Online-Ausweis Die PIN to go

Von Natalie Ziebolz 6 min Lesedauer

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Ob Kfz-Zulassung oder Wohnsitzummeldung – Dienstleistungen der Verwaltungen werden immer häufiger digital angeboten. Eine fehlende oder vergessene PIN für den Online-Ausweis kann da schnell zum Problem werden. Die „Flotte PIN“ ermöglicht es Bürgern jedoch, diese schnell, ortsunabhängig und ohne Terminvereinbarung zu setzen. Augsburg macht es vor.

Ohne die PIN für den Online-Ausweis können digitale Verwaltungsleistungen nicht wahrgenommen werden.(Bild:  Picture Store – stock.adobe.com)
Ohne die PIN für den Online-Ausweis können digitale Verwaltungsleistungen nicht wahrgenommen werden.
(Bild: Picture Store – stock.adobe.com)

Haben Sie Ihren Online-Ausweis sofort aktiviert oder irgendwann verzweifelt den PIN-Brief gesucht? Oder Ihre PIN einfach vergessen? Damit sind Sie auf jeden Fall nicht alleine. Von Februar 2022 bis Dezember 2023 wurden von Bürgerinnen und Bürgern rund zwei Millionen PIN-Rücksetzbriefe angefordert. Aufgrund der aktuellen Haushaltslage – die Kosten für den Dienst beliefen sich für diesen Zeitraum auf fast 30 Millionen Euro – hat der Bund den Service mittlerweile allerdings eingestellt. „Daher gibt es seither nur noch zwei Möglichkeiten, um die PIN für die eID-Funktion zu setzen: Einerseits mit dem PIN-Brief, den jeder Bürger bei Antragstellung des Ausweises von der Bundesdruckerei erhalten hat, andererseits nach Terminvereinbarung in einem Bürgerbüro“, erklärt Frank Pintsch, Berufsmäßiger Stadtrat der Stadt Augsburg. Eine alternative Lösung wird aktuell noch gesucht (siehe Kasten). Nach Einschätzung von buergerservice.org wird es jedoch auf ein sogenanntes Selbstzahler-Modell hinauslaufen, das heißt, der PIN-Rücksetzdienst wird zwar wieder angeboten, die Kosten jedoch auf die Antragssteller übertragen. Der Verband geht hierbei von rund 15 bis 20 Euro aus, da der Brief persönlich zugestellt werden muss, um eine Identitätsprüfung vorzunehmen. Hinzu kommt: „In vielen Fällen ist die Person gerade nicht zu Hause, wenn der Postbote mit dem PIN-Rücksetzbrief an der Haustüre klingelt, das heißt, sie muss aufs Postamt fahren, sich anstellen und kann dann den PIN-Rücksetzbrief in Empfang nehmen“, ergänzt Rudolph Philipeit, Vorsitzender des Vorstandes bei buergerservice.org. Bequem – und vor allem schnell – geht anders. Da man sich ohnehin überlegen müsse, ob da nicht der Weg zum Bürgeramt klüger sei, schlägt Philipeit die sogenannte „Flotte PIN“ als Alternative vor. „Die ‚Flotte PIN’ ist gegenüber dem PIN-Rücksetzdienst kostenfrei und schneller zu bekommen, also wesentlich attraktiver. So kann sie den PIN-Rücksetzdienst in vielen Fällen, aber nicht in allen Fällen, ersetzen.“

Alternativen zum PIN-Brief?
Online-Ausweis

Der kostenlose PIN-Rücksetzdienst stellte eine einfache und bequeme Möglichkeit dar, bei Verlust des Aktivierungsbriefes oder Vergessen der sechsstelligen PIN, die Online-Funktion des Ausweises dennoch wieder nutzen zu können. Da der Dienst aus Kostengründen eingestellt wurde, braucht es dringend eine Alternative. Aktuell wird innerhalb der Bundesregierung ein Selbstzahler-Modell diskutiert, bei dem die Bürgerinnen und Bürger die Zustellung per Post-Ident-Verfahren selbst finanzieren. Gezahlt werden könnte die Gebühr direkt über die „Ausweis App“. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, eine alternative, möglichst digitale Zustellmethode zu wählen. Dafür ist jedoch eine Gesetzesänderung notwendig, denn die aktuelle rechtliche Lage lässt keine elektronische Übermittlung zu, da eine Identitätsprüfung des Ausweisinhabers bei der Übergabe vorgeschrieben ist. Das BMI hat jedoch bereits die Absicht erklärt, mit dem BSI über mögliche Lockerungen der Sicherheitsvorgaben zu verhandeln. Ein neues Verfahren müsste jedoch auch von der EU notifiziert werden.

