Glasfaserausbau als Fundament für die digitale Transformation von Kommunen Digitalisierung ohne Hürden

Ein Gastbeitrag von Stefan Kondmann 4 min Lesedauer

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Allen Programmen und gesetzlichen Vorgaben durch Bund und Länder zum Trotz sind Kommunen bei der Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben oft auf sich allein gestellt. Gastautor Stefan Kondmann stellt die Problematik dar und blickt auf Glasfaser und Cloud als Treiber der Digitalisierung.

Eine erfolgreiche Digitalisierung ohne Hürden basiert laut Stefan Kondmann auf drei Säulen.(©  studio v-zwoelf - stock.adobe.com)
Eine erfolgreiche Digitalisierung ohne Hürden basiert laut Stefan Kondmann auf drei Säulen.
(© studio v-zwoelf - stock.adobe.com)

Kommunen sind bei der Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben oft auf sich allein gestellt. Dies zeigt sich beispielsweise beim Onlinezugangsgesetz (OZG). Die kürzlich vom Deutschen Bundestag verabschiedete Neuauflage des Gesetzes, das OZG 2.0, soll die digitale Transformation der öffentlichen Verwaltung vorantreiben, doch bis zur Umsetzung bleibt den Kommunen nur wenig Zeit. Der neue Zeitplan bis 2028 wirft die Frage auf, wie schnell die notwendigen Veränderungen tatsächlich umgesetzt werden können, insbesondere da die Ziele des alten OZG weitestgehend verfehlt wurden.

Laut einer Analyse, die das Vergleichsportal Verivox Ende Dezember 2023 veröffentlichte, waren bis Ende 2023 nur 81 der im OZG 1.0 vorgesehenen 581 Behördenservices online verfügbar. Weitere 96 behördliche Dienstleistungen waren zumindest teilweise online verfügbar. Die Verpflichtungen aus dem ersten OZG wurden somit zum Leidwesen der Bürgerinnen und Bürger nicht fristgerecht erfüllt. Mit dem jetzt überarbeiteten Gesetz sollen die Bürgerinnen und Bürger ihr Recht auf Online-Dienstleistungen des Bundes ab 2028 einklagen können. Eine Umsetzungsverpflichtung auf Kommunal- oder Landesebene fehlt jedoch.

Blick in die europäischen Nachbarländer

Wie es anders und besser funktioniert, zeigen europäische Nachbarländer. Angeführt von Finnland und Dänemark, aber auch bei unserem südlichen Nachbarn Österreich, gehört es vielfach bereits heute schon zum Standard, digitale Verwaltungsleistungen nutzen zu können. Wie der Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft der EU (DESI) für das Jahr 2022 zeigt, liegt Deutschland beim Digitalisierungsgrad der öffentlichen Verwaltung auf Platz 13 und damit knapp unter dem europäischen Durchschnitt.

Glasfaser als Fundament für die digitale Transformation

Bevor die digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung umgesetzt werden kann, bedarf es zunächst vor allem einer leistungsfähigen Netz-Infrastruktur auf Basis von Glasfaser. Effiziente und zeitgemäße digitalisierte Prozesse setzen nämlich voraus, dass die Internetversorgung leistungsfähig und stabil ist. Dazu gehört vor allem eine hochperformante Anbindung mit entsprechender Bandbreite. Glasfaser ist die einzige Technologie, die den steigenden Bandbreitenbedarf langfristig decken kann. Denn mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100.000 Mbit/s ist Glasfaser nahezu unbegrenzt skalierbar. Darüber hinaus ist die Technologie deutlich störungsresistenter als herkömmliche Kupfer- oder Koaxialkabel.

Der Ausbau von Glasfasernetzen ist daher eine grundlegende Voraussetzung für die digitale Transformation von Städten und Kommunen. Fehlen die finanziellen Mittel oder die notwendige Unterstützung durch die Bundesregierung oder Landesregierungen, können sich Kommunen an Partner aus der Wirtschaft wenden. Spezialisierte Unternehmen bringen nicht nur ihre Expertise ein, sondern auch eigenwirtschaftliche Investitionen, um den Glasfaserausbau voranzutreiben.

