An der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl werden die nächsten Generationen von Beamtinnen und Beamten für eine Karriere in einem sich ständig wandelnden Umfeld ausgebildet. Angetrieben werden Lehrende und Studierende dabei vom selben Motiv: etwas Sinnstiftendes zu tun.
Die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Brühl
„Niemand redet so schlecht über die Verwaltung wie die Verwaltung selbst“, sagt Nele große Deters. Sie ist Absolventin des Studiengangs Digital Administration and Cybersecurity (DACS), einem von zwei IT-Studiengängen an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung (HS Bund) in Brühl. „Da darf man sich auch nicht frustrieren lassen von all den Aussagen, wie schlimm es um die Digitalisierung in der Verwaltung steht. Aber wenn man es schafft, sich davon zu distanzieren, dann weiß man auch, an wie vielen Ecken schon was passiert, wo man ansetzen kann und dass man auch Teil der Lösung sein kann.“
Teil der Lösung
Und das ist nicht nur das Ziel der rund 8.500 Studierenden, sondern auch der Lehrenden: Teil der Transformation sein. Dr. Sabine Leppek war bereits seit vielen Jahren als Lehrende an der Hochschule tätig, ist Dekanin des Fachbereiches Allgemeine Innere Verwaltung (AIV) und ist seit 1. Oktober 2023 Präsidentin der HS Bund. Sie weiß von der Bedeutung, die der Wille zur Veränderung hat: „Wir wollen nicht nur Studierende, die aus Sicherheitsgründen hier studieren, weil sie so Beamtenstatus erlangen. Wenn wir eine Transformationsaufgabe wie diese bewältigen möchten, brauchen wir in der Bundesverwaltung intrinsisch motivierte und an der Aufgabe begeisterte Studierende.“
Weiter betont sie: „Ich persönlich finde es extrem sinnstiftend, dass man als Absolventin und Absolvent eine Aufgabe hat, die – in welchem Bereich der Verwaltung auch immer – dazu bestimmt ist, unseren Staat besser zu machen. Und ich hoffe, das ist auch die Hauptmotivation der meisten Studierenden.“
Um diese Motivation festzustellen, gibt es deshalb vor Antritt des Studiums Eignungstests. In einem ersten Schritt müssen die potenziellen Erstsemester einen Online-Test bestehen. „Bei der Konzeption der Fragen haben wir uns überlegt, was die basalen Interessengebiete sind, die eigentlich schon vorhanden sein müssen, wenn man sich hier bewirbt“, erklärt Leppek dazu. So besteht der Verwaltungstest aus Fragen zur kognitiven Eignung, einem Deutschtest und ersten Gesetzesanwendungsfragen.
Erzielen die Teilnehmenden des Tests genug Punkte, werden sie zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Vor einem Komitee aus Lehrenden und Vertreterinnen und Vertretern aus der Verwaltung wird so die persönliche Eignung der Kandidatinnen und Kandidaten festgestellt. „Und dabei ist uns das Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung sehr wichtig“, betont Leppek.
Und auch Prof. Dr. Anna Schulze, kommissarische Leiterin des DACS-Studiengangs, ergänzt dazu: „Den Bewerberinnen und Bewerbern muss klar sein, dass sie eine Karriere bei der Bundesrepublik Deutschland anstreben. Dementsprechend zielen viele Fragen im Gespräch auf ihr Wertesystem ab. Sie müssen sich schließlich vorstellen können, für den Staat zu arbeiten und Gutes zu tun.“
Leppek: „Es geht hierbei um die Grundpfeiler des Rechtsstaats. Und da sind die Fragen zu der Einstellung und den Werten auch eine Form der Prävention. Gerade wenn man an Rechtsextremismus in öffentlichen Behörden oder Polizeien nachdenkt, muss man vorsorgen. Und da sagen wir ganz klar: Idealerweise erreichen uns überhaupt nur Leute, die den Staat im besten Sinne repräsentieren.“
Haben die Kandidatinnen und Kandidaten die Tests erfolgreich absolviert, steht ihnen in der Regel ein duales Studium in sechs Semestern bevor. Zwei Semester verbringen die Studierenden in einer Behörde. Ziel dieser berufspraktischen Studienabschnitte ist es, Theorie und Praxis bereits während des Studiums zu verzahnen und die Studierenden so bestmöglich auf ihre künftigen Tätigkeiten vorzubereiten. Dabei verbringt man im Studiengang Verwaltungsmanagement die beiden Semester in unterschiedlichen Behörden – das erste Praktikum im dritten Semester in der inneren Verwaltung, in der man sich mit Themen wie Personal, Haushalt und Organisation befasst, und das zweite Praktikum findet im fünften Semester in der allgemeinen Verwaltung statt, wo es dann auf die unterschiedlichen Fachaufgaben der Behörde ankommt, in der man diesen Praxisabschnitt absolviert.
