Change in der Führung Führungskräfte als Community-Manager

Ein Gastbeitrag von Felix Appel 3 min Lesedauer

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Gute Führungskräfte im öffentlichen Dienst und der Wirtschaft übernehmen längst mehr als klassische Leitungsaufgaben, schlechte nicht. Wer heute wirksam führen will, muss Communitys gestalten – intern, extern und übergreifend.

Moderieren statt dominieren: Führungskräfte sollten interne und externe Netzwerke unterstützen.(Bild:  fizkes – stock.adobe.com)
Moderieren statt dominieren: Führungskräfte sollten interne und externe Netzwerke unterstützen.
(Bild: fizkes – stock.adobe.com)

Die gute Nachricht: Du musst kein Community-Manager sein. Die schlechte: Du bist es längst – also fang an, es gut zu machen.

Führungskräfte tun gut daran, diese Realität anzuerkennen. Denn moderne Führung bedeutet nicht mehr nur entscheiden, steuern und kontrollieren. Wer heute Verantwortung trägt, wird automatisch auch zum Community-Manager: als Brückenbauer, als Kulturstifter, als Möglichmacher.

Warum? Weil wir längst nicht mehr in klar abgegrenzten Hierarchien arbeiten, sondern in dynamischen Netzwerken, Projektstrukturen und offenen Systemen. Weil es nicht reicht, auf Anweisungen zu setzen, wenn man Menschen gewinnen will. Und weil Zusammenhalt, Innovation und Resilienz nicht per Dienstanweisung entstehen – sondern durch Verbindung.

Schauen wir uns das auf drei Ebenen an:

1. Intern – das eigene Team, die Organisation, die Verwaltung

Führung beginnt im Inneren: bei der eigenen Organisation, beim eigenen Team. Wer intern keine Community aufbaut, wird auch nach außen keine Wirkung entfalten. Führungskräfte sind heute mehr denn je gefordert, verbindende Strukturen zu schaffen – nicht durch Kontrolle, sondern durch Ermöglichung. Das beginnt bei offenen Austauschformaten wie „Open Fridays“ oder bereichsübergreifenden Impulsrunden, in denen Mitarbeitende freiwillig ihre Ideen einbringen. Solche Formate fördern Vertrauen, Dialog und Vernetzung – und stärken ganz nebenbei die Innovationskraft.
Hinzu kommt der Aufbau von Peer-Learning-Strukturen: Mentoring-Programme, Wissens-Tandems oder kleine Lerngruppen aktivieren internes Know-how und helfen, Erfahrungswissen weiterzugeben. Führung heißt in diesem Kontext nicht, alles selbst zu wissen – sondern Wissen zu kuratieren.
Und schließlich braucht es Führungskräfte, die Veränderungen nicht nur verordnen, sondern moderieren. Wer als Führungskraft zuhört, Orientierung bietet und aktiv einbindet, schafft Akzeptanz – und bringt sein Team sicher durch den Wandel. Die Rolle verändert sich: vom Vorgesetzten zum Möglichmacher, vom Entscheider zum Kulturträger.

2. Extern – Bürger, Partner, Stakeholder

Moderne Führung endet nicht am Ausgang des Rathauses oder am Tor des Unternehmens. Sie wirkt nach außen – zu Bürgern, Partnern und Stakeholdern. Gerade im öffentlichen Dienst wird deutlich, wie wichtig diese Außenbeziehungen sind. Beteiligung ist kein Selbstzweck, sondern Führungsaufgabe. Digitale Ideenplattformen, Bürgerdialoge oder hybride Veranstaltungsformate eröffnen neue Räume für Mitgestaltung – und fördern das Vertrauen in Verwaltung und Institutionen. Gleichzeitig verlangt der Umgang mit externen Partnern – von politischen Gremien bis hin zur Zivilgesellschaft – eine hohe Kommunikationsfähigkeit. Wer moderieren kann, statt zu dominieren, verbindet Interessen und schafft tragfähige Lösungen.
Das gilt auch für den öffentlichen Auftritt: Führungskräfte, die sichtbar und ansprechbar sind – sei es über Linkedin, lokale Medien oder eigene Formate –, bauen Nähe auf. Und sie setzen Signale: Hier wird geführt – offen, verbindlich, authentisch. Wer diesen Raum nicht aktiv gestaltet, überlässt ihn anderen. Community-Management nach außen bedeutet, die eigene Organisation in den Dialog zu bringen – und Führung als Brücke zu verstehen.

3. Netzwerke – interkommunal, strategisch, übergreifend

Die dritte Ebene ist oft die unsichtbarste – und doch eine der wirksamsten: strategische Netzwerke. In einer zunehmend komplexen Welt entscheidet nicht die Größe einer Organisation über ihren Erfolg, sondern ihre Fähigkeit, sich zu vernetzen. Führungskräfte, die interkommunale oder organisationsübergreifende Netzwerke aktiv gestalten, schaffen Plattformen für kollektive Intelligenz. Wer sich hier einbringt, setzt nicht nur Impulse, sondern wirkt systemisch. Denn über Netzwerke verbreiten sich Ideen, Innovationen und Lösungen schneller und nachhaltiger. Führungskräfte werden dabei zu Moderatoren, die den Rahmen halten, Verbindungen schaffen und den Austausch am Laufen halten. Kurz: Wer Netzwerke pflegt, gestaltet Zukunft. Und auch im Falle des Berufswechsels gilt, der Arbeitsplatz bleibt zurück, das Netzwerk geht mit.

Führen heißt: verbinden

Führung ist nicht mehr nur das, was in Organigrammen steht. Sondern das, was zwischen Menschen entsteht. Wer sich selbst als Community-Manager versteht, führt wirksamer – ob im kleinen Team oder auf der großen Bühne. Es braucht mehr davon. Und es beginnt bei dir.

Wer keine Community führt, überlässt das Feld denen, die es tun – ob intern oder extern. Das war noch nie eine gute Idee. Wer das nicht will, kann natürlich weiter „führen wie früher“. Nur darf er sich nicht wundern, wenn ihm irgendwann niemand mehr folgt. Also, wozu entscheiden Sie sich?

Der Autor

Felix Appel ist Überzeugungstäter im öffentlichen Dienst. Nach über 17 Jahren in Verwaltung, Führung und Aufbauarbeit gründete er 2024 franconia one, um Verwaltung neu zu denken – menschlicher, vernetzter, digitaler. Sein Schwerpunkt liegt auf Community Building und Community Management als strategischen Hebeln für eine zukunftsfähige Verwaltung.

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