Aufruf zur Mitwirkung Deutschland-Stack: Schleswig-Holstein legt Impulspapier vor

Von Nicola Hauptmann 3 min Lesedauer

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Schleswig-Holstein hat ein Fachtreffen mit Akteuren der Digitalwirtschaft zur Entwicklung des Deutschland-Stacks organisiert und die Ergebnisse in einem Impulspapier veröffentlicht – als Angebot zur Unterstützung und Mitwirkung.

Dirk Schrödter, Digitalisierungsminister des Landes Schleswig-Holstein: „Bereits jetzt zeichnen sich klare Ansätze ab, welche technologischen Lösungen und Standards notwendig sind, um den Deutschland-Stack erfolgreich zu realisieren."(©  Frank Peter)
Dirk Schrödter, Digitalisierungsminister des Landes Schleswig-Holstein: „Bereits jetzt zeichnen sich klare Ansätze ab, welche technologischen Lösungen und Standards notwendig sind, um den Deutschland-Stack erfolgreich zu realisieren."
(© Frank Peter)

Eine kritische Bestandsaufnahme nach 100 Tagen Bundesregierung ist wichtig und berechtigt. Daueraufgabe bleibt aber, gerade bei der Digitalisierung: Lösungen und Impulse einbringen. Schleswig-Holstein macht es vor: Mitte Juli hatte Digitalisierungsminister Dirk Schrödter Akteure aus der Digitalwirtschaft und Verwaltung in die Landesvertretung nach Berlin eingeladen. Ziel des fachlichen Austauschs war es, eine gemeinsame Sichtweise zum Aufbau des Deutschland-Stacks zu entwickeln. Ein solcher interoperabler, europäisch anschlussfähiger souveräner Stack soll laut Koalitionsvertrag KI, Cloud-Dienste sowie Basiskomponenten integrieren. „Die am Austausch Beteiligten sind überzeugt, dass dieses Projekt ein bedeutender Schritt für die digitale Entwicklung Deutschlands ist", so Schrödter. Bei ihrem Treffen in Berlin besprachen die Teilnehmenden technologische, rechtliche und marktbezogene Aspekte der Entwicklung sowie zentrale Erfolgsfaktoren wie Digitalwirtschaft und Open Source. Die Ergebnisse haben sie in einem Impulspapier veröffentlicht. Darin formulieren sie zwölf Gestaltungsprinzipien, die sie anschließend näher erläutern.

Grundlegend ist demnach das Verständnis des Deutschland-Stacks als eines Ökosystems offener Innovation, mit offenen Standards und Interoperabilität, dem Prinzip der digitalen Souveränität folgend. Gefordert wird explizit: „Der Deutschland-Stack muss vollständig auf openCode entwickelt werden“, die Schnittstellen sind nach der OpenAPI-Spezifikation zu beschreiben.

Das europäische Plattform-Ökosystem

„Bei dem Aufbau dieser Strukturen prüfen wir, ob europäische Anbieter bereits entsprechende Lösungsmodelle entwickelt haben“, halten die regierenden Parteien bereits im Koalitionsvertrag fest. Das Impulspapier, das auch auf konkrete Initiativen wie X-Road oder „Gov-Stack“ verweist, geht mit seiner Forderung weiter: Der Deutschland-Stack müsse ein „Treiber für die Fortentwicklung des Einer-für-alle-Ansatzes für Infrastrukturkomponenten auf europäischer Ebene werden“. Grundlagen seien ein gemeinsames Komponentenmodell, offene Standards und europaweite Good Practices.

Zentrale Basisdienste und dezentrale Lösungen

Als zwei wesentliche Erfolgsfaktoren werden Zentralisierung und Standardisierung thematisiert. Ein Stack, „der die öffentliche Hand, von Bund über die Länder bis zu den Kommunen, die Privatwirtschaft und den gemeinnützigen Sektor sowie die Wissenschaft verbindet“, muss demnach einen Ausgleich zwischen den beiden Ansätzen finden. Für einzelne funktionale Komponenten solle ein „Zentral-für-alle“-Modell verfolgt werden, da der Aufwand mehrfacher Implementierung nicht gerechtfertigt sei. Auf der anderen Seite sollen offene Standards und Schnittstellen die einfache und schnelle Anbindung von Lösungen ermöglichen, die dezentral von den Verwaltungen in Bund, Ländern und Kommunen oder in der Privatwirtschaft betrieben werden. Das ist auch unter dem Aspekt der Wertschöpfung und Know-how-Entwicklung in Deutschland und Europa wichtig. Es geht darum, Leistungsfähigkeit, Innovationskraft und -bereitschaft insbesondere von GovTech-Unternehmen auszuschöpfen.

Zu den Gestaltungsprinzipien gehört auch eine klare Governance: „Der Deutschland-Stack muss in Form einer kooperativen, aber auch gelenkten offenen Entwicklung vorangetrieben werden." Es brauche einen ganzheitlichen Entwicklungsansatz für „Fachanwendungen, Sicherheitsfunktionen, automatisierte Deployments, Lieferkettennachweise bis hin zu Software-Metriken und Lageberichten“.

Wie es weitergehen soll

Das Impulspapier definiert auch die nächsten Schritte: Bis Jahresende sollte der Deutschland-Stack „lauffähig und als Entwicklungsziel tragend auf openCode veröffentlicht werden“, um auch die Entwickler-Community frühzeitig einzubinden. Eine offene Entwicklerkonferenz soll die Grundlagen für Prinzipien, Komponenten, Standards, Entwicklungsmodell legen und die Planungen konkretisieren. Konkret soll die Release-Planung für die folgenden 12-18 Monate im Nachgang zur Konferenz veröffentlicht werden.

Das Impulspapier ist ein Unterstützungsangebot und gleichzeitig ein Aufruf: „Die Beteiligten verstehen die Impulse als Angebot, an der Entstehung des Deutschland-Stacks mitzuwirken, sich einzubringen und Teil der Idee zu werden.“

Das Impulspapier

An der Erstellung des Papiers „Impulse für einen offenen, interoperablen und europäisch anschlussfähigen Deutschland-Stack“ haben auf Einladung des Digitalisierungsministers von Schleswig-Holstein und unterstützt durch das BMDS Vertreterinnen und Vertreter aus über 20 Unternehmen und Organisationen mitgewirkt. Das Papier im Wortlaut und die Liste der Teilnehmer finden Sie auf der Website der schleswig-holsteinischen Landesregierung.

Link zum Download

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