Steria. Das Erreichen ökologischer Ziele folgt auf dem zweiten Platz der strategischen Agenda, der ESG-Aspekt Governance gleich danach auf dem dritten.

Ziel sollte es sein, sämtliche Nachhaltigkeitsaspekte als Gesamtpaket zu betrachten, was bislang allerdings nicht gelang. Sechs von zehn der befragten Entscheiderinnen und Entscheider nennen Personallücken als Hindernis. Darüber hinaus mangelt es in der öffentlichen Verwaltung an der nötigen digitalen Reife, um Maßnahmen zu überwachen und zu steuern.

Nachholbedarf der Behörden bei der Messung von ESG-Maßnahmen

Eine in die Gesamtstrategie integrierte ESG-Strategie ist der Startpunkt, die Hindernisse zu beseitigen. Darauf aufbauend, sollten sich Behörden im nächsten Schritt auf IT-Struktur, Daten und Softwareanwendungen konzentrieren. Ziel ist es, ESG-Daten effizient zu verwalten, Prozesse zu automatisieren und die Transparenz bezüglich der Nachhaltigkeitsziele zu verbessern. In vielen Fällen müssen jedoch erst bestehende Silos für die Sammlung relevanter ESG-Daten aufgebrochen werden, damit unterschiedliche Abteilungen auf den Datenschatz zugreifen und ihre Entscheidungen auf Grundlage derselben Informationen treffen können.

Gleichzeitig ist die organisationsübergreifende Steuerung der Nachhaltigkeitsziele von großer Bedeutung. Es gibt zwar Behörden, die über die gesetzlichen Mindeststandards bereits hinausgehen und sich viele weitere Ziele setzen:

  • Sie sorgen für eine effiziente Ressourcennutzung und den Einsatz nachhaltiger Materialien.
  • Sie achten auf ergonomische und sichere Arbeitsplätze. Sie fördern soziale Projekte finanziell.
  • Sie setzen auf eine ehrliche und transparente Kommunikation nach innen und außen. Sie sorgen dafür, dass Handlungsrichtlinien schriftlich festgehalten werden.

Sobald es allerdings darum geht, den Erfolg der Maßnahmen zu messen, sind auch bei ihnen Defizite erkennbar. Die Studie „Managementkompass Survey Good Company“ zeigt, dass bislang nur etwa jede fünfte Behörde, die über gesetzliche Mindeststandards hinausgeht, das Erreichen auch mittels definierter ökologischer Kennzahlen (KPIs) gemessen hat. Soziale KPIs nutzen 18 Prozent, Governance-Kennzahlen nur vier Prozent, so die Studie.

Ohne die Verknüpfung ihrer Ziele mit geeigneten Kennzahlen sind die Behörden jedoch nicht in der Lage, ihre Nachhaltigkeitsinitiativen zu steuern. Sie können weder die Effektivität und die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen sicherstellen noch eine kontinuierliche Verbesserung erzielen. So, wie es ein Controlling braucht, um die zahlreichen regulatorischen Anforderungen zu erfüllen, braucht es Steuerungsgrößen und Prozesse für sämtliche Maßnahmen zur Umsetzung der ESG-Strategie. Sie sorgen für die nötige Transparenz gegenüber Bürgerinnen und Bürgern sowie (potenziellen) Mitarbeitenden – ein zentraler strategischer Erfolgsfaktor.

Auf der nächsten Seite: Wie KPIs in der Öffentlichen Verwaltung nutzbar gemacht werden.

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