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Blick in die Zukunft
Im Jahr 2011 zählte der EU-Rat etwa 700 Millionen Grenzüberschritte und prognostizierte einen Anstieg um 80 Prozent bis 2030. Flughäfen und Flugzeuge, wie beispielsweise der Airbus A380, werden deshalb immer größer. Um die Wartezeiten bei Grenzkontrollen in einem akzeptablen Rahmen zu halten, startete die EU-Kommission das Programm „Smart Border Package“ (SBP). Einer von drei Schwerpunkten des SBP ist die Beschleunigung der Grenzkontrolle für den Reisenden. Zwei EU-Agenturen untersuchen dazu „Best Practice“-Ansätze bei eGates. Zwei öffentliche Förderprojekte wurden von der EU-Kommission gestartet, „FASTPASS“ 2013 und „ABC4EU“ 2014. Das NewP@ss-Konsortium steht im Dialog mit diesen beiden Förderprojekten.
Seit 2010 laufen in einem Expertenkreis (ICAO NTWG TF5) weltweite Standardisierungsarbeiten, um neben dem Inhalt der Datenseite auch den „Rest“ des Passes zu digitalisieren und elektronisch zu speichern. Damit sind die Visa-Seiten des Passbuchs und deren Inhalte gemeint. Dort befinden sich Einreisevisa und Ein- sowie Ausreisestempel.
Das erfordert auch neue Ansätze bei den winzigen Sicherheitschips: Sie benötigen eine deutlich höhere Speicherkapazität. Auch die Übertragungsgeschwindigkeit der Daten muss gegenüber heutigen Standards deutlich verbessert werden, um trotz größerer Datenmengen die Grenzkontrollen so schnell wie möglich abwickeln zu können.
Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Nutzung von Mobilgeräten wie Tablets und Smartphones als Lesegeräte für elektronische Reisepässe. So könnten beispielsweise im Zug, der eine Landesgrenze passiert, Grenzbeamte künftig mittels eines mobilen Lesegeräts den Pass eines Reisenden kontrollieren. Die Daten aus dem Pass werden hierfür gesichert ausgelesen und überprüft.
Sowohl am Flughafen als auch bei der Kontrolle in der Bahn wird die Identitätsprüfung der Reisenden dadurch verbessert. So können gefälschte oder gestohlene Dokumente besser erkannt werden.
„New P@ss“
Im Projekt „NewP@ss“ wurden alle neuen Standards für Reisedokumente der Jahre 2013 bis 2015, also der dritten und vierten Generation, mit neuen Technologien kombiniert und ganzheitlich erforscht beziehungsweise technisch umgesetzt. Technische Neuerungen waren beispielweise
- erhöhte Chip-Sicherheit,
- schnelleres Auslesen der Daten,
- größerer Speicher des Chips und
- der Einsatz von NFC-Smartphones.
Im Abschlusstreffen Mitte Juni 2015 in Toulon, Frankreich, wurden die neuen Technologien und Anwendungen umfänglich den Gutachtern der EU-Kommission demonstriert.
Die deutsche Sicherheitsindustrie mit Giesecke & Devrient, NXP und Infineon sowie wichtige Marktteilnehmer aus Frankreich wie der Gesamtprojektkoordinator Gemalto konnten mit dem EU-Förderprojekt NewP@ss einen wissenschaftlichen und technischen Vorsprung gegenüber außereuropäischen Wettbewerbern in diesem Markt erarbeiten. Derzeit geben weltweit über 110 Staaten elektronische Reisepässe aus. Das Ausgabevolumen wird für 2015 auf etwa 150 Millionen Pässe geschätzt.

Zunehmend enthalten auch elektronische Personalausweise (zum Beispiel in Schweden, den Niederlanden, der Türkei und Albanien) diese Funktion. Der Bürger in Europa kann mit den neuen Standards und Technologien künftig mehr Sicherheit und gleichzeitig geringere Wartezeiten bei der Grenzkontrolle erwarten. Zertifizierte Sicherheits-Mikroelektronik bildet hierfür den Grundstein.
Der Autor: Dr. Detlef Houdeau, Senior Director, Chip Card & Security, Infineon Technologies AG
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