Whitepaper zu Strategie und Leadership Fachkräftemangel: aus der Not eine Tugend machen

Von Nicola Hauptmann 5 min Lesedauer

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Der vielzitierte Fachkräftemangel in der öffentlichen Verwaltung – in einem neuen Whitepaper der Strategieberatung Oliver Wyman wird er aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Nicht als Bedrohung, sondern als Chance zum Wandel.

Sinnstiftende Tätigkeit, gleichzeitig Sicherheit und Berechenbarkeit: Die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung trifft in vielen Punkten die Erwartungen gerade der jungen Generation. (©  Prostock-studio – stock.adobe.com)
Sinnstiftende Tätigkeit, gleichzeitig Sicherheit und Berechenbarkeit: Die Arbeit in der öffentlichen Verwaltung trifft in vielen Punkten die Erwartungen gerade der jungen Generation.
(© Prostock-studio – stock.adobe.com)

„Die öffentliche Verwaltung muss einfacher, risikofreudiger, agiler und kollaborativer werden“, sie müsse den gesellschaftlichen Wandel hin zu daten- und technologiegetriebenen Organisationen mitvollziehen, schreiben die Autoren eines aktuellen Whitepapers der Strategieberatung Oliver Wyman. Schließlich komme den Verwaltungen eine Schlüsselrolle zu, wenn es darum geht, Herausforderungen wie etwa den Klimawandel zu meistern.

Für ihre Studie haben die Autoren Dominik Weh, Tim Arnold de Almeida und Robert Kayser Führungskräfte der Bundesverwaltung befragt und Tiefeninterviews ausgewertet. Während die Befragten ihre Fähigkeit, auf künftige Herausforderungen zu reagieren, derzeit als eher unzureichend einschätzen, setzen die Autoren Hoffnungen ausgerechnet in die größte Bedrohung: den Fachkräftemangel. Die bevorstehende Pensionierungswelle könne die nötigen Veränderungen erzwingen, so das Kalkül. Wie diese Chance genutzt werden kann, wird in dem Papier durch Anregungen und Empfehlungen aufgeführt.

Zunächst aber werden in einer Bestandsaufnahme die zwei Seiten der Medaille respektive der Verwaltungen betrachtet: als Arbeitgeber beliebt, als Dienstleister in der Kritik. Die Studie bezieht sich bei dieser Bewertung auf eine Umfrage des Deutschen Beamtenbundes aus dem Jahr 2023, laut der 45 Prozent der Befragten eine Verschlechterung der Leistungen des öffentlichen Dienstes sehen (im Vergleich zu 39 Prozent im Jahr 2019). Gleichzeitig entspricht aber die Arbeit in den Verwaltungen in puncto Sinnhaftigkeit, Sicherheit und Berechenbarkeit den Anforderungen gerade der jüngeren Generation. Die Autoren bescheinigen der öffentlichen Verwaltung eine „unschlagbare Arbeitgeber-Attraktivität“. Allerdings, das wird in der Studie nicht explizit erwähnt, dürfte für Mitarbeitende, die in ihrer Arbeit Sinn suchen, Zufriedenheit auch davon abhängen, ob und wie sie die angestrebten Leistungen für die Bürger erbringen.

Den größten Aufholbedarf sehen die befragten 62 Führungskräfte beim Fachkräftemangel bzw. -verlust und bei der Digitalisierung (67 beziehungsweise 64 Prozent). Es folgen die Themen Föderalismus/Vernetzung der Behörden und veränderte Anforderungen/komplexere Aufgaben. Kostendruck spielt dagegen nur für rund 40 Prozent eine Rolle.

Schlüsselfaktoren: ­Strategie und Führung

Die Autoren fokussieren sich in ihrer Analyse auf den Fachkräftemangel und auf die Frage, was es braucht, um junge Talente zu gewinnen, die die Veränderung in den Verwaltungen vorantreiben. Ihre Antwort: Strategie und ein neues Führungsverständnis. Ohne übergreifende Strategie, ohne den Bezug zu Kundenorientierung und dem Selbstverständnis einer Behörde des 21. Jahrhunderts bleibe Digitalisierung eine Anhäufung von Einzelprojekten. Führungskräfte der Verwaltung seien aber zu wenig dafür sensibilisiert, „welche Auswirkungen übergreifende Strategien und Konzepte auf die tägliche Arbeit haben“, ihnen fehlten Ansatzpunkte, um Strategien auf das Tagesgeschäft herunterzubrechen. Mangelnde Veränderungsbereitschaft und defensives Denken werden als weiteres Hindernis genannt.

Folgerichtig wird die Arbeit an der Grundeinstellung als wichtigste Führungsaufgabe genannt, das Fördern von Neugier und Veränderungsbereitschaft, einer offenen Feedbackkultur sowie der Abbau der Ängste vor Misserfolgen und defensivem Verhalten. Die dafür nötigen Kompetenzen der Führungskräfte zur Förderung von Talenten und der Entwicklung einer Teamkultur sind aber laut den Befragungen noch wenig ausgeprägt. „Führungskräfte, die neues Denken fördern und dazu ermutigen wollen, benötigen natürlich selbst die geforderte Grundeinstellung, um geschlossen vorangehen zu können“, konstatieren die Autoren – und sehen genau darin eine der Hauptherausforderungen für das deutsche Verwaltungswesen. Dieses wird als ein weitgehend geschlossenes System mit eigenen Akademien und Schulungszentren beschrieben wird. Es falle vielen Führungskräften schwer, sich Kenntnisse wie unternehmerisches Denken, agiles Führen oder tiefes Daten- und Datensicherheitsverständnis anzueignen. Projekte wie zum Beispiel der eGov-Campus werden dabei nicht erwähnt. Führungskräfte berichteten zudem, dass bei einer Beförderung vor allem bisherige Arbeitsergebnisse zählten, Führungskompetenz sei ihrem Eindruck nach nur ein schwacher Faktor.

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