„Digital first“ für Sicherheit und Komfort an den Grenzen Die Zukunft des Reisens ist digital

Ein Gastbeitrag von Jon Payne 5 min Lesedauer

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Immer mehr Reisende bewegen sich durch die Sicherheitskontrollen, was zu längeren Wartezeiten führt. Gleichzeitig erhöhen die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz auch das Fälschungsrisiko traditioneller Ausweispapiere. Derzeit erproben immer mehr Länder innovative digitale Identitätssysteme für die Ein- und Ausreise.

Das passlose Reisen kommt nach und nach in der Praxis an.(©  Entrust)
Das passlose Reisen kommt nach und nach in der Praxis an.
(© Entrust)

Die Zukunft des Reisens ist bereits in Arbeit. Weltweit testen derzeit Flughäfen, Regierungen und Unternehmen der Reisebranche unterschiedliche Methoden zur digitalen Identitätsprüfung. Ein Beispiel dafür ist das SmartCheck-System des internationalen Hochgeschwindigkeitszuges Eurostar, der das Vereinigte Königreich mit dem europäischen Festland verbindet: Hier können Reisende mithilfe einer speziellen App ihre Identität via Gesichtserkennung und Scannen ihres Reisepasses verifizieren – lange bevor sie am Bahnhof ankommen. An der britischen Grenze müssen sie dann lediglich eine biometrische Kamera passieren, die ihr Gesicht mit den zuvor registrierten Daten abgleicht. Ein ähnliches System ist gerade für britische Flughäfen in Planung.

Der Wunschtraum des passlosen Reisens kommt also nach und nach in der Praxis an. Man kann davon ausgehen, dass in den nächsten drei bis fünf Jahren in großem Umfang biometrische Systeme eingeführt werden. Zumindest in technologisch fortgeschrittenen Ländern werden sie sich zur vorherrschenden Art der Identitätsüberprüfung an den Grenzen entwickeln.

Nahtlos Reisen mit Digital Travel Credentials

Eine biometrische Durchgangskontrolle basiert auf digitalen Reiseausweisen (Digital Travel Credentials, DTCs) die von herkömmlichen Reisepässen abgeleitet sind: Es handelt sich um eine digitale Darstellung der persönlichen Identität, die sicher auf einem mobilen Gerät gespeichert ist. Wir können heute hochsichere Technologien bereitstellen, anhand derer sich biometrische Daten und Passdaten aus der Ferne registrieren lassen, noch bevor Passagiere ihr Haus verlassen.

Diese DTCs werden im nächsten Schritt an das Transportunternehmen und die Grenzbehörden übermittelt, so dass Reisende die meisten Berührungspunkte auf ihrer Reise nahtlos passieren können. Ihr Gesicht wird im Grunde zu ihrem Ticket, wodurch sich einerseits Fehler und Betrug reduzieren lassen und andererseits auch Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen am Flughafen oder an der Grenze verringert werden.

Aber auch wenn DTCs es möglich machen, ePass-Daten und einen Gesichtsscan vor der Reise elektronisch weiterzugeben und am Check-in-Gate zu erfassen, ist nicht zu erwarten, dass in naher Zukunft auf physische Ausweise vollständig verzichtet wird. Wir rechnen mit hybriden Lösungen, bei denen Bürger:innen sowohl einen physischen als auch einen davon abgeleiteten elektronischen Ausweis besitzen.

Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung für Flughäfen?

Um ausreichend Zeit für die Umsetzung neuer Richtlinien zu haben, sollten sich Flughäfen zeitig auf die neuen technologischen Standards vorbereiten. In jedem Fall sollten Pläne vorliegen, wie die notwendigen Rahmenbedingungen für neue Einreiseprozesse etabliert werden können.

Ein proaktiver Ansatz für einzelne Flughäfen wäre, sich bereits an frühen Versuchen mit digitalen Identitätsprogrammen zu beteiligen, um bestehende Prozesse zu verbessern. Dies muss nicht nur im Hinblick auf die Grenzüberprüfung geschehen – mit moderner Technologie lässt sich auch in den Einkaufsbereichen, bei der Gepäckabgabe oder bei der Navigation innerhalb des Flughafens experimentieren. Dies bringt teilweise zudem finanzielle Vorteile mit sich: Der rasche Fortschritt in der Gesichtserkennungstechnologie geht mit sinkenden Kosten für solche Systeme einher, so dass die Grenzinfrastruktur damit effizienter und kostengünstiger gestaltet werden kann.

Durch die frühzeitige Teilnahme an Tests können Flughäfen Schritt für Schritt die schwere und platzraubende Infrastruktur, die derzeit an den Grenzen eingesetzt wird, durch einfachere und platzsparendere Technologien ersetzen. Die Gesichtserkennungskameras, die im SmartCheck-System bei Eurostar zum Einsatz kommen, sind beispielsweise viel kleiner und preiswerter als ein eGate. Dies deutet auf eine Zukunft hin, in der Flughäfen mit weniger Hardware an der Grenze rechnen können, was zu geringeren Kosten und mehr verfügbarem Platz für andere Flughafenfunktionen führt.

Auf der nächsten Seite: Datenschutz & Erfahrungen aus Changi und Dubai.

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