Digitalgipfel 2025 Schnell handeln, souverän agieren

Von Susanne Ehneß 3 min Lesedauer

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Digitale Souveränität ist ein Thema, das branchenübergreifend diskutiert wird. Es herrscht weitgehend Konsens darüber, wohin der Weg führen sollte. Der Staat kann dabei auf verschiedene Weise unterstützen.

Amandine Le Pape, Mitbegründerin von Matrix und Mitglied der European Open Source Academy.(Bild:  Element)
Amandine Le Pape, Mitbegründerin von Matrix und Mitglied der European Open Source Academy.
(Bild: Element)

Der Digitalgipfel 2025 stand unter dem Zeichen digitaler Souveränität. Auf Einladung des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) kamen europäische Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft nach Berlin, um über ein souveränes, innovationsfreundliches Europa zu diskutieren und Lösungsansätze zu entwickeln. Nicht weniger als die strategische Ausrichtung Europas in puncto Technologie und Digitalisierung stand auf der Agenda.

Gipfel zur europäischen digitalen Souveränität 2025
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Der kollaborative Aspekt war dabei klar im Fokus. „Wir werden die digitale Zukunft Europas gemeinsam gestalten“, sagte Digitalminister Dr. Karsten Wildberger. Dass sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron auf dem Gipfel austauschten, wertete Wildberger als klares Zeichen für eine strategische Priorität von Souveränität und künstlicher Intelligenz. Zu lange sei Europa ausschließlich Kunde gewesen, nun müsse es wieder auf die kreative Seite wechseln. Deutschland und Europa wollen Technik und Geschäftsmodelle selbst entwickeln und aktiv am Wachstum teilnehmen. Zudem sei es immer gut, so Wildberger, Wahlmöglichkeiten zu haben, um Abhängigkeiten auszuschließen. Roland Lescure, französischer Minister für Wirtschaft und Finanzen, betonte in diesem Zusammenhang die Marktmacht des Staates – Stichwort Beschaffung.

Staat als Vorbild

Lescure sprach damit einen Aspekt an, der von vielen Marktteilnehmern gefordert wird. Der Staat soll Vorbild sein, ein Ankerkunde, und mit Leuchtturmprojekten vorangehen. Bundeskanzler Friedrich Merz kündigte in seiner Rede auf dem Gipfel an, dass die Bundesverwaltung verstärkt auf digitale Produkte und Dienstleistungen aus Europa setzen werde. Beispiele gibt es bereits: Der Internationale Strafgerichtshof wird offenbar Microsoft durch die deutsche Lösung openDesk ersetzen, Schleswig-Holstein migriert seine Arbeitsplätze in der Verwaltung auf Open-Source-Produkte, und Frankreich hat eine eigene Infrastruktur-Strategie, in der systematisch quelloffene Software ­gefördert wird.

Der Wechsel hin zu alternativen Angeboten ist selbstredend nicht immer einfach. „Die Abhängigkeiten haben sich über Jahrzehnte aufgebaut“, sagte Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), kürzlich. Zudem seien die Alternativen in Bezug auf Preis und Performance nicht immer konkurrenzfähig.

Konkurrenzfähiger werden

Um die Wettbewerbsfähigkeit auszubauen, wurde auf dem Digitalgipfel das Thema Regulierung angemahnt. Der „Digitale Omnibus“ soll es richten: Bürokratische Pflichten für Unternehmen sollen reduziert, Projekte dadurch beschleunigt werden. Wildberger betonte, dass Datenschutz oder Grundrechte nicht zur Debatte stünden, vielmehr gehe es um Innovationsförderung: erst Produkte bauen, danach regulieren. „Wir müssen aufholen, aber der Zug ist nicht abgefahren“, sagte er.

„Digitale Souveränität, also Kontroll-, Gestaltungs- und Wechselfähigkeit bei digitalen Systemen sind ohne Open-Source-Software nicht erreichbar“, machte Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der Open Source Business Alliance, klar. Das gesamte europäische Open-Source-Ökosystem stünde „bereit, um zu liefern“.

Offene Standards

Auch Amandine Le Pape, COO bei Element und Mitglied der European Open Source Academy, betont die Zeitkomponente; Europa müsse aufgrund der sich rasch verändernden geopolitischen Lage „so schnell wie möglich digitale Souveränität erlangen“. Digitale Souveränität bedeute Kontrolle und Wahlfreiheit – statt an US-Anbieter gebunden zu sein, „selbst wenn sich diese zufällig in einem europäischen Land befinden“. „Die Kommunikation zwischen mehreren Regierungen ist einer der wichtigsten Bereiche, die es anzugehen gilt“, meint Le Pape, die den offenen Matrix-Standard mitgegründet hat.

Für Wildberger geht vom Gipfel ein „starkes Signal“ aus. Es brauche mutige Entscheidungen auf EU-Ebene – „mutige Reformen bei den Gesetzen zu Digitalisierung und künstlicher Intelligenz, den entschlossenen Abbau von Bürokratie und deutlich mehr Raum für Innovation“. Ein großer Schritt ist getan: Alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben die gemeinsame „Charta für Digitale Souveränität und Resilienz“ unterzeichnet.

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