Zukunftsradar Digitale Kommunen: ein Meinungsbarometer

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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Trotz wachsender Bedrohung durch Cyberangriffe sind erst 35 Prozent der Kommunen mit einem aktuellen Sicherheitskonzept auf den Ernstfall vorbereitet, 94 Prozent aber sind bereit für eine verbindliche, föderale IT-Infrastruktur: Der aktuelle Zukunftsradar Digitale Kommune zeigt in mehrfacher Hinsicht Handlungsbedarf auf.

„Wir werden die Effizienzpotenziale der Digitalisierung nur dann konsequent nutzen können, wenn wir klare digitale Vorgaben und einheitliche Basisbausteine durch Bund und Länder bei vollständiger Finanzierung anbieten." (Dr. André Berghegger Hauptgeschäftsführer des DStGB)(© Fotomanufaktur JL – stock.adobe.com)
„Wir werden die Effizienzpotenziale der Digitalisierung nur dann konsequent nutzen können, wenn wir klare digitale Vorgaben und einheitliche Basisbausteine durch Bund und Länder bei vollständiger Finanzierung anbieten." (Dr. André Berghegger Hauptgeschäftsführer des DStGB)
(© Fotomanufaktur JL – stock.adobe.com)

Der aktuelle Zukunftsradar Digitale Kommune des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) und des Instituts für Innovation und Technik (iit) zeichnet ein durchwachsenes Bild: Während 52 Prozent der über 1.000 Befragten ihren Digitalisierungsstand als „ausreichend“ bewerten und sich immerhin 58 Prozent auf die anstehenden Herausforderungen gut vorbereitet sehen, haben erst 20 Prozent auch eine Strategie für die Digitalisierung, 31 Prozent arbeiten daran.

In einem Punkt aber sind sich fast alle einig: Es braucht eine verbindliche, föderale IT-Infrastruktur mit einheitlichen Schnittstellen und zentralen Basisdiensten, die für alle Kommunen bereitgestellt werden – dem stimmen 94 Prozent zu. DStGB-Hauptgeschäftsführer Dr. André Berghegger geht in seiner Einschätzung noch weiter: „Wenn es bei digitalen Prozessen, wie etwa bei der Kfz-Zulassung, nur darum geht, Leistungen zu erbringen, bei denen es kein Ermessen vor Ort gibt, sollten diese auch zentral von Bund und Ländern erbracht werden.“ Gleiches gelte für Leistungen wie Meldewesen, Wohngeld oder weitere Bundesleistungen. „In einem ersten Schritt sollte ein für alle Kommunen nutzbares Softwareangebot bereitgestellt werden“, so Berghegger. Für diese zentrale Bereitstellung sprachen sich 92 Prozent der Befragten aus. 81 Prozent erwarten einen hohen oder sehr hohen Finanzierungsbedarf für die Digitalisierung.

Veränderungsbedarf sehen die Studienautoren auch bei der Cybersicherheit. 57 Prozent der Kommunen schätzen die Bedrohung durch Cyberangriffe als hoch oder sehr hoch ein, ein aktuelles IT- Sicherheitskonzept haben aber nur 35 Prozent. Viele der Cyberangriffe auf Kommunen seien auf Akteure zurückführen, die ausländischen Regierungen zugeordnet werden könnten, darauf verweist der Geschäftsführende Direktor des iit, Prof. Dr. Volker Wittpahl. Da die Bedrohung der IT-Sicherheit in den Kommunen durch internationale Akteure wie APT-Gruppen vom Wesen her eine Bedrohung der äußeren Sicherheit im digitalen Raum darstelle, wäre die Verantwortung zur Abwehr beim Bund – so das Fazit der Studienautoren. Als neuen Ansatz schlagen sie die Zentralisierung und Vereinheitlichung von IT-Sicherheitsarchitekturen und Unterstützungsleistungen durch den Bund vor. Als weiteren Aspekt, um Sicherheitsrisiken wie auch Kosten zu minimieren, nennen sie, unter Verweis auf Schleswig-Holstein, den Einsatz von Open-Source-Lösungen.

Zukunftsradar Digitale Kommune

Der „Zukunftsradar Digitale Kommune – Ergebnisbericht zur Umfrage 2024“ wurde erstellt von Lorenz Hornbostel, Désirée Tillack, Michael Nerger, Volker Wittpahl, Alexander Handschuh, Janina Salden und Miriam Marnich. Die Auswertungen basieren auf einer Online-Erhebung des Instituts für Innovation und Technik und des Deutschen Städte- und Gemeindebundes im Zeitraum vom 19. Juni bis 29. August 2024. Angesprochen waren Personen mit Leitungsfunktionen in Städten und Kommunen in ganz Deutschland, insgesamt füllten 1.067 von ihnen den Onlinefragebogen vollständig aus. Dabei waren nicht alle Bundesländer in gleichem Maße beteiligt: Während die nordrhein-westfälischen Kommunen zu 26 Prozent und die baden-württembergischen zu 22 Prozent vertreten sind, liegen zu Berlin und Bremen gar keine Daten vor. Mit einem Anteil von 40 Prozent sind zudem Städte mit 10.000 bis 50.000 Einwohnern am stärksten repräsentiert. Die Studienautoren verweisen darauf, dass die Umfrageergebnisse nicht repräsentativ seien, sondern „vielmehr ein stichprobenartiges Meinungsbarometer zum aktuellen Stand der Digitalisierung in den Kommunen“. Der vollständige Bericht steht auf den Webseiten des DStGB sowie des iit zum Download bereit.

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