Alicia Borgmann ist Absolventin des Studiengangs Verwaltungsmanagement und erklärt dazu: „Im ersten Praktikums-Semester sammeln die meisten Studierenden sehr ähnliche Erfahrungen, da sich die Aufgaben da kaum unterscheiden. Im zweiten Praktikum geht es dann an die Fachaufgaben, und da übernehmen die Studierenden völlig unterschiedliche Aufgaben, basierend darauf, welche ihre Praktikums-Behörde ist. Das geht von A wie Asylrecht im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) über F wie das Verhandeln der Fischfangquote im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) oder Internationale Angelegenheiten im Bundesministerium des Innern und für Heimat (BMI) bis P wie politische Bildung in der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).“
Stand: 08.12.2025
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Vorbereitet in Theorie und Praxis
Im Studiengang DACS gibt es die zwei Praktikums-Semester ebenfalls, allerdings zweimal in derselben Behörde. Dazu erklärt Schulze: „Als der DACS vor ein paar Jahren entwickelt wurde, hat man sich natürlich anfangs überlegt, das AIV-Modell mit zwei unterschiedlichen Behörden zu übernehmen. Allerdings gab es die Befürchtung, dass sich die Behörden gegenseitig die Augen aushacken würden, um die Absolventinnen und Absolventen von sich zu überzeugen. Deshalb hat man sich dazu entschieden, dass im Laufe des Bewerbungsprozesses drei Wunschbehörden mit Priorisierung angegeben werden müssen. Im Rahmen dieses Prozesses wird dann auch die Behörde festgelegt. Und dann bekommen die Studierenden einen konkreten Studienplatz angeboten – mit der Behörde.“
Obwohl viele Studierende des DACS und des Verwaltungsmanagements nach dem Studium bei der Praktikumsbehörde einsteigen, haben sie aufgrund der breiten Laufbahn-Ausbildung im gehobenen nichttechnischen Dienst auch die Möglichkeit, in einem anderen Haus zu arbeiten. Schulze: „Die Zuteilung zu den Behörden bedeutet zunächst nur, dass dort die beiden Praktika absolviert werden, auch wenn es eigentlich so vorgesehen ist, dass man dort nach dem Studium einsteigt. Wir sagen aber den Behörden und den Studierenden immer wieder, dass sich beide Seiten dennoch Mühe geben müssen, um attraktiv zu bleiben. Die Behörde, um zu signalisieren, dass sie die künftigen Absolventinnen und Absolventen übernehmen möchten und der Studierende, um der Behörde zu zeigen, es lohnt sich, ihn oder sie zu fördern.“
Und auch in den Theoriephasen werden die Beamtenanwärter bestmöglich auf ihre künftigen Aufgaben vorbereitet. Dazu sagt Leppek: „Wir reformieren die Curricula aller Studiengänge im Abgleich zu den Bedarfen der Behörden regelmäßig. Es ist also ein ständiger Entwicklungsprozess.“ Für dieses Qualitätsmanagement werden sowohl wissenschaftliche Perspektiven als auch die der Behörden und der Absolventinnen und Absolventen berücksichtigt, um Rückmeldungen dazu zu erhalten, was im Lehrplan verankert, vertieft oder gestrichen werden sollte. „Wir legen großen Wert darauf, uns selbst immer wieder auf den Prüfstand zu stellen, uns kritisch zu reflektieren, um das zu analysieren, was den Bedarf der Bundesbehörden genau trifft. Denn diese Frage müssen wir uns letztlich jeden Tag stellen.“
Digitalisierung: lernen und lehren
So ist auch an der HS Bund die Digitalisierung ein großes Thema. Durch die Praxisphasen lernen die Studierende mit Anwendungen wie der E-Akte umzugehen. Über Projekte wie den „Digital Friday“, an dem alle Studierende nur online an den Vorlesungen teilnehmen, wird Digitalisierung außerhalb der Praxisphasen in den Alltag integriert. Dazu sind auch die Räume der Hochschule mit modernster Technik ausgestattet.
Nele große Deters dazu: „Natürlich ist etwas nur, weil etwas am Whiteboard steht, nicht digital. Aber das ist ein Entwicklungsprozess und das sieht man bei uns als erstem DACS-Jahrgang sehr gut. Wenn etwas bei uns nicht ideal lief, wurde das für die kommenden Jahrgänge optimiert.“
Dr. Leppek erklärt dazu: „Die Digitalisierung darf nichts sein, was man den Leuten aufdrängt. Transformation bedeutet schließlich, dass die Menschen etwas auch wollen und motiviert sind. Anders funktioniert es nicht. Das alles ergibt nur Sinn, wenn es eine gesunde Entwicklung ist.“
Sie resümiert: „Wir versuchen hier ein Motor zu sein, um Absolventinnen und Absolventen hervorzubringen, die wissen, dass ihre Ideen gehört werden und umgesetzt werden können – nicht nur hier an der Hochschule, sondern auch in den Behörden. Dabei geht es um Kommunikation und Fehlerkultur. Und das ist ein sehr generelles Thema, das man glaubhaft vermitteln muss. Und auch daran hängt die Digitalisierung. Es geht immer darum, sich zu hinterfragen und sich einzugestehen, dass man etwas ändern muss, damit es besser funktioniert. Schwierigkeiten und Ängste bei dem Sich-selbst-Hinterfragen sind aber kein Phänomen des öffentlichen Dienstes, das fällt den meisten Menschen schwer. Man muss daher vorleben, dass neue Wege zu gehen, kein Risiko ist, sondern eine Chance.“