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Sie sind von Haus aus Jurist – sicher nicht die schlechteste Voraussetzung für den Öffentlichen Dienst – und ausgewiesener Kenner der Medienwelt, aber kein Techniker. Wie treffen Sie technische Entscheidungen?
Everding: Ich habe in Brandenburg einen gut aufgestellten IT- und eGovernment-Bereich vorgefunden. Seit 2003 hat das Innenministerium im Bereich eGovernment sehr viel technischen Sachverstand zusammengezogen. Dadurch weiß ich mich im Bereich der Technik gut beraten. Im Übrigen hielte ich es für verfehlt, wenn strategische technologische Entscheidungen ausschließlich auf Basis technologischer Erwägungen getroffen würden. Gerade für die tiefgreifenden Veränderungsprozesse, die die neuen Technologien in die Verwaltung bringen, ist eine interdisziplinäre und übergreifende Betrachtung wichtig, um diese Veränderungen als Gesamtprozesse erfolgreich planen und umsetzen zu können.
Ihre Funktion wird in Brandenburg auch als CPIO bezeichnet. Wo liegen die Unterschiede zu den CIO-Konzepten anderer Bundesländer?
Everding: Zunächst einmal: Mit der unterschiedlichen Bezeichnung soll die Prozessorientierung betont werden; IT ist kein Selbstzweck, sondern dient zur Abwicklung von Prozessen. Dies sehen aber auch die anderen Länder; die Bezeichnung CIO ist einfach dem Umstand geschuldet, dass andere Länder früher angefangen haben, zentrale Steuerung funktional zu verankern. Daher sehe ich durchaus viele Gemeinsamkeiten mit den CIO-Konzepten anderer Länder. Nehmen Sie das Beispiel der Zentralisierung – oder besser: zentralen Steuerung der Informationstechnologie; ob Rheinland-Pfalz, Hamburg, Niedersachsen, Brandenburg, Bremen oder Schleswig-Holstein, alle schätzen die ressortübergreifende Zentralisierungsstrategie sowohl hinsichtlich der Lösung aktueller Probleme der Informationstechnologie als auch bezüglich betriebswirtschaftlicher Überlegungen als alternativlos ein. Nochmal grundsätzlich: Als Koordinator für die Steuerung der strategischen und operativen Modernisierungsprozesse in Brandenburg setze ich schon einen Schwerpunkt darauf, dass die Öffentliche Verwaltung ihre Prozesse hin zu den Adressaten Bürger und Unternehmen neu organisiert und vor allem an deren Nutzen orientiert. Brandenburg hat hier einiges an Erfahrung vorzuweisen: Unser Umweltministerium hat mit der Pilotierung der Prozesskette des Elektronischen Abfallnachweisverfahrens wesentlich die gesetzlichen Grundlagen für die heutige bundeseinheitliche Lösung ZKS-Abfall beeinflusst. Für die Prozesskette Mobiles Elektronisches Antrags- und Ablaufverfahren im Katasterwesen werden gerade im Landtag die gesetzlich notwendigen Veränderungen beraten. Mit unserer Impulsstudie zur prozessorientierten Vernetzung von Unternehmen und Verwaltung in Brandenburg nehmen wir zehntausende kleine und mittlere Unternehmen und Handwerksbetriebe in Brandenburg in den Blick. Wenn wir im kommenden Sommer mit dem Roll-out von El.DOK, unserem elektronischen DMS/VBS, beginnen, wird die Integration weiterer Bereiche nicht mehr lange auf sich warten lassen. Voraussetzung ist ein zentrales Prozessregister, welches die vorhandenen Programmsysteme, Datenmodelle oder Verfahren und Schnittstellen in Brandenburg verwaltet. Ein solches Repository möchte ich etablieren.
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