Ohne entsprechende Anpassungen kämen hingegen geprüfte Privatunternehmen, die das Rücksetzen als Dienstleister übernehmen, in Betracht. Alternativ könnte die PIN auch in Filialen von Kreditinstituten vor Ort beantragt und abgeholt werden. Das Auslesen des Ausweises in einer Sparkassen-Filiale ist bereits heute ohne die Eingabe einer PIN durch den Filial-Ident-Service möglich. Der Service könnte um eine Aktivierungs- und Rücksetzfunktion erweitert werden.

Darüber hinaus könnte auch die Ausweis-App zur PIN-Anforderung genutzt werden. Die Nutzerinnen und Nutzer könnten sich dabei direkt in der App über ein Login in ihr Online-Banking legitimieren. Die Governikus GmbH, Anbieter der Ausweis App, müsste dazu zum Third Party Provider (TPP) werden und die XS2A-Schnittstelle nutzen, die die meisten Banken anbieten.

Der schnelle Weg zur PIN

Hinter der „Flotten PIN“ steckt dabei kein aufwendiges, technologisches Verfahren, sondern ein Vorgehensmodell, bei dem es darum geht, den Bürgerinnen und Bürgern unterschiedliche Gelegenheiten zu bieten, um vorausschauend oder situationsgetrieben eine PIN für die Online-Ausweisfunktion (eID) zu setzen – ohne vorher einen Termin vereinbaren zu müssen. Das kann beispielsweise am Informationsschalter im Eingangsbereich der Bürgerbüros sein, oder auch auf Messen und Veranstaltungen. Da nahezu jedes Bürgeramt in Deutschland diesen Service jedem Ausweisinhaber anbieten kann, ist für die Bürgerinnen und Bürger auch die PIN-Rücksetzung am Arbeitsort oder innerhalb Deutschlands sogar am Urlaubsort möglich. „Dort wird die Zugehörigkeit des Personalausweises zur Person geprüft. Im Anschluss kann der Ausweisinhaber kostenfrei eine neue PIN an einem speziellen Terminal setzen. Der ganze Vorgang dauert nicht länger als zwei Minuten“, so Philipeit.

Notwendig sei dies, da die eID-Anwendungsfälle ab dem Jahr 2025 dauerhaft sehr stark zunehmen würden. „Die bequeme Online-Ausweisfunktion im Personalausweis, im Elektronischen Aufenthaltstitel (EAT) und der ID-Karte für EU-Bürgerinnen und -Bürger erlangt für die Menschen immer mehr an Bedeutung.“ Die BundID – benötigt für die Kfz-Zulassung, Wohnsitzummeldung, Ehe-Online usw. –, die GesundheitsID – für eRezept und Gesundheitskarte –, das Bankkonto, das Organspenderegister und viele andere seien erste Vorboten, erklärt Philipeit. „Bereits in wenigen Jahren wird die EU-Brieftasche für digitale Identität (EUDI-Wallet) ein Alltagsinstrument für die Bevölkerung der EU werden. Damit werden wir uns nicht nur digital ausweisen, sondern auch sämtliche Urkunden (Zeugnisse, ärztliche Befunde, den Führerschein usw.), aber auch die rechtsgültige elektronische Unterschrift digital unter der eigenen Souveränität verfügbar halten. Für all diese Entwicklungen und Funktionen ist in Deutschland die Online-Ausweisfunktion der Schlüssel.“ Während eines Ämtergangs oder an Event-Tagen vorausschauend schnell eine PIN zum Personalausweis zu setzen, beziehungsweise in relevanten Situationen schnell eine fehlende PIN zum Personalausweis zu bekommen, werde massenhaft Bedeutung erlangen.

Auf der nächsten Seite: Augsburg testet die „Flotte PIN“

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