Digitale Souveränität Fast nur US-Browser in deutschen Ministerien

Von Susanne Ehneß 1 min Lesedauer

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Der Staat als Ankerkunde – frommer Wunsch oder realistisches Ziel? Eine Studie zeigt: Aktuell setzen deutsche Ministerien fast ausschließlich auf Suchmaschinen und Browser aus den USA.

Strukturelle Passivität? Die deutschen Ministerien bevorzugen US-amerikanische Browser und Suchmaschinen. (Bild:  KI-generiert)
Strukturelle Passivität? Die deutschen Ministerien bevorzugen US-amerikanische Browser und Suchmaschinen.
(Bild: KI-generiert)

Eine Befragung des Unternehmens Ecosia unter 147 Ministerien zeigt: Die Bundesverwaltung setzt nach wie vor nahezu vollständig auf Suchmaschinen und Browser von US-Technologiekonzernen.

Von den befragten 147 Ministerien antworteten zwei Drittel, das letzte Drittel verweigerte aus „Sicherheitsbedenken“ die Auskunft. Die zentralen Ergebnisse laut Ecosia:

  • Praktisch alle Ministerien nutzen ausschließlich US-Browser. Kein Ministerium stellte seinen Mitarbeitenden einen souveränen, europäischen Browser zur Verfügung, auch nicht als Alternative.
  • 75 Prozent übernehmen bei der Suchmaschine die Werkseinstellung des Browsers – ohne eigene strategische Entscheidung.
  • 9 Prozent wählen aktiv, entscheiden sich jedoch erneut für einen US-Anbieter.
  • 16 Prozent setzen eine europäische Suchmaschine ein.

„Die Antworten der Ministerien sind sehr aufschlussreich: Sie reichen von völligem Unverständnis der Zusammenhänge bis hin zu einem differenzierten und angemessenen Umgang“, kommentiert Ecosias CEO Christian Kroll die Ergebnisse. „Leider überwiegt jedoch ein eher passiver Umgang mit dem Thema.“

Dabei sei gerade die Suchmaschine der niedrigschwelligste Einstieg in digitale Souveränität: kostenlos, innerhalb weniger Minuten zentral umstellbar, ohne Migration oder Schulungsaufwand. „Jede dienstliche Suchanfrage ist auch eine Investition – entweder in europäische Infrastruktur oder in die Festigung bestehender Abhängigkeiten“, erklärt Kroll, dessen Unternehmen selbst europäischer Suchmaschinenanbieter ist. „Wer nichts ändert, entscheidet sich aktiv für den Status quo.“ Er betont aber auch: „Sich von amerikanischen Tech-Konzernen zu lösen, ist eine enorme – und teilweise unmögliche – Aufgabe. Aber wir müssen zumindest beginnen, es zu versuchen.“

Dass es geht, zeige der Blick in die Bundesländer: Niedersachsen und Brandenburg hätten vollständig auf europäische Suchmaschinen umgestellt; in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin wagten mehrere Ministerien diesen Schritt. „Diese Beispiele zeigen: Es fehlt nicht an Alternativen“, erläutert Kroll. „Es fehlt an Ambition. Der Staat soll Ankerkunde europäischer Infrastruktur sein – nicht ihr Zaungast.“

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