Die Verwaltungs-Cloud-Strategie: Einheitliche Standards und sichere Vernetzung

Eine weitere, essenzielle Komponente zur Digitalisierung ist die Nutzung von Cloud-Leistungen in der Verwaltung, die vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen und steigender Sicherheitsanforderungen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Da ein vollständiger Eigenbetrieb innerhalb der Verwaltungen jedoch nicht sinnvoll und leistbar ist, müssen Verwaltungen auf zugeschnittene Lösungen für den Öffentlichen Sektor zurückgreifen können.

Dazu müssen zahlreiche Verwaltungsprozesse erstmalig in die Cloud überführt und die Interoperabilität bereits im Einsatz befindlicher Cloud-Lösungen erhöht werden. Um dieser Problematik zu begegnen und eine effiziente, standardisierte Nutzung von Cloud-Ressourcen zu gewährleisten, wurde u.a. die deutsche Verwaltungs-Cloud-Strategie ins Leben gerufen. Ihr übergeordnetes Ziel besteht darin, gemeinsame Standards und Schnittstellen zu schaffen, um eine einheitliche Struktur für die öffentliche Verwaltung zu etablieren.

Der Multi-Cloud-Ansatz: Sicherheitsnetz für Verwaltungsdaten

Die Cloud der öffentlichen Verwaltung soll auf Basis einer Multi-Cloud-Strategie mit offenen Schnittstellen und strengen Sicherheits- sowie Transparenzvorgaben aufgebaut werden. Durch die Nutzung mehrerer Cloud-Dienste und der Verteilung von Daten und Diensten auf verschiedene Anbieter werden einseitige Abhängigkeiten, insbesondere von nicht-europäischen Anbietern, vermieden und in diesem Sinne auch die Digitale Souveränität erhöht. Telekommunikationsdienstleister können diese Cloud-Strategie durch flexible Architekturmodelle mit Cloud-Connect-Produkten und SD-WAN (Software-defined Wide Area Network) -Ansätzen unterstützen. Sie leisten auf diese Weise einen Lösungsbeitrag, um Verwaltungsdaten sicher und effizient in der Cloud zu verarbeiten. Dies ist insbesondere im Kontext von SASE (Secure Access Service Edge), ZTNA (Zero Trust Network Access) und KRITIS-Anforderungen relevant, um den Schutz sensibler Daten zu gewährleisten und die Cyber-Resilienz der öffentlichen Verwaltung zu stärken.

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Bereits heute sind laut dem BSI-Lagebericht 2023 durchschnittlich zwei Kommunen pro Monat von Hackerangriffen betroffen. Dies verdeutlicht den Handlungsbedarf. Eine schnelle und zuverlässige Internetverbindung, gepaart mit sicheren Cloud-Lösungen, trägt dazu bei, Prozesse erfolgreich zu digitalisieren und dabei Cyber-Bedrohungen zu minimieren. Ein SD-WAN-System ermöglicht zudem eine zentrale Managementplattform, die den gesamten Datenverkehr überwacht und ein zuverlässiges Verwaltungsnetzwerk schafft. Das hat nicht nur den Vorteil, dass lange Wartezeiten im täglichen Betrieb reduziert werden, sondern bietet auch eine erhöhte Sicherheit, insbesondere im Umgang mit sensiblen Daten.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie von Kommunen auf drei Säulen basiert: Einer leistungsfähigen Glasfaserinfrastruktur, gepaart mit einer Cloudstrategie, welche die Cyber-Resilienz und Souveränität stärkt, sowie einem Rückgriff auf sicherheitsfördernde Technologien und Architekturansätze.

Der Autor

Stefan Kondmann, Head of Key Account Management Public bei 1&1 Versatel

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